Brasilien und SĂŒdafrika dringen auf Ende des Ukraine-Kriegs
23.08.2023 - 16:26:31 | dpa.deBeim Brics-Gipfeltreffen am Mittwoch haben die PrĂ€sidenten von Brasilien und SĂŒdafrika erneut fĂŒr Friedenverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine geworben. Der brasilianische PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva sprach sich fĂŒr ein schnelles Ende des Konflikts aus. Der Krieg habe globale Auswirkungen, die nicht ignoriert werden könnten, sagte Lula am zweiten Tag des Gipfels in der sĂŒdafrikanischen Wirtschaftsmetropole Johannesburg.
Die Gruppe der wichtigen SchwellenlĂ€nder Brasilien, Russland, Indien, China und SĂŒdafrika, aus deren Namen sich das Akronym Brics ergibt, sei demnach ein wichtiges Forum, um Fragen der Weltsicherheit und des Friedens zu diskutieren.
«Wir sehen es als positiv, dass eine wachsende Zahl von LĂ€ndern, darunter auch Brics-LĂ€nder, in direktem Kontakt mit Moskau und Kiew stehen», sagte Lula. «Wir unterschĂ€tzen nicht die Schwierigkeiten, Frieden zu erreichen, aber wir können auch nicht gleichgĂŒltig gegenĂŒber dem Tod und der Zerstörung sein, die jeden Tag geschehen.»
Initiativen ohne erkennbaren Erfolg
Auch SĂŒdafrikas PrĂ€sident Cyril Ramaphosa plĂ€dierte dafĂŒr, den Ukraine-Krieg durch Verhandlungen zu lösen. «Die Brics-LĂ€nder werden die BemĂŒhungen unterstĂŒtzen, diesen Konflikt durch Dialog, Vermittlung und Verhandlungen zu beenden», sagte der 70-JĂ€hrige. Ramaphosa leitet eine afrikanische Friedensinitiative fĂŒr ein Ende des Kriegs, mit VermittlungsbemĂŒhungen in Moskau und Kiew. Auch Lula hatte zu Beginn des Jahres fĂŒr eine internationale Vermittlungsinitiative zur Beilegung des Konflikts geworben. Beide Initiativen blieben allerdings ohne erkennbaren Erfolg.
Russland fĂŒhrt seit 18 Monaten einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. EinschlieĂlich der bereits 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim hĂ€lt Russland derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Im Zuge einer laufenden Gegenoffensive versucht die ukrainische Armee auch mithilfe westlicher Waffen, die besetzten Gebiete zu befreien.
Die Ukraine fordert den Abzug der russischen Truppen von ihrem Staatsgebiet vor Beginn möglicher Verhandlungen. Der Westen verweigert von Russland geforderte sogenannte langfristige Sicherheitsgarantien, bei denen es um die Nichterweiterung der Nato, vor allem um die Nichtaufnahme der Ukraine geht.
Putin per Video zugeschaltet
Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin nutzte den Brics-Gipfel nun, um den Konflikt zu rechtfertigen. Obwohl er selbst den Einmarsch ins Nachbarland am 24. Februar 2022 befohlen hatte, schob er einmal mehr dem Westen die Schuld zu und behauptete: «Das Bestreben einiger LĂ€nder, ihre Vorherrschaft in der Welt zu bewahren, hat zu der schweren Krise in der Ukraine gefĂŒhrt.»
Putin war zu dem Gipfel nicht nach SĂŒdafrika gereist, weil er wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht wird. In Johannesburg hĂ€tte dem 70 Jahre alten Kremlchef deshalb die Festnahme gedroht. Er wurde per Video zugeschaltet.
Den nĂ€chsten Gipfel der Brics-Staaten will Putin dafĂŒr selbst ausrichten. In seiner Rede am Mittwoch lud er die Vertreter der anderen Brics-Mitgliedstaaten fĂŒr Oktober 2024 in die russische Stadt Kasan ein. Das konkrete Datum solle ĂŒber diplomatische KanĂ€le abgesprochen werden.
AbschlusserklÀrung wird voraussichtlich verschoben
Anders als ursprĂŒnglich geplant fand die VerkĂŒndung der BeschlĂŒsse des 15. Brics-Gipfels nicht am Mittwoch statt. Die AbschlusserklĂ€rung werde voraussichtlich auf Donnerstag verschoben, teilte ein Sprecher der sĂŒdafrikanischen Regierung mit. Die Minister der Mitgliedsstaaten mĂŒssten sich noch lĂ€nger beraten, hieĂ es.
Es wird erwartet, dass die Brics-Staaten Aufnahmekriterien fĂŒr neue Mitglieder beschlieĂen. Auch könnte es Hinweise geben, ab wann zusĂ€tzliche LĂ€nder aufgenommen werden, um aus der Gruppe durch zahlreiche NeuzugĂ€nge «Brics plus» zu machen. Auf diese Weise will Brics als Machtzentrum des globalen SĂŒdens ein Gegengewicht zu anderen Foren wirtschaftlich starker LĂ€nder wie den G7 bilden. Schon jetzt machen die fĂŒnf Brics-LĂ€nder nach eigenen Angaben 42 Prozent der Weltbevölkerung und etwa ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung aus.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprach sich am Mittwoch erneut fĂŒr eine rasche Erweiterung der Brics-Gruppe aus. Auch Indiens Premierminister Narendra Modi, der «Brics plus» bislang kritisch gegenĂŒberstand, sagte seine UnterstĂŒtzung fĂŒr eine Ausweitung der Gruppe zu.
Nach Angaben der sĂŒdafrikanischen AuĂenministerin Naledi Pandor haben etwa 40 Staaten mehr oder weniger verbindlich Interesse an einer Brics-Mitgliedschaft bekundet, 23 davon konkret, darunter Argentinien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, Ăgypten, Iran, Kuwait, Venezuela und Bangladesch.
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