EU-RatsprÀsident, Michel

EU-RatsprĂ€sident Michel zieht Europawahl-Kandidatur zurĂŒck

26.01.2024 - 20:27:15

Anfang des Monats gab Charles Michel seine Kandidatur fĂŒr die Europawahl im Juni bekannt. Nun zieht er diese wieder zurĂŒck.

EU-RatsprĂ€sident Charles Michel hat seine Kandidatur fĂŒr die anstehende Europawahl zurĂŒckgezogen. Er wolle nicht, dass seine Kandidatur das europĂ€ische Projekt untergrabe oder in irgendeiner Weise missbraucht werde, um den EuropĂ€ischen Rat zu spalten, schrieb der Spitzenpolitiker auf Facebook als BegrĂŒndung. Er begrĂŒĂŸe politische Kritik und jedes legitime Argument. Aber persönliche Angriffe ĂŒberlagerten zunehmend sachliche Argumente.

Anfang des Monats hatte Michel angekĂŒndigt, bei der Europawahl antreten und in das EuropĂ€ische Parlament einziehen zu wollen. Im Falle seiner Wahl werde er sein Amt des RatsprĂ€sidenten abgeben, hatte es geheißen. Nach den Wahlen könnten die EU-Staats- und Regierungschefs dann ĂŒber eine Nachfolge fĂŒr den Posten des RatsprĂ€sidenten beraten, so der Belgier damals.

Ausreichend Zeit um Nachfolge zu finden

Die AnkĂŒndigung hatte in BrĂŒssel fĂŒr Aufsehen gesorgt - vor allem, weil Ungarn im Juli turnusmĂ€ĂŸig den zwischen den MitgliedslĂ€ndern rotierenden Vorsitz im EU-Ministerrat ĂŒbernimmt. HĂ€tte es bis dahin keinen Nachfolger fĂŒr Michel als PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Rats, des Gremiums der Staats- und Regierungschefs, gegeben, hĂ€tte die Sitzungsleitung zunĂ€chst bei dessen Regierungschef Viktor Orban gelegen. Orban ist seit Jahren fĂŒr seinen europakritischen Kurs bekannt. Kritiker hatten dem ehemaligen belgischen Premierminister Michel vorgeworfen, persönliche Interessen zu priorisieren.

Durch die frĂŒhe Bekanntgabe sei dem EuropĂ€ischen Rat ausreichend Zeit gegeben worden, einen reibungslosen Übergang im europĂ€ischen Interesse nach den Europawahlen vorzubereiten, schrieb Michel auf Facebook. Er werde sich mit aller Kraft und Entschlossenheit seinen derzeitigen Aufgaben widmen, bis sie zu Ende sind.

Aufgabe des EU-RatsprĂ€sidenten ist es, die Zusammenarbeit und die Gipfeltreffen der EU-LĂ€nder zu koordinieren. Michel hatte den Posten im Dezember 2019 ĂŒbernommen. Nach seiner Wiederwahl 2022 endet seine zweite Amtszeit regulĂ€r am 30. November dieses Jahres. Die Europawahl findet Anfang Juni statt.

Die designierte Spitzenkandidatin der FDP fĂŒr die Europawahl, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, kritisierte den RĂŒckzug Michels als «erneuten U-Turn», der fĂŒr Verwirrung sorge. «Seine Rolle ist nicht die Selbstprofilierung, sondern die Vertretung der Mitgliedsstaaten und Koordinierung», schrieb sie auf der Plattform X (ehemals Twitter). «Es wird Zeit fĂŒr einen neuen, wĂŒrdigen EU-RatsprĂ€sidenten.»

@ dpa.de