Tag, Entscheidung

Tag der Entscheidung: Wer in der EU bald wichtig sein könnte

27.11.2024 - 04:37:37

Ähnlich wie die neue Regierungsmannschaft von Donald Trump sorgen auch designierte Mitglieder der nĂ€chsten EU-Kommission von Ursula von der Leyen fĂŒr hitzige Diskussionen. Heute wird nun abgestimmt.

  • Hat die ersten fĂŒnf Jahre im Amt bereits hinter sich: EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Soll die europĂ€ische RĂŒstungsindustrie stĂ€rken: Andrius Kubilius. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • Gilt im Umgang mit Russland als Hardlinerin: Kaja Kallas, hier mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj. (Archivbild) - Foto: Kin Cheung/AP Pool/dpa

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  • Melonis Mann in BrĂŒssel: Raffaele Fitto war zuletzt Minister fĂŒr europĂ€ische Angelegenheiten. (Archivbild) - Foto: Luigi Mistrulli/IPA via ZUMA Press/dpa

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  • Profitiert vom Streit seines Landsmannes Breton mit Ursula von der Leyen: StĂ©phane SĂ©journĂ©. (Archivbild) - Foto: Michel Euler/AP/dpa

    Michel Euler/AP/dpa

  • War auch schon fĂŒr Energie, Raumfahrt, Bildung und Verwaltung zustĂ€ndig: der Slowake Maros Sefcovic. (Archivbild) - Foto: Darko Vojinovic/AP/dpa

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  • Soll den Klimaschutz in der EU voranbringen: der NiederlĂ€nder Wopke Hoekstra. (Archivbild) - Foto: Rafiq Maqbool/AP/dpa

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  • Soll mit Migration eines der ganzen heißen Themenfelder ĂŒbernehmen: der Österreicher Magnus Brunner (Archivbild) - Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpa

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  • Hat wegen seiner engen Kontakte zu Viktor Orban keinen leichten Stand in BrĂŒssel: Olivier Varhelyi. (Archivbild) - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

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  • Soll die WettbewerbsfĂ€higkeit der Wirtschaft stĂ€rken: die Spanierin Teresa Ribera. (Archivbild) - Foto: Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/dpa

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Hat die ersten fĂŒnf Jahre im Amt bereits hinter sich: EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpaSoll die europĂ€ische RĂŒstungsindustrie stĂ€rken: Andrius Kubilius. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaGilt im Umgang mit Russland als Hardlinerin: Kaja Kallas, hier mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj. (Archivbild) - Foto: Kin Cheung/AP Pool/dpaMelonis Mann in BrĂŒssel: Raffaele Fitto war zuletzt Minister fĂŒr europĂ€ische Angelegenheiten. (Archivbild) - Foto: Luigi Mistrulli/IPA via ZUMA Press/dpaProfitiert vom Streit seines Landsmannes Breton mit Ursula von der Leyen: StĂ©phane SĂ©journĂ©. (Archivbild) - Foto: Michel Euler/AP/dpaWar auch schon fĂŒr Energie, Raumfahrt, Bildung und Verwaltung zustĂ€ndig: der Slowake Maros Sefcovic. (Archivbild) - Foto: Darko Vojinovic/AP/dpaSoll den Klimaschutz in der EU voranbringen: der NiederlĂ€nder Wopke Hoekstra. (Archivbild) - Foto: Rafiq Maqbool/AP/dpaSoll mit Migration eines der ganzen heißen Themenfelder ĂŒbernehmen: der Österreicher Magnus Brunner (Archivbild) - Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpaHat wegen seiner engen Kontakte zu Viktor Orban keinen leichten Stand in BrĂŒssel: Olivier Varhelyi. (Archivbild) - Foto: Virginia Mayo/AP/dpaSoll die WettbewerbsfĂ€higkeit der Wirtschaft stĂ€rken: die Spanierin Teresa Ribera. (Archivbild) - Foto: Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/dpa

Wird es eine klare Sache oder doch noch einmal knapp? Das EuropĂ€ische Parlament stimmt heute nach wochenlangem Streit ĂŒber die neue EU-Kommission unter der FĂŒhrung der deutschen PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen ab - und entscheidet damit, ob sie am 1. Dezember ihre Arbeit aufnehmen kann. 

Der Einfluss der 27 Frauen und MĂ€nner auf die europĂ€ische Politik ist groß, da in der EU nur die Kommission Gesetze vorschlagen kann und sie außerdem ĂŒberwacht, ob die Staaten die Gesetze einhalten. Die BrĂŒsseler Behörde mit rund 32 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelt damit vieles, was im Alltag von knapp 450 Millionen EU-BĂŒrgern eine Rolle spielen kann. Vor allem folgende zehn Personen könnten in den kommenden Jahren wichtige Weichen stellen:

Kaja Kallas (47), Hohe Vertreterin der EU fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik

Die frĂŒhere estnische MinisterprĂ€sidentin Kaja Kallas hat als Nachfolgerin des Spaniers Josep Borrell die Herkulesaufgabe vor sich, die EU in der Außenpolitik schlagkrĂ€ftiger zu machen. Herausfordernd ist das vor allem wegen des Einstimmigkeitsprinzips und der unterschiedlichen Sicht von Mitgliedstaaten auf die weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine und den Konflikt im Nahen Osten. Kallas' Vorteil ist, dass ihr die Politik quasi in die Wiege gelegt wurde: Ihr Vater Siim Kallas war frĂŒher Estlands MinisterprĂ€sident und lange Jahre EU-Kommissar. Auch sie selbst verbrachte vier Jahre in BrĂŒssel - als Europa-Abgeordnete von 2014 bis 2018.

Raffaele Fitto (55) - VizeprĂ€sident, zustĂ€ndig fĂŒr KohĂ€sion und Reformen

Über weniges wurde in BrĂŒssel in den vergangenen Wochen so viel gestritten wie ĂŒber die Personalie Raffaele Fitto. Der Italiener soll kĂŒnftig als einer der VizeprĂ€sidenten fĂŒr milliardenschwere Fördermitteltöpfe und Reformen zustĂ€ndig sein. An seiner Kompetenz und proeuropĂ€ischen Ausrichtung zweifelten die wenigsten, wohl aber an seinen politischen Überzeugungen. Grund ist, dass er der rechten Partei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) von Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni angehört. Die Sozialdemokraten und andere Parteien links der Mitte wehrten sich heftig gegen einen rechten VizeprĂ€sidenten, allerdings erfolglos.

StĂ©phane SĂ©journĂ© (39) - VizeprĂ€sident, zustĂ€ndig fĂŒr Wohlstand und Industriestrategie

FĂŒr den Franzosen ist es in diesem Jahr schon der dritte Posten: SĂ©journĂ© war zunĂ€chst Vorsitzender der liberalen Renew-Fraktion im EU-Parlament, bevor er im Januar als Außenminister nach Paris wechselte. Nun soll er als EU-Kommissar zurĂŒck nach BrĂŒssel gehen. Als französischer Kandidat war eigentlich der bisherige Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton gesetzt. Der warf allerdings wegen Differenzen mit von der Leyen im September das Handtuch. SĂ©journĂ© soll kĂŒnftig eine SchlĂŒsselrolle bei der Frage zukommen, wie Europas Unternehmen im globalen Wettbewerb weiter gestĂ€rkt werden können.

MaroĆĄ Ć ef?ovi? (58) - VizeprĂ€sident, zustĂ€ndig fĂŒr Handel und wirtschaftliche Sicherheit

Der Slowake MaroĆĄ Ć ef?ovi? ist bereits seit 2009 EU-Kommissar und damit einer der erfahrensten Politiker im Team. In den kommenden fĂŒnf Jahren soll er die schwierigen Handelsbeziehungen zu China und den USA managen und neue Handelsabkommen zum Abschluss bringen. Er wird vor allem dann gefragt sein, wenn die USA unter der FĂŒhrung Donald Trumps Zusatzzölle auf Produkte aus der EU einfĂŒhren sollten. 

Andrius Kubilius (67) - Kommissar fĂŒr Verteidigung und Raumfahrt

Mit dem frĂŒheren litauischen Regierungschef Andrius Kubilius wird es in der EU erstmals einen Kommissar fĂŒr Verteidigung geben - der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dĂŒrfte ein maßgeblicher Grund dafĂŒr sein. Soldaten und Soldatinnen unterstehen dem 67-JĂ€hrigen allerdings nicht. Er soll vielmehr dafĂŒr sorgen, dass die europĂ€ische RĂŒstungsindustrie den Bedarf erfĂŒllt und genug Geld hat, um ihre ProduktionskapazitĂ€ten auszubauen.

OlivĂ©r VĂĄrhelyi (52) - Kommissar fĂŒr Gesundheit und Tierschutz 

Weil er als Vertrauter des umstrittenen ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban gilt, schlĂ€gt dem Karrierediplomaten VĂĄrhelyi in BrĂŒssel viel Misstrauen entgegen. Als einziger musste er im BestĂ€tigungsverfahren des Parlaments schriftlich Zusatzfragen beantworten. An seiner Eignung fĂŒr einen Kommissarsposten gibt es letztlich aber wenig Zweifel - VĂĄrhelyi ist nicht neu in BrĂŒssel, er war bereits Mitglied in Ursula von der Leyens erster Kommission und dort zustĂ€ndig fĂŒr Nachbarschaft und Erweiterung.

Magnus Brunner (52) - Kommissar fĂŒr Inneres und Migration

Der konservative Österreicher Magnus Brunner soll die Umsetzung der im FrĂŒhjahr beschlossenen EU-Asylreform ĂŒberwachen und ein neues Konzept zur beschleunigten Abschiebung irregulĂ€r eingewanderter Migranten vorlegen. Zudem wird es seine Aufgabe sein, den Schutz der EU-Außengrenzen zu verbessern. Im GesprĂ€ch ist, die stĂ€ndige Reserve der EuropĂ€ischen Grenz- und KĂŒstenwache Frontex auf 30 000 EinsatzkrĂ€fte aufzustocken.

Teresa Ribera (55) - VizeprĂ€sidentin, zustĂ€ndig fĂŒr Wettbewerbspolitik und grĂŒnen Wandel

Die Spanierin Teresa Ribera soll fairen Wettbewerb auf dem europĂ€ischen Binnenmarkt garantieren und gleichzeitig sicherstellen, dass heimische Unternehmen gegenĂŒber Konkurrenz aus LĂ€ndern wie China und den USA bestehen können - zum Beispiel mit Hilfe gĂŒnstiger Energie aus erneuerbaren Quellen. Politisch erlebte die Sozialistin zuletzt schwere Wochen, Konservative und rechte Abgeordnete warfen ihr Fehler im Umgang mit den schweren Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia vor. Mit diesen hatte sie als Umweltministerin zu tun.

Wopke Hoekstra (49) - Kommissar fĂŒr Klimaschutz

Der neue Klimakommissar ist gleichzeitig der alte. Als Wopke Hoekstra mitten in der vergangenen Legislaturperiode auf Frans Timmermans folgte, gab es zunĂ€chst Zweifel an seinen Ambitionen: Der NiederlĂ€nder war in der Vergangenheit unter anderem beim Öl-Konzern Shell angestellt. Inzwischen hat die Skepsis nachgelassen. Nun wird Hoekstra erneut dafĂŒr verantwortlich sein, den «Green Deal» umzusetzen, mit dem die EU bis 2050 klimaneutral werden will. Der Klimaschutz dĂŒrfte zwar keine so große Rolle mehr spielen wie in der vergangenen Legislaturperiode. Insbesondere das Verbrenner-Aus, das ab 2035 in der EU gelten soll, sorgt aber fĂŒr großen Unmut, sodass Hoekstra weiter im Zentrum hitziger Diskussionen stehen könnte.

Ursula von der Leyen (66), die PrÀsidentin

Ein möglicher Handelskrieg mit den USA und China, anhaltender Streit ĂŒber die Migrationspolitik, ungeklĂ€rte Finanzierungsfragen und der ungewisse Ausgang des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine: Die ganz großen Themen werden auch weiterhin auf dem Tisch der frĂŒheren deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen landen. Erfahrung als KommissionsprĂ€sidentin hat die CDU-Politikerin mittlerweile: Die aus Niedersachsen stammende Mutter von sieben erwachsenen Kindern hat bereits fĂŒnf Jahre im Amt hinter sich und sitzt bei fast allen großen internationalen Gipfeltreffen wie denen der G7 und G20-Staaten als EU-ReprĂ€sentantin mit am Tisch. Im Ranking des US-Magazins «Forbes» ist sie derzeit die «mĂ€chtigsten Frau der Welt».

@ dpa.de