Tel Aviv, Nahost

Israels Armee zerstört Wohnung des Tel-Aviv-AttentÀters

23.05.2023 - 08:52:54

Anfang MĂ€rz schießt ein AttentĂ€ter in Tel Aviv auf Passanten und tötet einen Mann. Zur Abschreckung zerstört Israels Armee die Wohnung der Angehörigen - diese Kollektivstrafe ist kein neues Vorgehen.

Knapp drei Monate nach einem tödlichen Anschlag in der israelischen KĂŒstenmetropole Tel Aviv hat Israels Armee die Wohnung des AttentĂ€ters zerstört. Israelische Truppen zĂŒndeten SprengsĂ€tze im zweiten Stock eines vierstöckigen GebĂ€udes bei Ramallah im Westjordanland, wie die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete.

Die Wohnung gehöre der Familie des AttentĂ€ters, Nachbarn hĂ€tten das GebĂ€ude ebenfalls verlassen mĂŒssen. Bei Konfrontationen mit Anwohnern seien zwei Menschen verletzt worden.

Der AttentĂ€ter hatte am 9. MĂ€rz auf der belebten Dizengoff-Straße im Zentrum Tel Avivs das Feuer auf Passanten eröffnet. Zwei junge MĂ€nner wurden schwer verletzt, einer der beiden starb knapp zwei Wochen nach dem Anschlag. Der Angreifer wurde von Polizisten erschossen.

Menschenrechtler sehen Verstoß gegen Völkerrecht

Israel setzt HĂ€userzerstörungen als Bestrafungs- und Abschreckungsmaßnahme ein. Von Menschenrechtsorganisationen wird diese Kollektivstrafe als Verstoß gegen das humanitĂ€re Völkerrecht eingestuft. Israels höchstes Gericht hat HĂ€userzerstörungen jedoch immer wieder erlaubt und Klagen dagegen zurĂŒckgewiesen.

Die Sicherheitslage in Israel und den palĂ€stinensischen Gebieten ist seit langem extrem angespannt. Immer wieder kommt es im Westjordanland zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen PalĂ€stinensern und dem israelischen MilitĂ€r. Die Armee fĂŒhrt dort seit einer Anschlagsserie auf Israelis, die vor mehr als einem Jahr begann, vermehrt Razzien durch.

Am Montag wurden bei einem solchen MilitÀreinsatz drei PalÀstinenser getötet. Die Al-Aksa-Brigaden teilten spÀter mit, es habe sich um KÀmpfer der bewaffneten PalÀstinenserorganisation gehandelt. Die Al-Aksa-Brigaden sind der militÀrische Arm der Fatah-Bewegung des palÀstinensischen PrÀsidenten Mahmud Abbas.

Seit Beginn des Jahres wurden 116 PalÀstinenser bei israelischen MilitÀreinsÀtzen, Konfrontationen oder nach eigenen AnschlÀgen getötet. Im gleichen Zeitraum kamen 17 Israelis, eine Ukrainerin und ein Italiener bei AnschlÀgen ums Leben.

Israel hat wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete dagegen fĂŒr einen eigenen Staat - mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

@ dpa.de