Alternative Nobelpreise fĂŒr HoffnungstrĂ€ger in harten Zeiten
03.10.2024 - 08:42:27 | dpa.deFĂŒr ihren gewaltfreien Einsatz fĂŒr Gerechtigkeit und Wahrheit werden Aktivisten und Organisationen aus ganz unterschiedlichen Weltregionen mit dem Right Livelihood Award geehrt. Die gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bekannte Auszeichnung geht in diesem Jahr an die indigene Aktivistin Joan Carling von den Philippinen, den palĂ€stinensischen Menschenrechtsaktivisten Issa Amro und die von ihm gegrĂŒndete Aktivistengruppe Youth Against Settlements, die Umweltaktivistin Anabela Lemos und ihre Organisation Justica Ambiental aus Mosambik sowie das britische Forschungsprojekt Forensic Architecture. Das gab der Direktor der Right-Livelihood-Stiftung, Ole von UexkĂŒll, in Stockholm bekannt.
«Die PreistrĂ€ger 2024 zeigen, was gewaltfreier Widerstand und Wahrheitsfindung bewirken können», wĂŒrdigte von UexkĂŒll. «Angesichts von Gewalt, Ausbeutung und UnterdrĂŒckung in der Welt zeigen die diesjĂ€hrigen PreistrĂ€ger Wege zu einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Zukunft. Ihr Engagement sollte uns alle inspirieren, mutiger zu sein.»
Die TrĂ€ger des Right Livelihood Awards werden alljĂ€hrlich kurz vor den NobelpreistrĂ€gern verkĂŒndet, die ab Montag in Stockholm und Oslo gekĂŒrt werden. Ăber die Jahre hat sich der Beiname «Alternativer Nobelpreis» fĂŒr den Award eingebĂŒrgert, auch wenn die Auszeichnung in kritischer Distanz zu den eigentlichen Nobelpreisen steht. BerĂŒcksichtigt wurden in diesem Jahr 176 Nominierte aus 72 LĂ€ndern.
In einer Reihe mit Astrid Lindgren und spÀteren NobelpreistrÀgern
Seit 1980 haben den Preis unter anderem weltbekannte Persönlichkeiten wie die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, US-Whistleblower Edward Snowden und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg erhalten. Manche PreistrĂ€ger wie die kenianische UmweltschĂŒtzerin Wangari Maathai, der kongolesische Arzt Denis Mukwege und der inhaftierte belarussische Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki wurden Jahre nach ihrer Right-Livelihood-Auszeichnung auch mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
Meistens geht der Right Livelihood Award jedoch an Menschen und Organisationen, die sich fernab der internationalen Ăffentlichkeit fĂŒr eine gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Welt einsetzen. So auch diesmal: Ohne einem breiteren internationalen Publikum bekannt zu sein, kĂ€mpfen die diesjĂ€hrigen PreistrĂ€ger in ihren lokalen Gemeinschaften gegen UnterdrĂŒckung und Ausbeutung, ohne dabei zu gewalttĂ€tigen Methoden zu greifen.Â
Ihr unerschĂŒtterliches Engagement habe dabei Auswirkungen weit ĂŒber die lokale Ebene hinaus, wĂŒrdigte die Preisstiftung. WĂ€hrend in vielen Teilen der Welt Krieg und Gewalt herrschten, zeigten die PreistrĂ€ger, dass es nur mit friedlichen Mitteln, der StĂ€rkung lokaler BĂŒndnisse und einem standfesten Bekenntnis zur Wahrheit vorangehen könne.Â
Ihre Arbeit mache sie «in diesen herausfordernden Zeiten zu wichtigen HoffnungstrĂ€gern und Vorbildern», erklĂ€rte Right Livelihood. Oder wie es von UexkĂŒll formulierte: «Inmitten des Chaos aus Gewalt, Gier und Ungerechtigkeit, das so viele Menschen auf der ganzen Welt betrifft, entfachen die PreistrĂ€ger des Jahres 2024 wieder Hoffnung.»
Klare Worte statt Gewalt
Die PreistrĂ€ger stellen eine Mischung aus mutigen Menschen dar, die sich fĂŒr die Rechte von Ursprungsbevölkerungen, fĂŒr Frieden und Gerechtigkeit sowie fĂŒr den Schutz von Klima und Umwelt einsetzen. Die Philippinerin Joan Carling erhĂ€lt den Award dafĂŒr, indigene Stimmen angesichts der globalen ökologischen Krise zu stĂ€rken und bei der Verteidigung von Menschen, Land und Kultur voranzugehen. Einen Ă€hnlichen Einsatz leisten Anabela Lemos und Justica Ambiental in Mosambik, wo Gemeinschaften mit ihrer Hilfe fĂŒr ihr Recht einstehen können, Nein zu ausbeuterischen GroĂprojekten zu sagen und ökologische Gerechtigkeit einzufordern.Â
Issa Amro und seine Aktivistengruppe Youth Against Settlements werden fĂŒr ihren gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung in Hebron im Westjordanland geehrt. Der 44-JĂ€hrige rief die Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt dazu auf, Druck auf Israel auszuĂŒben, um die UnterdrĂŒckung der PalĂ€stinenser zu beenden.Â
«Mein Traum ist es, dass die ganze Welt und die Israelis die PalÀstinenser als eine Nation behandeln, die Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Selbstbestimmung verdient», sagte Amro nach der Preisbekanntgabe. Er betonte auch: «Die PalÀstinenser sind nicht die Hamas. Ich und viele andere PalÀstinenser glauben an gewaltfreien Widerstand.»
Pionierarbeit fĂŒr die Suche nach Gerechtigkeit
Forensic Architecture hat nach Angaben von Right Livelihood Pionierarbeit bei der Entwicklung digitaler forensischer Methoden geleistet, die Opfern und Ăberlebenden von Menschen- und UmweltrechtsverstöĂen auf der Suche nach Gerechtigkeit und Verantwortlichen helfen.Â
Der Direktor des Forschungsprojektes, der britisch-israelische Architekt Eyal Weizman, richtete auch einen Gruà an seinen palÀstinensischen MitpreistrÀger: «Es ist besonders schön, diesen Preis zusammen mit meinem Freund Issa zu erhalten», wurde er von der Stiftung zitiert.
Die PreistrĂ€ger werden am 4. Dezember bei einer Zeremonie in Stockholm geehrt. Die Auszeichnung ist unter anderem mit lebenslanger UnterstĂŒtzung durch die Right-Livelihood-Stiftung verbunden, die bis heute fast 200 PreistrĂ€ger aus 77 LĂ€ndern geehrt hat.
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