Ex-PrÀsident Duterte wegen vielfachen Mordes vor Gericht
23.02.2026 - 13:58:12 | dpa.deAnklĂ€ger des Internationalen Strafgerichtshofes haben den Ex-PrĂ€sidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte, beschuldigt, fĂŒr eine mörderische Kampagne mit Dutzenden von Opfern in seinem Land verantwortlich zu sein. Bei der Eröffnung des Vorverfahrens warfen ihm die AnklĂ€ger Verbrechen gegen die Menschlichkeit im staatlichen «Krieg gegen die Drogen» vor â insbesondere Mord und Mordversuche in 78 FĂ€llen von 2011 bis 2019, darunter auch Kinder.Â
Der 80 Jahre alte Duterte blieb der Anhörung fern â das ist zulĂ€ssig. Er ist seit knapp einem Jahr im GefĂ€ngnis des Gerichts in Scheveningen bei Den Haag.Â
Duterte spielte der Anklage zufolge eine «entscheidende Rolle» im Einsatz von Todesschwadronen. Er habe zunĂ€chst als BĂŒrgermeister der Stadt Davao und spĂ€ter als PrĂ€sident nicht nur selbst Menschen getötet, sondern Morde auch angeordnet, geplant, finanziert und öffentlich gerechtfertigt. Duterte hatte der Anklage zufolge auch ein Kopfgeld auf mutmaĂliche Drogenkriminelle oder -sĂŒchtige ausgesetzt.
Die Richter prĂŒfen bei den auf eine Woche angesetzten Anhörungen zunĂ€chst, ob die Beweise zur Eröffnung des Hauptverfahrens ausreichen. Eine Entscheidung wird im Mai erwartet. Vor dem Gericht hatten sowohl AnhĂ€nger als auch Gegner Dutertes demonstriert.
Verteidiger: Duterte ist Held
Verteidiger Nicholas Kaufman wies die Beschuldigungen als haltlos und politisch begrĂŒndet zurĂŒck. Duterte habe den Einsatz von Gewalt nur zur Selbstverteidigung gerechtfertigt. Der Verteidiger sprach von Duterte als dem «PrĂ€sidenten des Volkes», der sich immer fĂŒr die Armen eingesetzt habe. «Er widmete sein Leben der öffentlichen Sache, ein Leben fĂŒr Recht und Ordnung», sagte Kaufman.
Die Verteidigung bekrĂ€ftigte auch, dass Duterte wegen GesundheitsgrĂŒnden nicht an der Verhandlung teilnehmen könne. Zuvor hatte das Gericht nach einer unabhĂ€ngigen medizinischen Untersuchung festgestellt, dass Duterte verhandlungsfĂ€hig ist.Â
«MĂ€chtige stehen nicht ĂŒber dem Recht»
Der stellvertretende ChefanklĂ€ger Mame Mandiaye Niang nannte den Start des Verfahrens ein bedeutendes Signal fĂŒr die Bevölkerung der Philippinen und das internationale Recht. «Es ist eine Erinnerung fĂŒr alle MĂ€chtigen, dass sie nicht ĂŒber dem Recht stehen.»Â
Angehörige mutmaĂlicher Opfer versammelten sich in der Hauptstadt Manila sowie in Cebu City, um die Anhörung Dutertes aus Den Haag zu verfolgen. Die Treffen wurden von Opferhilfsorganisationen wie Program Paghilom organisiert. Dessen GrĂŒnder Flavie L. Villanueva sagte, Dutertes Festnahme zeige, «dass Gerechtigkeit real ist» und habe bei Hinterbliebenen einen Heilungsprozess ausgelöst.
Der Ex-PrĂ€sident war im MĂ€rz 2025 auf Grundlage eines Haftbefehls des Strafgerichtshofs in Manila festgenommen und in die Niederlande ausgeflogen worden. Er hatte die Vorhaltungen als haltlos zurĂŒckgewiesen.
Duterte war von 2016 bis 2022 PrÀsident der Philippinen. Menschenrechtsorganisationen schÀtzen, dass sein erbarmungsloser Kampf gegen DrogenkriminalitÀt bis zu 30.000 Menschen das Leben kostete. VerdÀchtige wurden oft ohne Prozess regelrecht hingerichtet.
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