Austausch, Gaza-Geiseln

Austausch von 33 Gaza-Geiseln gegen 1.904 PalÀstinenser

18.01.2025 - 12:29:56 | dpa.de

Am Sonntagmorgen soll die Waffenruhe fĂŒr den Gazastreifen beginnen, am Nachmittag dann der Austausch erster israelischer Geiseln gegen inhaftierte PalĂ€stinenser. Darunter sind auch Mörder.

  • Seit mehr als 15 Monaten dauert der Gaza-Krieg schon. (Archivbild) - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa
    Seit mehr als 15 Monaten dauert der Gaza-Krieg schon. (Archivbild) - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa
  • Israels Regierungschef hat die Zerschlagung der Hamas zum Ziel des Krieges erklĂ€rt. (Archivbild) - Foto: Abir Sultan/Pool European Pressphoto Agency/AP/dpa
    Israels Regierungschef hat die Zerschlagung der Hamas zum Ziel des Krieges erklÀrt. (Archivbild) - Foto: Abir Sultan/Pool European Pressphoto Agency/AP/dpa
  • WĂ€hrend der vereinbarten Waffenruhe fĂŒr den Gazastreifen sollen 33 israelische Geiseln gegen 1.904 inhaftierte PalĂ€stinenser ausgetauscht werden. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa
    WĂ€hrend der vereinbarten Waffenruhe fĂŒr den Gazastreifen sollen 33 israelische Geiseln gegen 1.904 inhaftierte PalĂ€stinenser ausgetauscht werden. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa
  • Insgesamt 33 israelische Geiseln sollen in der ersten Phase der fĂŒr den Gazastreifen vereinbarten Waffenruhe gegen 1.904 inhaftierte PalĂ€stinenser ausgetauscht werden. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa
    Insgesamt 33 israelische Geiseln sollen in der ersten Phase der fĂŒr den Gazastreifen vereinbarten Waffenruhe gegen 1.904 inhaftierte PalĂ€stinenser ausgetauscht werden. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa
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WÀhrend der zwischen Israel und der Hamas vereinbarten Waffenruhe sollen insgesamt 1.904 PalÀstinenser aus israelischen GefÀngnissen und Lagern entlassen werden. Das teilte die Regierung in Jerusalem mit. Im Gegenzug muss die Hamas wÀhrend der sechswöchigen Waffenruhe, die am Sonntagmorgen beginnen soll, 33 von insgesamt 98 israelischen Geiseln freilassen. 

Die Waffenruhe soll nach Angaben des Vermittlers Katar am Sonntag um 7.30 Uhr MEZ in Kraft treten. Zuvor hatte es geheißen, die Feuerpause solle um 11.15 Uhr MEZ beginnen. Laut der israelischen Nachrichtenseite «Ynet» ist die Freilassung der ersten Geiseln unverĂ€ndert um 15.00 Uhr MEZ geplant.

Austausch von etwa 57 PalÀstinensern pro israelischer Geisel 

Im Laufe der zunĂ€chst nur auf sechs Wochen angelegten Waffenruhe soll Israel insgesamt 1.904 PalĂ€stinenser freilassen, wie die Regierung in Jerusalem mitteilte. Das wĂ€ren etwa 57 PalĂ€stinenser fĂŒr jede der im selben Zeitraum auszutauschenden 33 israelischen Geiseln. 

Bei den PalĂ€stinensern handelt es sich nach Regierungsangaben um 1.167 festgenommene Bewohner des Gazastreifens, die nicht an dem Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus dem KĂŒstenstreifen vom 7. Oktober 2023 in Israel mit 1.200 Toten und mehr als 250 Verschleppten beteiligt waren, teilte die Regierung weiter mit. Hier dĂŒrften vor allem Hamas-KĂ€mpfer freikommen, die wĂ€hrend der vergangenen mehr als 15-monatigen KĂ€mpfe gefangen genommen wurden.

Auch zu langen Haftstrafen verurteilte Mörder sollen auf freien Fuß kommen

Die anderen 737 freizulassenden PalĂ€stinenser sind HĂ€ftlinge, die wegen leichterer Delikte wie SteinwĂŒrfe im Westjordanland oder illegalem GrenzĂŒbertritt sowie auch illegalen Waffenbesitzes oder anderer GesetzesverstĂ¶ĂŸe inhaftiert oder verurteilt wurden. 

Darunter sind aber auch HÀftlinge, die wegen schwerer Straftaten wie etwa Mord einsitzen, wie die Zeitung «Jerusalem Post» berichtete.

Das israelische Justizministerium veröffentlichte eine Liste mit insgesamt 22 HÀftlingen, denen schwere Angriffe auf Israelis vorgeworfen werden. 

  • Sacharia Subaidi. Er war wĂ€hrend des zweiten PalĂ€stinenseraufstands Intifada ab 2000 Befehlshaber des militĂ€rischen Arms der Fatah-Bewegung, der Al-Aksa-Brigaden, in Dschenin im nördlichen Westjordanland. Dabei wurden von 2000 bis 2005 rund 3500 PalĂ€stinenser getötet, mehr als 1000 Israelis wurden bei AnschlĂ€gen von PalĂ€stinensern getötet.
  • Mahmud Atallah, der eine lebenslange Haftstrafe plus 15 Jahre fĂŒr die Ermordung einer PalĂ€stinenserin verbĂŒĂŸt, die der Kollaboration mit Israel beschuldigt wurde.
  • Wael Kassem und Wisam Abbasi, die an BombenanschlĂ€gen in Israel mit Dutzenden Toten beteiligt gewesen sein sollen. 

Nicht freigelassen werden soll hingegen der prominenteste palĂ€stinensische HĂ€ftling in Israel, Marwan Barghuti aus der FĂŒhrungsebene der Fatah-Bewegung. Er war 2004 wegen fĂŒnffachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Was außer dem Austausch Geiseln gegen HĂ€ftlinge geplant ist

  • Der GrenzĂŒbergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza soll wieder öffnen und die Einfuhr humanitĂ€rer Hilfe fĂŒr die PalĂ€stinenser deutlich aufgestockt werden. Allerdings ist offen, wann der seit Mai geschlossene Übergang wieder geöffnet werden könnte.
     
  • Israels MilitĂ€r soll aus dicht besiedelten Gebieten des Gazastreifens abziehen. Die in den SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens geflohenen Einwohner sollen sich wieder frei bewegen und unter internationaler Aufsicht in ihre Wohngebiete im Norden Gazas zurĂŒckkehren dĂŒrfen. 
     
  • Die Details der zweiten und dritten Phase des Abkommens ĂŒber ein dauerhaftes Ende des Krieges und einen kompletten Abzug Israels aus dem Gazastreifen wollen die Konfliktparteien wĂ€hrend der ersten Phase klĂ€ren. 

HĂ€lt das Abkommen?

Wie stabil das Abkommen langfristig sein wird, ist angesichts des tiefen Misstrauens zwischen beiden Seiten fraglich. 

So mĂŒssen sich beide Kriegsparteien unter anderem noch ĂŒber die Listen der restlichen freizulassenden Hamas-Geiseln sowie der von Israel freizulassenden HĂ€ftlinge einigen. Unter den Verschleppten sind auch Menschen mit doppelter StaatsbĂŒrgerschaft, unter ihnen mehrere Deutsche. 

Offen sind auch der Zeitplan und das Ausmaß des RĂŒckzugs des israelischen MilitĂ€rs aus dem Gazastreifen sowie die Frage, wie das relativ kleine Gebiet am Mittelmeer nach dem Ende des Krieges regiert werden soll. 

Die gemĂ€ĂŸigte Autonomiebehörde von PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas im Westjordanland will Medienberichten zufolge möglichst bald wieder die alleinige Kontrolle ĂŒber den KĂŒstenstreifen ĂŒbernehmen. Die Hamas hatte sie 2007 gewaltsam vertrieben. Eine RĂŒckkehr der Autonomiebehörde in den Gazastreifen wird auch von Israels westlichen VerbĂŒndeten unterstĂŒtzt. Netanjahu lehnt das jedoch ab. Einen eigenen Plan fĂŒr die Zukunft des Gazastreifens legte er bisher nicht vor.

 

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