Klimakrise, Klimakatastrophe

Erster Afrika-Klimagipfel: Energiewende, Finanzen im Fokus

04.09.2023 - 05:09:38

Afrika hat kaum zur Klimakrise beigetragen, ist aber besonders von der Klimakrise betroffen. In Nairobi dĂŒrften daher Forderungen an die Industriestaaten laut werden. Doch es geht auch um große Potenziale.

Zum ersten Mal findet ein Klimagipfel statt, bei dem es in erster Linie um Afrika geht. Der Kontinent leidet stark unter den Folgen der Klimakrise, trÀgt aber vergleichsweise wenig zu den klimaschÀdlichen Treibhausgasemissionen bei.

Deshalb wollen afrikanische LĂ€nder wĂ€hrend des dreitĂ€gigen Spitzentreffens ab heute in der kenianischen Hauptstadt Nairobi die globale Finanzierung von Klimaschutzprojekten auf dem Kontinent in den Fokus rĂŒcken. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien und die Vielfalt der fĂŒr die Energiewende wichtigen BodenschĂ€tze sollen diskutiert werden.

Auch Vertreterinnen aus Deutschland

Kenias PrĂ€sident William Ruto und die Afrikanische Union richten den Gipfel aus, erwartet werden afrikanische Staatschefs sowie Vertreter der Vereinten Nationen, internationaler Regierungen, der Privatwirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen. FĂŒr Deutschland sind die Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Entwicklungsministerium, BĂ€rbel Kofler (SPD), und die Beauftragte fĂŒr internationale Klimapolitik im AuswĂ€rtigen Amt, Jennifer Morgan, dabei.

Der Klimawandel ist in Afrika deutlich zu spĂŒren: Am Horn von Afrika herrscht die schlimmste DĂŒrre seit 40 Jahren. Auch in der Sahelzone, die sich vom Senegal im Westen bis Djibouti im Osten erstreckt, leiden Millionen an Nahrungsmittelunsicherheit. Extreme Wetterereignisse wie WirbelstĂŒrme und Fluten kommen immer hĂ€ufiger vor. Sieben von zehn Klimakrisenherden, die die Nichtregierungsorganisation Oxfam in einer Studie identifiziert hat, liegen in Afrika.

«Andere LÀnder zum Nachziehen motivieren»

Der Gipfel sei eine Chance fĂŒr den Kontinent, «wichtige Lösungen aktiv selbst voranzutreiben», sagte Kerstin Opfer, Expertin fĂŒr Energiepolitik und Zivilgesellschaft in Afrika bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. «Wenn afrikanische LĂ€nder zeigen können, dass der Ausbau erneuerbarer Energien und gleichzeitiger wirtschaftlicher Fortschritt möglich sind, dann hĂ€tte das das Potenzial, andere LĂ€nder zum Nachziehen zu motivieren.»

FĂŒr die schon heute spĂŒrbaren Folgen des Klimawandels fordern afrikanische Staaten Schadenersatz von den Industriestaaten, die massiv zur ErderwĂ€rmung beigetragen haben. Afrika, so das Argument, sei statistisch betrachtet fĂŒr nicht einmal vier Prozent der ErderwĂ€rmung verantwortlich, zahle aber den höchsten Preis. Nach SchĂ€tzungen der Afrikanische Entwicklungsbank kosten klimabedingte Naturkatastrophen die LĂ€nder zwischen 7 und 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bis 2030 könnten diese Verluste auf jĂ€hrlich 50 Milliarden US-Dollar ansteigen.

Pandemie und Krieg verschoben Fokus

Afrika will die Industriestaaten in Nairobi daher erneut an ihre finanziellen Verpflichtungen erinnern - etwa bei der Finanzierung von Klimaprojekten im globalen SĂŒden. Seit 2020 haben sich Staaten verpflichtet, hierfĂŒr jĂ€hrlich 100 Milliarden US-Dollar aufzubringen. Dabei sollen Emissionen eingespart und Projekte zur Anpassung an den Klimawandel finanziert werden. Dass die Industriestaaten dieses Ziel nicht eingehalten haben, ist lĂ€ngst bekannt. Besonders seit der Corona-Pandemie und dem Angriffskrieg in der Ukraine sind Gelder in andere Bereiche geflossen.

Auch Forderungen nach Schuldenerleichterungen dĂŒrften auf dem Gipfel eine wichtige Rolle spielen. «Die Klimakrise kann nur bewĂ€ltigt werden, wenn LĂ€nder des Globalen SĂŒdens von ihrer erdrĂŒckenden Schuldenlast befreit werden und haushaltspolitische SpielrĂ€ume fĂŒr Zukunftsinvestitionen bekommen», sagte Klaus Schilder, Referent fĂŒr Entwicklungsfinanzierung bei Misereor.

Erneuerbare Energien und BodenschÀtze

Im Gegenzug hat Afrika der Weltgemeinschaft einiges zu bieten: der Kontinent hat ideale Bedingungen fĂŒr die Produktion von Sonnen- und Windenergie und besitzt fĂŒr die Energiewende kritische BodenschĂ€tze wie Lithium, Kupfer, Seltene Erden oder Silizium. Dazu kommt ein enormes «Naturkapital» wie WĂ€lder, Ackerböden, Wasser- und Meeresressourcen.

Laut einem Bericht des Think Tanks PowerShift Africa ist Afrikas Potential zur Herstellung erneuerbarer Energien 50 Mal grĂ¶ĂŸer als der fĂŒr das Jahr 2040 erwartete weltweite Strombedarf. Afrika habe «saubere, erneuerbare Energie im Überfluss», so Direktor Mohamed Adow. «Aber um diese freizusetzen, braucht Afrika Mittel von LĂ€ndern, die durch unser Leiden reich geworden sind.»

Dass es möglich ist, das Potential umzusetzen, zeigt das Beispiel Kenia. Das ostafrikanische Land mit 53 Millionen Menschen hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 seine Energiewende abzuschließen. Schon heute stammen mehr als drei Viertel der kenianischen Energie aus erneuerbaren Quellen; in den nĂ€chsten sieben Jahren soll dies auf 100 Prozent steigen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bezeichnete Kenia vor einigen Monaten als «echten Klima-Champion».

Morgan: Bundesregierung will Zusagen einbringen

Deutschland werde wĂ€hrend des Gipfels fĂŒr eine «deutliche Beschleunigung des Ausbaus an erneuerbaren Energien weltweit, einen klaren Ausstiegspfad aus fossilen EnergietrĂ€gern und starke Partnerschaften – zwischen Afrika und Europa und weltweit» plĂ€dieren, sagte StaatssekretĂ€rin Morgan. Die Bundesregierung wolle demnach eine Reihe von Zusagen einbringen, unter anderem zur Schuldenumwandlung fĂŒr Klimaanpassung, zur Absicherung gegen Klimarisiken und zum Waldschutz.

Der Gipfel soll mit einer «Nairobi-ErklĂ€rung» enden, die wichtige Signale und Ziele setzen soll, auch fĂŒr die bevorstehende Weltklimakonferenz ab dem 30. November in Dubai.

@ dpa.de