Medien, Hunter

Medien: Hunter Biden in Waffen-Prozess schuldig gesprochen

11.06.2024 - 17:43:27 | dpa.de

Alkohol, Drogen, windige GeschĂ€fte: Der Sohn des US-PrĂ€sidenten Biden sorgte jahrelang fĂŒr Schlagzeilen. Ein Waffenkauf brachte ihn nun vor Gericht. Der Schuldspruch dĂŒrfte politische Schlagkraft haben.

Bei einer Verurteilung drohen Hunter Biden bis zu 25 Jahre Haft. - Foto: Matt Slocum/AP
Bei einer Verurteilung drohen Hunter Biden bis zu 25 Jahre Haft. - Foto: Matt Slocum/AP

Im Prozess gegen Hunter Biden wegen mehrerer VerstĂ¶ĂŸe gegen das Waffenrecht haben die Geschworenen den Sohn von US-PrĂ€sident Joe Biden in allen drei Anklagepunkten fĂŒr schuldig befunden.

Das meldeten amerikanische Medien ĂŒbereinstimmend unter Berufung auf Reporter im Gerichtssaal. Das Strafmaß wird von der zustĂ€ndigen Richterin Maryellen Noreika zu einem spĂ€teren Zeitpunkt verkĂŒndet. Dem 54-JĂ€hrigen drohen bis zu 25 Jahre Haft. Es ist allerdings unklar, inwieweit die Richterin das Strafmaß ausreizt, da er nicht vorbestraft ist. 

Die zwölf Geschworenen hatten sich zur Beratung zurĂŒckgezogen, nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre BeweisfĂŒhrung beendet hatten. In dem Prozess in der Stadt Wilmington im Bundesstaat Delaware war Hunter Biden zur Last gelegt worden, bei einem Waffenkauf im Oktober 2018 falsche Angaben gemacht und seine damalige DrogenabhĂ€ngigkeit verschwiegen zu haben. SpĂ€ter waren die Geschworenen erneut zu Beratungen zusammengekommen. 

Intime Details im Scheinwerferlicht

Hunter Biden macht seit Jahren Schlagzeilen. Es geht neben Alkoholsucht und DrogenabhĂ€ngigkeit auch um windige GeschĂ€fte oder rechtliche Streitigkeiten mit einer ehemaligen Stripperin ĂŒber den Unterhalt fĂŒr ein uneheliches Kind. Anfang Dezember wurde er auch im Bundesstaat Kalifornien angeklagt, weil er Bundessteuern fĂŒr mehrere Jahre nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ gezahlt haben soll. 

Wegen der verschiedenen VorwĂŒrfe hatte es gegen den PrĂ€sidentensohn zuvor ausfĂŒhrliche Ermittlungen gegeben. Im Juli 2023 scheiterte eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zur Umgehung von Gerichtsverfahren. Mitte August ernannte US-Justizminister Merrick Garland einen Sonderermittler in dem Fall. Im September und Dezember folgten dann jeweils die Anklagen in Delaware und Kalifornien.

WĂ€hrend des Waffenprozesses in Wilmington wurde einiges an schmutziger WĂ€sche gewaschen, die politische Gegner von Joe Biden ausfĂŒhrlich fĂŒr eigene Zwecke nutzten. Neben Hunter Bidens Tochter Naomi sagten auch ehemalige Partnerinnen aus. Die Befragungen warfen ein Schlaglicht auf die Drogensucht des PrĂ€sidentensohnes, die er in seiner Autobiografie selbst öffentlich gemacht hatte. Er bestreitet jedoch, wĂ€hrend des Waffenkaufs drogenabhĂ€ngig gewesen zu sein. 

Zwar kam US-PrĂ€sident Biden selbst nicht in den Gerichtssaal. DafĂŒr zeigten aber diverse andere Familienangehörige SolidaritĂ€t - etwa Hunters Stiefmutter, First Lady Jill Biden. Dass sie als moralische StĂŒtze ĂŒber Tage hinweg in einem Gerichtssaal in Erscheinung trat, war ebenso ungewöhnlich wie die Anklage gegen den PrĂ€sidentensohn selbst. 

US-Wahljahr ohnegleichen

Die juristischen Probleme von Hunter Biden verschĂ€rfen die Lage in einem ohnehin extrem aufgeheizten US-Wahljahr. Demokrat Joe Biden will fĂŒr eine zweite Amtszeit ins Weiße Haus einziehen - ebenso wie der republikanische Ex-PrĂ€sident Donald Trump, der selbst von einer Jury im Bundesstaat New York wegen illegaler Wahlkampf-Finanzierung schuldig gesprochen wurde. Die VerkĂŒndung des Strafmaßes steht noch aus, im schlimmsten Fall drohen Trump bis zu vier Jahre Haft. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Strafe zur BewĂ€hrung ausgesetzt wird oder er eine Geldstrafe zahlen muss. 

Im Wahlkampf dienen die jeweiligen Prozesse als politische Munition fĂŒr die Gegenseite. Die Demokraten versuchen, Trump als verurteilten StraftĂ€ter zu diskreditieren. Dieser wiederum benutzt das Urteil in New York ausgiebig, um Wahlkampfspenden zu sammeln und stellt das juristische Vorgehen gegen ihn als politische Hexenjagd dar. Selbst bei einer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung könnte Trump bei der PrĂ€sidentenwahl im November antreten. Der Republikaner hat außerdem bereits durchblicken lassen, Urteile bei einem Wahlsieg zurĂŒckdrehen zu wollen. In New York könnte er das allerdings nicht, da es sich nicht um einen Fall auf Bundesebene handelt. 

Vor dem Urteil gegen Hunter Biden hatte US-PrĂ€sident Biden angekĂŒndigt, ihn im Falle eines Schuldspruchs nicht zu begnadigen. Hunter ist sein Sohn aus erster Ehe. Als junger Mann verlor der heutige PrĂ€sident 1972 seine damalige Frau Neilia und die gemeinsame Tochter Naomi bei einem Autounfall. Seine Söhne Beau und Hunter ĂŒberlebten. Joe Bidens zweite Frau Jill ĂŒbernahm die Mutterrolle fĂŒr beide. 2015 starb Bidens Sohn Beau im Alter von 46 Jahren an den Folgen eines Hirntumors. Joe und Jill Biden haben noch eine gemeinsame Tochter namens Ashley. 

Biden Ă€ußert sich zu Urteil

Nach dem Schuldspruch gegen seinen Sohn Hunter wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen das Waffenrecht hat US-PrĂ€sident Joe Biden erneut betont, sich nicht in den Fall einzumischen. Er werde den juristischen Prozess respektieren, wĂ€hrend sein Sohn ein Berufungsgesuch erwĂ€ge, teilte Biden mit - und versicherte seinem Sohn die UnterstĂŒtzung der Familie. «Ich bin der PrĂ€sident, aber ich bin auch ein Vater», hieß es in dem Statement. Seine Ehefrau Jill und er seien immer fĂŒr Hunter und den Rest der Familie da. «Daran wird sich niemals etwas Ă€ndern.»

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