Nahost, Israel

Sechs Tote bei Anschlag in Jerusalem - Zwei TĂ€ter erschossen

08.09.2025 - 13:56:07

An einer Bushaltestelle im Norden Jerusalems fallen tödliche SchĂŒsse. Die palĂ€stinensischen AttentĂ€ter werden erschossen. Regierungschef Netanjahu droht mit harten Schritten gegen mögliche Helfer.

  • Ein Augenzeuge berichtete, die Angreifer hĂ€tten auch in einen Bus geschossen.  - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

    Mahmoud Illean/AP/dpa

  • Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu (Mitte) besuchte den Ort des Anschlags.  - Foto: Ronen Zvulun/Pool REUTERS/AP/dpa

    Ronen Zvulun/Pool REUTERS/AP/dpa

Ein Augenzeuge berichtete, die Angreifer hÀtten auch in einen Bus geschossen.  - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpaDer israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (Mitte) besuchte den Ort des Anschlags.  - Foto: Ronen Zvulun/Pool REUTERS/AP/dpa

Beim Anschlag zweier PalĂ€stinenser im Norden Jerusalems sind mindestens sechs Menschen getötet worden. FĂŒnf MĂ€nner und eine Frau kamen nach Krankenhausangaben und laut SanitĂ€tern ums Leben. Rund zehn weitere Menschen wurden verletzt, darunter mehrere schwer. Die beiden AttentĂ€ter wurden nach Polizeiangaben von einem Soldaten und bewaffneten Zivilisten erschossen. 

Nach Angaben der Polizei schossen die TÀter auf Wartende an einer Bushaltestelle. Ein Augenzeuge sagte, sie hÀtten auch in einen Bus geschossen. Ein SanitÀter berichtete: «Als ich am Einsatzort ankam, sah ich mehrere Schussverletzte am Boden liegen, einige von ihnen waren bewusstlos.»

Netanjahu kĂŒndigt «noch hĂ€rtere Schritte» an

Israels Polizei nahm eigenen Angaben zufolge einen Einwohner des arabisch geprĂ€gten Ostteils von Jerusalem fest. Man prĂŒfe den Verdacht, dass er an der Vorbereitung der Tat beteiligt war. 

Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hielt eine Sicherheitsberatung ab und besuchte den Ort des Anschlags. Er drohte mutmaßlichen Helfern der AttentĂ€ter. «Wir werden jeden erreichen, der ihnen geholfen und sie ausgesandt hat, und wir werden noch hĂ€rtere Schritte ergreifen», sagte der Regierungschef. «Wir befinden uns im Krieg, in einem intensiven Krieg gegen den Terror an mehreren Fronten.» 

Nach palÀstinensischen und israelischen Angaben stammten die beiden 20 und 21 Jahre alten TÀter aus den palÀstinensischen Orten Katana und Al-Kubeiba, die im besetzten Westjordanland knapp nördlich von Jerusalem liegen. Nach Augenzeugenberichten drangen israelische Truppen in gepanzerten Fahrzeugen in beide Ortschaften vor, wie Augenzeugen berichteten. Auch in Kalandia habe es eine Razzia der Armee gegeben. 

Die israelische Armee war in den letzten Monaten bei zahlreichen Razzien vor allem im nördlichen Teil des besetzten Westjordanlands hart gegen militante PalÀstinenser vorgegangen. Dabei gab es immer wieder Tote und Festnahmen. 

Entsetzen nach der Tat

Der israelische StaatsprĂ€sident Izchak Herzog sagte: «Dieser schockierende Anschlag erinnert uns einmal mehr daran, dass wir gegen das absolute Böse kĂ€mpfen. Die Welt muss verstehen, womit wir es zu tun haben – und dass der Terror uns niemals besiegen wird.» 

Außenminister Johann Wadephul schrieb auf der Plattform X, er sei zutiefst schockiert ĂŒber «den feigen Terroranschlag». Auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres verurteilte die Tat. Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron mahnte eine politische Lösung fĂŒr den Nahost-Konflikt an. «Die Gewaltspirale muss enden», schrieb er auf X. 

Israels Außenminister erhebt VorwĂŒrfe gegen Autonomiebehörde

Der israelische Außenminister Gideon Saar sagte bei einem Besuch in Ungarn, die AttentĂ€ter seien aus Gebiet unter Kontrolle der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde gekommen. Dies beweise einmal mehr, dass ein palĂ€stinensischer Staat «nur ein Ziel hĂ€tte, die Auslöschung des Staates Israel». Er warf der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde, die Teile des Westjordanlandes verwaltet, vor, sie unterstĂŒtze Terror und habe «einen Staat nicht verdient». 

PalÀstinensischer PrÀsident verurteilt Gewalt gegen Zivilisten

Der Chef der PLO, Mahmud Abbas, verurteilte «jegliche Angriffe auf palÀstinensische und israelische Zivilisten» sowie «alle Formen von Gewalt und Terrorismus», wie die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa, berichtete. Gleichzeitig erklÀrte Abbas, Sicherheit und StabilitÀt in der Region könnten nur durch ein Ende der israelischen Besatzung palÀstinensischer Gebiete, einen Stopp von «Taten des Völkermords» im Gazastreifen sowie von «Terrorismus der (israelischen) Siedler im gesamten Westjordanland» erzielt werden. 

Israels Verteidigungsminister droht Hamas mit «Hurrikan»

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach unterdessen vor einem angekĂŒndigten tieferen Vorstoß der Armee in die Stadt Gaza eine scharfe Warnung an die islamistische Terrororganisation Hamas aus. «Heute wird ein gewaltiger Hurrikan ĂŒber den Himmel der Stadt Gaza hereinbrechen und die DĂ€cher der Terror-HochhĂ€user werden beben», schrieb Katz in einem Post auf der Plattform X. 

«Dies ist die letzte Warnung an die Mörder und Vergewaltiger der Hamas in Gaza und in den Luxushotels im Ausland: Lasst die Geiseln frei und legt die Waffen nieder – oder Gaza wird zerstört und ihr werdet vernichtet», schrieb Katz weiter. 

Trumps «letzte Warnung» an die Hamas

Zuvor hatte bereits US-PrĂ€sident Donald Trump eine «letzte Warnung» an die Hamas ausgesprochen, um vor dem erwarteten Vorstoß Israels ins Innere der Stadt Gaza eine diplomatische Lösung zu erzwingen. Israel habe seine Bedingungen akzeptiert, es sei an der Zeit, dass auch die Hamas sie akzeptiere, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die Hamas zeigte sich daraufhin zu «sofortigen Verhandlungen» bereit. Man begrĂŒĂŸe «jeden Schritt, der dazu beitrĂ€gt, die Aggression gegen unser Volk zu beenden».

Nach Informationen des israelischen Senders Channel 12 sieht der Vorschlag die Übergabe aller 48 Geiseln - sowohl der lebenden als auch der toten - am ersten Tag des Inkrafttretens einer Waffenruhe vor. Im Gegenzug wĂŒrde Israels Armee ihre Offensive in der Stadt Gaza einstellen. Ferner soll Israel demnach Tausende palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus seinen GefĂ€ngnissen entlassen, darunter Hunderte, die wegen der Tötung von Israelis zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. 

Warnungen vor VerschÀrfung der Lage in Gaza

Nach jĂŒngsten SchĂ€tzungen hielten sich in der Stadt Gaza rund eine Million Menschen auf, von denen viele aus anderen Teilen des Gazastreifens geflohen waren. Israel hat die Zivilisten in der Stadt am Mittelmeer dazu aufgerufen, sich in Richtung SĂŒden zu begeben. Nach Angaben Netanjahus haben bisher rund 100.000 PalĂ€stinenser die Stadt Gaza verlassen. Hilfsorganisationen warnen vor einer weiteren VerschĂ€rfung der ohnehin katastrophalen Lage der Zivilbevölkerung. Israel betont, es kĂ€mpfe nur gegen die Hamas und wolle Zivilisten schonen.

@ dpa.de