US-Einsatz im Roten Meer - EU bereitet UnterstĂŒtzung vor
22.12.2023 - 14:11:34 | dpa.deDie EU bereitet eine Beteiligung an der US-Initiative zur Sicherung der Handelsschifffahrt im Roten Meer vor. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der EU-AuĂenbeauftragte Josep Borrell einen Vorschlag gemacht, wie dafĂŒr das Mandat der bereits existierenden Antipiraterie-Operation Atalanta ausgeweitet werden könnte. Er wird derzeit von den 27 EU-Staaten geprĂŒft und soll möglichst kurzfristig formalisiert werden.
Bei einem EU-Treffen am Donnerstag Ă€uĂerte nach Angaben von Diplomaten nur noch Spanien einen Vorbehalt gegen den Plan fĂŒr die MandatsĂ€nderung. In BrĂŒssel wird gehofft, dass er auf innenpolitische Differenzen in Madrid zurĂŒckzufĂŒhren ist, die zĂŒgig beigelegt werden können.
Die von den USA ins Leben gerufene Operation «Prosperity Guardian» (etwa: HĂŒterin des Wohlstands) sieht vor, die internationale MilitĂ€rprĂ€senz im Roten Meer deutlich zu verstĂ€rken.
Huthis greifen Schiffe im Roten Meer an
Nach Beginn des Gaza-Kriegs attackierten die vom Iran unterstĂŒtzten Huthi-Rebellen mehrfach Schiffe im Roten Meer, um sie an einer Durchfahrt in Richtung Israel zu hindern. Ziel der Huthis ist es, ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen zu erzwingen. Mehrere EU-Staaten hatten bereits bilateral UnterstĂŒtzung fĂŒr die US-Initiative zugesagt. Unter anderem Spanien und Deutschland wĂŒnschen sich allerdings ein EU-Mandat fĂŒr eine Beteiligung.
Nach Angaben von EU-Diplomaten soll es das neue Mandat ermöglichen, dass sich Kriegsschiffe aus EU-Staaten an der Ăberwachung des Roten Meeres beteiligen können. Zudem ist auch eine Begleitung von Handelsschiffen mit Marineeinheiten denkbar, die ĂŒber Abwehrsysteme gegen Raketen und Drohen verfĂŒgen. Als unwahrscheinlich gilt hingegen, dass eine Beteiligung an pro-aktiven MilitĂ€raktionen gegen Huthi-Rebellen vorgesehen wird.
Auslöser des Gaza-Kriegs war die grausame Terrorattacke der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober. Sie ermordeten mehr als 1200 Menschen. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.
USA: Ăber 20 LĂ€nder beteiligen sich an MilitĂ€rbĂŒndnis
Mehr als 20 LĂ€nder haben sich nach Angaben der USA bislang bereit erklĂ€rt, bei «Prosperity Guardian» mitzumachen. An dem BĂŒndnis beteiligen sich demnach unter anderen das Vereinigte Königreich, Bahrain, Kanada, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen und die Seychellen. GroĂe Reedereien meiden zunehmend die Route, ĂŒber die etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels lĂ€uft.
Menschen im Jemen demonstrieren gegen US-MilitÀr-Initiative
Tausende Menschen im Jemen sind auf die StraĂe gegangen, um gegen die von den USA gefĂŒhrte MilitĂ€rkoalition im Roten Meer zu protestieren. Die von den Huthis kontrollierte Nachrichtenagentur Saba veröffentlichte zahlreiche Nachrichten ĂŒber Demonstrationen in gröĂeren StĂ€dten im Norden des Jemen, darunter in der Hauptstadt Sanaa. Ein Sprecher des MilitĂ€rs veröffentlichte Fotos von groĂen Menschenansammlungen in Sanaa. Gleichzeitig warnte eine von den Huthis veröffentlichte Mitteilung LĂ€nder, sich der Koalition der USA anzuschlieĂen. Man werde auf jede feindliche Aktion antworten.
UN: Hunderttausenden in Gaza droht der Hungertod
Zwar kommen inzwischen wieder mehr Laster mit HilfsgĂŒtern in den Gazastreifen, Hilfsorganisationen klagen aber ĂŒber mangelnden Zugang zu notleidenden Menschen. Solange die KĂ€mpfe in Gebieten andauerten, in denen sich Zivilisten befĂ€nden, sei es dem Roten Kreuz nicht möglich, die Hilfe dorthin zu bringen, sagte ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) kĂŒrzlich dem US-Sender CNN.
Angesichts der israelischen MilitĂ€roffensive im Gazastreifen wird die humanitĂ€re Lage in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen immer katastrophaler. Aufgrund der «weltweit beispiellosen» Situation warnen die Vereinten Nationen vor dem Hungertod von Hunderttausenden PalĂ€stinensern.
Eine neue Studie mehrerer UN-Agenturen und anderer Institutionen vom Donnerstag kommt zu dem Schluss, dass in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen 577.000 Menschen in die schwerwiegendste Kategorie des Hungers fallen. Fast alle Bewohner seien von Hunger oder Vertreibung betroffen.
UN:Â Keine sicheren Zonen
Rund 1,9 der etwa 2,2 Millionen Einwohner des schmalen Gazastreifens mussten wegen der KÀmpfe ihre HÀuser und Wohnungen verlassen. Israel hat sie aufgerufen, in sichere Zonen zu gehen, die das israelische MilitÀr auf Landkarten eingezeichnet hat. Solche Zonen gibt es aber nicht, wie die Vereinten Nationen betonen.
Mehr als 20.000 Tote im Gazastreifen
Nach Darstellung der Gesundheitsbehörde im Gazastreifen, die von der Hamas kontrolliert wird, sind seit Kriegsbeginn 20.057 PalĂ€stinenser getötet worden. Allein in den vergangenen zwei Tagen seien 390 Menschen getötet worden, teilte die Behörde am Freitag mit. Demnach sollen insgesamt 53.320 Menschen verletzt worden sein. Zuletzt hatte die Hamas-Behörde von mindestens 20.000 Toten gesprochen, die Zahl aber nicht konkret benannt. Unter den Todesopfern sollen auch Tausende MinderjĂ€hrige sein. Die Informationen können derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.
Im SĂŒden Gazas mehr als 12.000 Menschen pro Quadratkilometer
Im Gazastreifen leben durch die von Israel angeordneten RĂ€umungen weitreichender Landstriche inzwischen Hunderttausende Menschen auf kleinstem Raum. Die Bevölkerungsdichte in Rafah im SĂŒden liege bei mehr als 12.000 Personen pro Quadratkilometer, berichtete das UN-NothilfebĂŒro OCHA. Das entspricht viermal so viel wie vor Kriegsbeginn. Zum Vergleich: In Berlin leben im Schnitt rund 4100 Menschen auf einem Quadratkilometer, in der Hauptstadt von Bangladesch, Dhaka, sind es etwa 23.000 pro Quadratkilometer.
Rund 1,9 der etwa 2,2 Millionen Einwohner des schmalen Gazastreifens mussten wegen der KÀmpfe ihre HÀuser und Wohnungen verlassen. Israel hat sie aufgerufen, in sichere Zonen zu gehen, die das israelische MilitÀr auf Landkarten eingezeichnet hat.
Solche Zonen gibt es aber nicht, betonen die Vereinten Nationen. Eine sichere Zone mĂŒsse mindestens Aufenthaltsmöglichkeiten, Schutz, SanitĂ€ranlagen sowie genĂŒgend Nahrung und Trinkwasser bieten. Das sei nirgendwo der Fall. Bei den von Israel markierten Zonen handele es sich teils lediglich um BĂŒrgersteige. GebĂ€ude seien völlig ĂŒberfĂŒllt, viele Menschen kampierten unter freiem Himmel und ohne Schutz.
Dutzende weitere AuslÀnder sollen Gazastreifen verlassen
Die Ausreisen von AuslĂ€ndern und PalĂ€stinensern mit zweitem Pass aus dem Gazastreifen gehen weiter. Am Freitag sollten Dutzende Menschen aus dem abgeriegelten KĂŒstengebiet nach Ăgypten ausreisen, wie aus einer Liste der palĂ€stinensischen Grenzbehörde am Ăbergang Rafah hervorging. Es handelt sich demnach um Menschen mit britischer, US-amerikanischer und mexikanischer StaatsbĂŒrgerschaft.
Seit Kriegsbeginn vor mehr als zwei Monaten reisten Hunderte AuslĂ€nder und Doppelstaatler ĂŒber Rafah aus. Nach Angaben des Ă€gyptischen AuĂenministeriums vom November hielten sich zeitweise etwa 7000 Menschen aus 60 LĂ€ndern im Gazastreifen auf, die ausreisen wollten.
Nouripour: Internationale Gemeinschaft muss mehr fĂŒr Gaza tun
GrĂŒnen-Chef Omid Nouripour hat mehr Hilfe fĂŒr die Menschen im Gazastreifen verlangt. Die Situation dort sei erschĂŒtternd, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Es ist unertrĂ€glich, dass so viele Menschen, dass so viele Kinder in Gaza hungern, weil der humanitĂ€re Zugang nicht gesichert ist. Die internationale Gemeinschaft muss deutlich mehr tun, um das Leid der Menschen vor Ort zu lindern.»
Zugleich seien immer noch israelische Geiseln in den HÀnden der Hamas, was ebenfalls besorgniserregend sei, so Nouripour. «Es braucht humanitÀre Pausen und ZugÀnge, damit Nahrungsmittel und Medikamente bei den Menschen in Gaza ankommen und die Geiseln freikommen können.»
Berichte: Israelisch-amerikanischer Mann in Hamas-Gewalt tot
Ein 73 Jahre alter Mann in der Gewalt der Hamas ist Zeitungsberichten zufolge tot. Terroristen hĂ€tten ihn bereits am 7. Oktober ermordet und seine Leiche mit in den Gazastreifen genommen, meldeten die Zeitungen «Haaretz» und «Jerusalem Post» unter Berufung auf seinen Heimatort Nir Oz. Seine Leiche sei noch im Gazastreifen. Der Jazz-Musiker besaĂ Medien zufolge neben der US- auch die israelische StaatsbĂŒrgerschaft. Seine Frau, ebenfalls Doppelstaatlerin, wurde auch am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt.
Das Paar habe zum Zeitpunkt des Massakers einen Spaziergang durch den Kibbuz gemacht. Terroristen hÀtten ihrem Mann in den Kopf und ihr in den Arm geschossen, berichtete die Frau Medien zufolge Nachbarn am Telefon, als sie um Hilfe rief. Seitdem habe es kein Lebenszeichen mehr von den beiden gegeben.
Bocelli schreibt an freigelassene Geisel
Der italienische Startenor Andrea Bocelli hat Medienberichten zufolge einer in den Gazastreifen entfĂŒhrten und spĂ€ter freigelassenen Frau aus Israel einen Brief geschrieben. «Ich wĂŒnschte, ich könnte Sie umarmen», schrieb der 65-JĂ€hrige darin, wie israelische Medien am Donnerstagabend meldeten. Die 85-JĂ€hrige hatte zuvor im israelischen Fernsehen berichtet, sie habe wĂ€hrend ihrer Gefangenschaft jeden Morgen Bocellis Lieder gesummt, um die Zeit zu ĂŒberstehen. Als Geisel habe sie weder Radio noch Fernsehen gehabt.
«Ich möchte Ihnen fĂŒr die Emotionen danken, die Ihre Geschichte bei allen Menschen geweckt hat, die das Privileg hatten, sie zu hören, und insbesondere bei mir, denn ich bin, ganz unglaublich, ein Teil davon», hieĂ es im Brief des blinden Tenors aus der Toskana weiter.
Beschuss aus Libanon: Israel greift Hisbollah-Stellungen an
Israelische Kampfjets haben nach Angaben der Armee erneut Stellungen der Schiitenmiliz Hisbollah im SĂŒdlibanon angegriffen. Die Attacke erfolgte als Reaktion auf mehrere Raketenangriffe der Miliz auf Ziele im Norden Israels, teilte die Armee mit.Â
Die israelische Artillerie habe zunĂ€chst die Stellungen beschossen, aus denen heraus die Raketen abgefeuert worden waren. AnschlieĂend stiegen israelische Kampfjets auf, die die Raketenstellungen angriffen. DarĂŒber hinaus seien «Terror-Infrastruktur» sowie militĂ€rische Einrichtungen der Hisbollah getroffen worden.
Die Schiitenmiiliz gab bekannt, dass ihre Angriffe israelischen Kasernen und Truppenkonzentrationen im Norden Israels gegolten hatten. Israels MilitĂ€r bestĂ€tigte spĂ€ter, dass ein Soldat getötet und ein weiterer schwer verwundet wurden. Die Hisbollah teilte mit, dass zwei ihrer KĂ€mpfer ums Leben kamen. Von unabhĂ€ngiger Seite lieĂen sich diese Angaben zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen.
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