Zahlungsausfall verhindert: Schulden-Drama in USA endet
02.06.2023 - 11:19:50Eine drohende ZahlungsunfÀhigkeit der US-Regierung ist abgewendet. Nach dem ReprÀsentantenhaus billigte am spÀten Donnerstagabend (Ortszeit) auch der Senat in Washington einen Gesetzentwurf, mit dem die staatliche Schuldenobergrenze in den USA bis 2025 ausgesetzt wird.
Diese lag zuletzt bei rund 31,4 Billionen Dollar (etwa 29,1 Billionen Euro). Ohne den Schritt wÀre der US-Regierung in wenigen Tagen das Geld ausgegangen. Es galt als Formalie, dass PrÀsident Joe Biden das Gesetz mit seiner Unterschrift in Kraft setzt.
Mit dem abschlieĂenden Votum im Kongress endete eine lange politische Zitterpartie, die in den USA und darĂŒber hinaus groĂe Sorgen vor einer wirtschaftlichen Krise ausgelöst hatte. Bis zuletzt hatten die Demokraten von PrĂ€sident Biden mit den Republikanern erbittert um einen Kompromiss gerungen. Ein Zahlungsausfall der weltgröĂten Volkswirtschaft hĂ€tte eine globale Finanzkrise und einen wirtschaftlichen Abschwung auslösen können. Die politische HĂ€ngepartie in Washington sorgte daher auch an Börsen fĂŒr Unruhe. Die Einigung machte sich nun auch am deutschen Aktienmarkt bemerkbar und versetzte die Anleger am Freitag in Kauflaune.
US-Finanzministerin Janet Yellen Ă€uĂerte sich deshalb erleichtert ĂŒber die Einigung. «Dieses Gesetz schĂŒtzt das volle Vertrauen und die KreditwĂŒrdigkeit der Vereinigten Staaten und bewahrt unsere finanzielle FĂŒhrungsrolle, die entscheidend ist fĂŒr unser Wirtschaftswachstum und unsere StabilitĂ€t», hieĂ es in einer Mitteilung. Ein Zahlungsausfall hĂ€tte das Land unter anderem Millionen ArbeitsplĂ€tze kosten können, schrieb sie. Zuvor hatte Yellen gewarnt, dass die Regierung am Montag zahlungsunfĂ€hig werden könnte.
Der Deal
Biden und der republikanische Vorsitzende im ReprĂ€sentantenhaus, Kevin McCarthy, hatten in den vergangenen Wochen in zĂ€hen Verhandlungen um einen parteiĂŒbergreifenden Kompromiss gerungen und erst am vergangenen Wochenende einen Deal prĂ€sentiert. Dieser sieht vor, dass der Umfang des Bundeshaushalts, den die Demokraten unter Biden vergröĂern wollten, faktisch eingefroren wird. DafĂŒr werden die Budgets vieler Bundesbehörden und Ministerien angepasst. Die Republikaner konnten auch durchsetzen, dass EmpfĂ€nger bestimmter Sozialleistungen einen Job nachweisen mĂŒssen. Die Demokraten wollten die staatlichen Einnahmen eigentlich durch die stĂ€rkere Besteuerung von Reichen erhöhen. Dagegen wiederum stemmten sich die Republikaner.
Mit dem Deal sind viele Demokraten wie auch Republikaner unzufrieden. Linke Demokraten beklagen etwa KĂŒrzungen im sozialen Bereich. Rechten Republikanern gehen die Einsparungen nicht weit genug. Und auch viele moderate Politiker aus der Mitte beider Parteien sind keineswegs begeistert. Angesichts der drohenden dramatischen Konsequenzen durch einen Zahlungsausfall stimmten letztlich jedoch ausreichend Kongressmitglieder aus beiden Lagern fĂŒr den Deal und sicherten so die nötige Mehrheit im Parlament.
Nach SchĂ€tzungen des unabhĂ€ngigen BudgetbĂŒros des US-Kongresses wird die Einigung das Haushaltsdefizit in den kommenden zehn Jahren um etwa 1,5 Billionen Dollar reduzieren. Dies trage eigentlich nur wenig zum Haushaltsausgleich bei, so die «Washington Post». In einem MeinungsstĂŒck schrieb die Zeitung, dass es fĂŒr den Kongress eigentlich eine Routineangelegenheit sein sollte, die Schuldengrenze anzuheben oder auszusetzen. «Den USA und der Weltwirtschaft hĂ€tten die Spannungen ĂŒber einen möglicherweise katastrophalen Zahlungsausfall erspart werden sollen.»
Die Abstimmung
Eine parteiĂŒbergreifende Mehrheit im Senat stimmte nun fĂŒr den Gesetzentwurf, mit dem die Schuldenobergrenze bis 2025 ausgesetzt wird, wĂ€hrend zugleich die staatlichen Ausgaben in den kommenden zwei Jahren beschrĂ€nkt werden. 63 von 100 Senatoren verhalfen dem Entwurf zur nötigen Mehrheit, darunter 46 Demokraten und 17 Republikaner.
Der demokratische MehrheitsfĂŒhrer im Senat, Chuck Schumer, Ă€uĂerte sich erleichtert. «Wir haben einen katastrophalen Zahlungsausfall verhindert», sagte er. Dabei hĂ€tten vor allem die Demokraten die Einigung ĂŒber die Ziellinie getragen, denn in beiden Kongresskammern hĂ€tten mehr Demokraten als Republikaner fĂŒr den Deal gestimmt.
In einer seltenen gemeinsamen ErklĂ€rung versicherten Schumer und der republikanische MinderheitsfĂŒhrer im Senat, Mitch McConnell, die Einsparungen schmĂ€lerten nicht die militĂ€rische StĂ€rke der USA: «Die Vereinbarung schrĂ€nkt nicht die Möglichkeiten des Senats ein, zusĂ€tzliche Mittel fĂŒr NotfĂ€lle bereitzustellen, um sicherzustellen, dass unsere militĂ€rischen FĂ€higkeiten ausreichen, um China, Russland und unsere anderen Gegner abzuschrecken.»
Senatoren beider Parteien hÀtten mit ihren Stimmen einen Zahlungsausfall verhindert, betonte Biden. «Gemeinsam haben sie einmal mehr bewiesen, dass Amerika eine Nation ist, die ihre Rechnungen bezahlt und ihren Verpflichtungen nachkommt - und dies immer tun wird.»
Das Gezerre davor
Der Hintergrund des Schulden-Dramas: In den USA legt das Parlament in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden eine Schuldenobergrenze fest und bestimmt damit, wie viel Geld sich der Staat leihen darf. Diesmal artete das Prozedere aus in erbittertes parteipolitisches Gezerre und ideologische GrabenkĂ€mpfe zwischen Demokraten und Republikanern.
Die Republikaner, die seit Januar eine Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus haben, verweigerten ĂŒber viele Wochen eine Anhebung der Schuldenobergrenze und verlangten deutliche KĂŒrzungen der staatlichen Ausgaben. Sie argumentierten, die Regierungsausgaben seien auĂer Kontrolle und hĂ€tten ein verantwortungsloses AusmaĂ angenommen. Die Demokraten wiederum warfen den Republikanern vor, ein ökonomisches Desaster zu riskieren, nur um sich politisch zu profilieren.


