Kosovo, Serbien

Kosovo: Nato schickt nach Ausschreitungen weitere Soldaten

30.05.2023 - 17:52:02 | dpa.de

80 Verletzte in wenigen Stunden - nach den schweren Unruhen ĂŒbt sich die euro-atlantische Gemeinschaft in Schadensbegrenzung. Eine Lösung zeichnet sich im Kosovo aber vorerst nicht ab.

  • Soldaten der von der Nato gefĂŒhrten Kosovo-Friedenstruppe KFOR bewachen ein GemeindegebĂ€ude nach ZusammenstĂ¶ĂŸen mit Kosovo-Serben. - Foto: Bojan Slavkovic/AP/dpa
  • KFOR-Soldaten errichten einen Sicherheitszaun nach den gestrigen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen ethnischen Serben und Truppen der NATO-gefĂŒhrten KFOR-Friedenstruppe. - Foto: Bojan Slavkovic/AP
Soldaten der von der Nato gefĂŒhrten Kosovo-Friedenstruppe KFOR bewachen ein GemeindegebĂ€ude nach ZusammenstĂ¶ĂŸen mit Kosovo-Serben. - Foto: Bojan Slavkovic/AP/dpa KFOR-Soldaten errichten einen Sicherheitszaun nach den gestrigen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen ethnischen Serben und Truppen der NATO-gefĂŒhrten KFOR-Friedenstruppe. - Foto: Bojan Slavkovic/AP

Nach den jĂŒngsten Ausschreitungen im Kosovo verstĂ€rkt die Nato ihre dortige TruppenprĂ€senz. «Wir haben beschlossen, 700 weitere Soldaten aus der Einsatzreserve fĂŒr den westlichen Balkan zu entsenden», sagte GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

ZusÀtzlich werde noch ein weiteres Bataillon mit ReservekrÀften in höhere Einsatzbereitschaft versetzt, um es bei Bedarf ebenfalls schnell verlegen zu können. Zahlen dazu nannte Stoltenberg nicht. In der Regel besteht ein Bataillon aus etlichen Hundert Soldatinnen und Soldaten.

30 Soldaten und mehr als 50 Serben verletzt

Am Montag war es im serbisch bevölkerten Norden des Kosovos zu schweren Ausschreitungen gekommen. Militante Serben griffen in der Ortschaft Zvecan KFOR-Truppen mit BrandsÀtzen und Steinen an. Diese setzten TrÀnengas und Blendgranaten ein. 30 italienische und ungarische Soldaten sowie mehr als 50 Serben erlitten Verletzungen.

Die Serben im Nord-Kosovo protestieren seit Tagen gegen die Einsetzung neuer BĂŒrgermeister in drei Gemeinden. Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 2008 fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rt. Serbien erkennt diesen Schritt bis heute nicht an und verlangt die RĂŒckgabe seiner ehemaligen Provinz.

«Gewalttaten gegen BĂŒrger, gegen Medien, gegen Strafverfolgungsbehörden und die KFOR-Truppen sind absolut inakzeptabel», sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Dienstag in BrĂŒssel. Sie fĂŒhrten «zu einer sehr gefĂ€hrlichen Situation». Beide Parteien mĂŒssten unverzĂŒglich alles dafĂŒr tun, um zu deeskalieren und wieder fĂŒr Ruhe zu sorgen.

Bereits am vergangenen Freitag war es in Zvecan zu Unruhen gekommen, als die kosovarische Polizei den neuen BĂŒrgermeister ins Gemeindeamt eskortierte. Die KFOR-Truppen traten schließlich an die Stelle der Kosovo-Polizei, um die AmtsgebĂ€ude im Nord-Kosovo zu sichern. In Zvecan eskalierte die Situation am Montag, als die KFOR-Einheiten die gewalttĂ€tig gewordene Menge aufzulösen begannen.

EU-Vertreter und die Außenministerien von fĂŒnf westlichen LĂ€ndern, darunter Deutschland, hatten bereits den Einsatz der Kosovo-Polizei am Freitag in Zvecan verurteilt. Ihnen zufolge hat der kosovarische MinisterprĂ€sident Albin Kurti damit die Lage unnötig angeheizt.

Kurti machte wiederum das Nachbarland Serbien fĂŒr die Unruhen verantwortlich. Bei den Demonstranten im Norden handle es sich zum Großteil um «einen Haufen Extremisten unter Anleitung des offiziellen Belgrads», sagte er am spĂ€ten Montagabend nach Angaben seines Amtes in einem GesprĂ€ch mit den Botschaftern der fĂŒnf westlichen LĂ€nder.

EU-Chefdiplomat Borrell forderte die kosovarischen Behörden am Dienstag auf, die PolizeieinsĂ€tze im Norden des Landes einzustellen. Von den militanten Serben verlangte er, sich zurĂŒckzuziehen. «Wir haben schon jetzt zu viel Gewalt in Europa. Wir können uns keinen weiteren Konflikt leisten», sagte er. Borrell versucht derzeit, zwischen den Regierungen Serbiens und des Kosovos zu vermitteln.

Serben demonstrieren erneut

Im Nord-Kosovo blieb es am Dienstag ruhig. Mehrere Tausend Serben demonstrierten in den Orten Zvecan, Leposavic und Zubin Potok gegen den Amtsantritt der neuen BĂŒrgermeister, die aus der albanischen Volksgruppe kommen. Sie waren im Vormonat gewĂ€hlt worden, wobei fast alle Serben die Gemeindewahlen boykottierten, weshalb die Wahlbeteiligung unter vier Prozent lag.

Die KFOR war 1999 nach einer Nato-Intervention gegen Serbien mit rund 50.000 Mann ins Kosovo eingerĂŒckt. Aufgrund eines Mandats des UN-Sicherheitsrats ist sie fĂŒr die GewĂ€hrleistung der Sicherheit in dem Land zustĂ€ndig. Heute gehören ihr noch etwa 3800 Soldaten an, die meisten von ihnen kommen aus Italien, den USA, Ungarn und der TĂŒrkei. Deutschland nimmt noch mit etwa 70 Soldaten am KFOR-Einsatz teil.

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