Wird es das entscheidende Treffen? Trump und Putin in Alaska
15.08.2025 - 02:46:34Vor den Augen der Weltöffentlichkeit treffen sich US-PrĂ€sident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin in Alaska, um ĂŒber den Ukraine-Krieg zu sprechen. Von dem EinzelgesprĂ€ch weit oben im Norden der USA, bei dem der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj auĂen vor ist, könnten entscheidende Impulse fĂŒr ein mögliches Kriegsende ausgehen. Zugleich ist offen, was die Begegnung fĂŒr den seit dreieinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskrieg unterm Strich tatsĂ€chlich bringen wird und ob es zu einer von der Ukraine, den EuropĂ€ern und Trump geforderten Waffenruhe kommt. Eine GipfelerklĂ€rung ist laut Kreml nicht geplant.
Sorge vor Gebietsabtretungen
Die EuropĂ€er und Ukrainer, allen voran Selenskyj, sind von dem GesprĂ€ch, das wegen der Zeitverschiebung in Deutschland auf den Abend fĂ€llt, ausgeschlossen. Sie befĂŒrchten, dass sich Trump und Putin auf Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland verstĂ€ndigen könnten. Das lehnt Kiew strikt ab. Trump hatte mehrmals von einem «Gebietstausch» gesprochen.Â
Russland will nach bisherigen Angaben die zu groĂen Teilen besetzten ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk komplett haben - und könnte dafĂŒr im Gegenzug potenziell bereit sein, sich aus anderen besetzten FlĂ€chen zurĂŒckzuziehen. Das russische Staatsfernsehen stimmt seine Zuschauer schon seit Tagen auf ein mögliches Kriegsende ein - obwohl die Kampfhandlungen weitergehen.
EuropÀer wollen erst Waffenruhe
Zu den Forderungen aus Europa, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vorab aufgelistet hatte, gehört, dass die Ukraine bei einem Folgetreffen mit am Tisch sitzen mĂŒsse. Vor dem Beginn von Verhandlungen sei eine Waffenruhe notwendig. Wenn ĂŒber Territorialfragen gesprochen werde, mĂŒsse der derzeitige Frontverlauf Ausgangspunkt sein, hieĂ es. Eine völkerrechtliche Anerkennung russischer Eroberungen schloss Merz aus.
Zudem braucht die Ukraine den Forderungen zufolge Sicherheitsgarantien und muss auch eine starke Armee behalten. Bei der Schalte zwischen Selenskyj, den europĂ€ischen VerbĂŒndeten und Trump zeigte sich der US-PrĂ€sident nach dpa-Informationen dazu bereit, dass sich die USA an Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine auĂerhalb der Nato beteiligen. Zuvor hieĂ es aus Washington oft, das sei Sache der EuropĂ€er. Unklar ist aber, wie die Garantien aussehen sollen.
«Gelegenheit, einem Waffenstillstand zuzustimmen»
Merz rief Putin kurz vor dem Treffen zu Ernsthaftigkeit auf. «Wir erwarten von PrĂ€sident Putin, dass er das GesprĂ€chsangebot von PrĂ€sident Trump ernst nimmt und nach dem Treffen in Alaska ohne Bedingungen in Verhandlungen mit der Ukraine eintritt», sagte Merz laut Mitteilung. Dreieinhalb Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine habe Russland heute die Gelegenheit, einem Waffenstillstand zuzustimmen und die Feindseligkeiten einzustellen.Â
Mit Blick auf einen möglichen «Gebietstausch» betonte der Kanzler, territoriale Fragen könnten nur mit dem EinverstÀndnis der Ukrainer entschieden werden. Er stehe weiter mit dem US-PrÀsidenten zu den Forderungen in Kontakt.
Treffen als Vorstufe?
Einen Deal werde er selbst nicht machen, sagte Trump, der sich in der Vermittlerrolle sieht, ĂŒber den Gipfel mit Putin. Dazu brĂ€uchte es auch die andere Seite - die Ukrainer.Â
Der US-PrĂ€sident setzt auf ein potenzielles zweites Treffen und stellt das jetzige als eine Art Vorstufe dar. Putin und Selenskyj sollten dann aus Sicht der US-Seite zusammenkommen. «Das zweite Treffen wird sehr, sehr wichtig sein - denn das wird das Treffen sein, bei dem sie einen Deal machen», sagte Trump. Er rĂ€umte allerdings auch Zweifel daran ein, dass sein GesprĂ€ch mit Putin am Freitag zu einer sofortigen Waffenruhe fĂŒhren werde. Er schloss nicht aus, dass das Treffen ergebnislos bleibt. Trump schrĂ€nkte auch ein, dass es ein zweites Treffen nur geben könnte, wenn die erste Begegnung gut verlaufe.
Zuletzt hatte Trump Putin mit «sehr schwerwiegenden Konsequenzen» gedroht, wenn sich Putin einem Ende von Kampfhandlungen nach dem Treffen verweigern sollte. Was genau er meinte, sagte er nicht. Zuletzt hatte er ĂŒber angedrohte Zölle Druck auf Handelspartner, die ĂlgeschĂ€fte mit Russland machen, ausgeĂŒbt.Â
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Atomwaffenvertrag als Moskauer Lockmittel
Putin Ă€uĂerte sich zuletzt lobend ĂŒber die US-Regierung. Sie unternehme «recht energische und aufrichtige Anstrengungen», um die KĂ€mpfe in der Ukraine zu beenden und zu Vereinbarungen zu kommen, die im Interesse aller beteiligten Seiten lĂ€gen. Gleichwohl hatte er selbst immer wieder harte Bedingungen gestellt fĂŒr eine Waffenruhe - darunter etwa der Stopp westlicher Waffenlieferungen an die Ukraine. Möglich ist, dass Putin eine Teilwaffenruhe fĂŒr Luftangriffe auf Energieanlagen vorschlĂ€gt.
Ein Kriegsende und eine Einigung mit den USA, sagte der Kremlchef, könne auch langfristige Bedingungen fĂŒr Frieden in Europa und der Welt insgesamt schaffen, «wenn wir in den nĂ€chsten Phasen zu Vereinbarungen im Bereich der Kontrolle strategischer Offensivwaffen ĂŒbergehen». Mit strategischen Offensivwaffen sind interkontinentale Atomwaffen gemeint.Â
Der Bereich der nuklearen RĂŒstung ist zwischen Russland und den USA fast nicht mehr geregelt, weil VertrĂ€ge ausgelaufen sind oder aufgekĂŒndigt wurden.Â
Wie geht es nach Alaska weiter?
Trump wĂŒrde nach eigenen Angaben zu dem zweiten Treffen dazukommen. Er brachte mittlerweile auch eine Teilnahme europĂ€ischer Staats- und Regierungschefs ins GesprĂ€ch. Ob sich Putin auf ein solches Treffen einlĂ€sst, ist unklar.
Seit Februar 2022 fĂŒhrt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. FĂŒr Putin ist das Aufeinandertreffen mit dem US-PrĂ€sidenten so oder so schon ein Gewinn: Trump holt ihn auf die WeltbĂŒhne zurĂŒck - und aus der Isolation im Westen. Und Trump inszeniert sich in seiner zweiten Amtszeit seit Januar immer wieder als Friedensstifter. Er will den Friedensnobelpreis bekommen. Im Wahlkampf hatte er immer wieder betont, er werde den Krieg beenden. Seit Putins Angriffskrieg hatte sich kein US-PrĂ€sident mehr mit ihm getroffen.





