Selenskyj, Siegesplan

Selenskyj prÀsentiert «Siegesplan»

16.10.2024 - 04:58:36

Auch wenn Russland ein FĂŒnftel des ukrainischen Territoriums besetzt hĂ€lt, verbreitet PrĂ€sident Selenskyj Optimismus. Jetzt soll sein sogenannter Siegesplan öffentlich vorgestellt werden.

  • Die Ukraine will ihre Energie-Infrastruktur besser schĂŒtzen. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Ukrainische Soldaten auf dem Weg zur Front. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Selenskyj will seinen sogenannten Siegesplan vorstellen. (Archivbild) - Foto: -/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

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Die Ukraine will ihre Energie-Infrastruktur besser schĂŒtzen. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaUkrainische Soldaten auf dem Weg zur Front. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaSelenskyj will seinen sogenannten Siegesplan vorstellen. (Archivbild) - Foto: -/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Nach wochenlanger Diskussion stellt der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj an diesem Mittwoch seinen sogenannten Siegesplan im Parlament in Kiew öffentlich vor. Zuletzt hatte Selenskyj die neue Strategie fĂŒr eine Beendigung des Krieges den westlichen Partnern bei Besuchen in Washington, London, Paris, Rom und Berlin prĂ€sentiert. An diesem Donnerstag soll er den Plan auch beim EU-Gipfel in BrĂŒssel vorstellen.

Der ukrainische Staatschef hofft, den Angreifer Russland zum Frieden zu zwingen. Soweit bekannt, ist eine Einladung in das westliche MilitĂ€rbĂŒndnis Nato Teil der Strategie. 

Die Ukraine fordert auch immer wieder eine Freigabe fĂŒr den Einsatz weitreichender westlicher Waffen gegen Ziele auf russischem Territorium. Dies soll den Krieg stĂ€rker in die russische Gesellschaft hineintragen. 

Ebenso steht eine stĂ€rkere Flugabwehr auf Selenskyjs immer wieder öffentlich vorgebrachten Wunschliste. Russische Raketen und Drohnen sollen auch von polnischem oder rumĂ€nischem Territorium aus abgeschossen werden. Kiew erwartet ebenfalls stĂ€rkere westliche Investitionen in die ukrainische RĂŒstungsindustrie. 

Zuletzt hatte Selenskyj mehrfach die Hoffnung geĂ€ußert, den Krieg 2025 zu ukrainischen Bedingungen beenden zu können. Russland war im Februar 2022 in das Nachbarland einmarschiert. Es kontrolliert einschließlich der bereits 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim etwa ein FĂŒnftel des ukrainischen Staatsgebiets.

Kiew bereitet sich auf dritten Kriegswinter vor

Die Ukraine bereitet sich unterdessen auf ihren dritten Kriegswinter und weitere russische Angriffe auf ihr Energie-Versorgungsnetz vor. Wie PrĂ€sident Selenskyj mitteilte, hat er sich mit Vertretern verschiedener Ministerien und der Energieversorger des Landes getroffen, um Maßnahmen zum Schutz der Infrastruktur zu besprechen. «Jede Dienststelle und alle Institutionen haben klare Aufgaben», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache.

«Die Diskussion drehte sich um alle Ebenen zum Schutz der Energie-Infrastruktur, einschließlich technischer Aspekte, sowie um elektronische KriegsfĂŒhrung und Flugabwehr», berichtete Selenskyj auf der Plattform Telegram. 

«Die Luftwaffe wird beteiligt sein», deutete Selenskyj einen Teil der besprochenen Schutzmaßnahmen an. «Außerdem haben wir beschlossen, unsere Flugabwehr entlang der Fronten und Grenze zu verstĂ€rken.» Daneben seien Details der VerstĂ€rkung der Luftverteidigung diskutiert worden, ebenso wie mögliche Abwehrmaßnahmen gegen Kamikaze-Drohnen und verschiedene Raketentypen, die von russischer Seite eingesetzt werden. Zudem habe man PlĂ€ne zur schnellen Reparatur von SchĂ€den sowie einer Dezentralisierung von Energieversorgern erarbeitet.

In den vergangenen beiden Kriegswintern hat das russische MilitÀr wiederholt die ukrainische Energie-Infrastruktur angegriffen und schwer beschÀdigt. Mit dem Ausfall von Strom und der damit verbundenen Wasser- und WÀrmeversorgung zur kÀltesten Jahreszeit wurde die Zivilbevölkerung der Ukraine unter Druck gesetzt. Inzwischen hat die Ukraine massive Hilfe aus dem Ausland zum Wiederaufbau des Energienetzes sowie weitere Flugabwehr-Systeme zu dessen Schutz erhalten.

Diskussion ĂŒber Alter der Mobilmachung

Die USA machen offenkundig Druck auf Kiew, die Altersgrenze zur Mobilmachung von bisher 25 Jahren zu senken. Das berichtete PrĂ€sidialberater Serhij Leschtschenko auf Telegram. «US-Politiker beider Parteien bedrĂ€ngen PrĂ€sident Selenskyj mit der Frage, warum die Ukraine nicht die 18- bis 25-JĂ€hrigen mobilisiert», schrieb Leschtschenko. Als Argument fĂŒhrten die Amerikaner an, dass im Vietnam-Krieg auch 19-JĂ€hrige eingezogen worden seien. 

Damit deute die amerikanische Seite an, dass westliche Waffen allein nicht ausreichten, also sollte Kiew auch junge Menschen ab 18 mobilisieren. Selenskyj allerdings sei bemĂŒht, das bisherige Verfahren beizubehalten. In der Ukraine werden wehrfĂ€hige MĂ€nner im Alter von 25 bis 60 Jahren mobilisiert. Junge MĂ€nner im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mĂŒssen sich fĂŒr den Wehrdienst registrieren und dĂŒrfen in dieser Zeit das Land nicht verlassen. Diese JahrgĂ€nge gelten allerdings als schwach.

KĂ€mpfe in der Ostukraine dauern an

An den Fronten im Osten der Ukraine lieferten sich die Kriegsparteien erneut schwere und verlustreiche KÀmpfe. Im Mittelpunkt lagen einmal mehr die Brennpunkte Torezk und Pokrowsk. In Torezk, das russische Einheiten bereits zur HÀlfte kontrollieren, waren die ukrainischen Verteidiger mehreren russischen Luftangriffen ausgesetzt, wie der Generalstab in Kiew in seinem Lagebericht mitteilte. 

Bei Pokrowsk wurden insgesamt 14 russische Angriffe im Tagesverkauf registriert. Auch an diesem Frontabschnitt griff die russische Luftwaffe an und belegte die ukrainischen Stellungen mit gelenkten Gleitbomben.

Angesichts des drohenden VorrĂŒckens russischer Truppen ordneten die ukrainischen Behörden die Evakuierung von Teilen der Zivilbevölkerung aus der Region Kupjansk an. Familien mit Kindern wurden angewiesen, die Stadt zu verlassen, wie MilitĂ€rverwalter Oleh Synjehubow im Fernsehen mitteilte. Kupjansk liegt östlich von Charkiw.

Die ukrainische Flugabwehr meldete am Abend neue EinflĂŒge russischer Drohnen. In der NĂ€he der StĂ€dte Sumy und Charkiw seien mehrere SchwĂ€rme gesichtet worden. SpĂ€ter wurden auch aus Mykolajiw und Cherson im SĂŒden Drohnen-EinflĂŒge gemeldet. FĂŒr eine Reihe von StĂ€dten, darunter auch Kiew, wurde Alarm ausgelöst. Die Flugabwehr in mehreren Regionen sei im Einsatz, berichteten ukrainische Medien ohne weitere Angaben.

@ dpa.de