Parade ohne Störung: Putin siegessicher im Ukraine-Krieg
09.05.2026 - 15:19:11 | dpa.deNach einer von US-PrĂ€sident Donald Trump vermittelten Waffenruhe im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Kremlchef Wladimir Putin seine MilitĂ€rparade zum 9. Mai störungsfrei durchgezogen. Die befĂŒrchteten Drohnenangriffe von ukrainischer Seite blieben aus. In seiner Rede vor Tausenden Soldaten und internationalen GĂ€sten zeigte sich Putin sicher, dass Moskaus Armee auch den Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt.Â
Russland feiert am 9. Mai den Tag des Sieges der Sowjetunion ĂŒber Nazi-Deutschland. Wegen der gespannten Sicherheitslage gab es diesmal nicht die ĂŒbliche Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer MilitĂ€rtechnik.
Bisher ist allerdings nicht in Sicht, wie Putin seine Kriegsziele in der Ukraine auch im inzwischen fĂŒnften Jahr der Invasion erreichen will. Die abgespeckte MilitĂ€rparade gilt als Spiegelbild der Lage in seinem Krieg. Die russischen Truppen sind durch die Gegenwehr der vom Westen unterstĂŒtzten Ukraine zunehmend unter Druck.
Dennoch sagte Putin in scharfem Ton auf dem Roten Platz: «Ich bin fest davon ĂŒberzeugt: Unsere Sache ist gerecht, wir stehen zusammen, der Sieg war immer und wird immer auf unserer Seite sein.» Die russische Armee werde bei ihrem Einsatz in der Ukraine heute inspiriert von der «Generation der Sieger» im Zweiten Weltkrieg, meinte der Kremlchef. «Sie stellen sich einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten Nato-Block bewaffnet und unterstĂŒtzt wird», sagte Putin, der seinen Krieg gegen die Ukraine 2022 begonnen hatte.
Zweifel am VorrĂŒcken der russischen Truppen
Trotz der westlichen UnterstĂŒtzung «marschieren unsere Helden vorwĂ€rts», behauptete der PrĂ€sident. Auch kremlnahe russische MilitĂ€rblogger bezweifeln allerdings die Angaben Putins - und vermuten, dass der PrĂ€sident falsch informiert sein könnte von der Moskauer MilitĂ€rfĂŒhrung.Â
Die Ukraine wird maĂgeblich von Nato-Staaten, darunter vor allem Deutschland, in ihrem Abwehrkampf gegen die groĂangelegte russische Invasion unterstĂŒtzt. Die Kampfhandlungen gelten als festgefahren in dem Krieg â ohne echte Bewegung fĂŒr eine der beiden Kriegsparteien. Die Seiten haben sich unter Vermittlung Trumps auf eine Waffenruhe bis 11. Mai geeinigt. Versuche, die Parade zu stören, gab es laut Kremlangaben nicht.
Berichte ĂŒber VerstöĂe gegen Waffenruhe
Das russische Verteidigungsministerium warf der Ukraine VerstöĂe gegen die Waffenruhe vor. Die ukrainischen StreitkrĂ€fte hĂ€tten ungeachtet der Vereinbarung mit Drohnen und Artillerie russische Positionen und auch zivile Objekte angegriffen, teilte das Ministerium mit. Betroffen gewesen seien unter anderem die Gebiete Kaluga, Tula, Smolensk, Kursk, Brjansk und Belgorod sowie im SĂŒden die Teilrepublik Tschetschenien und die Regionen Stawropol und Krasnodar.
Eine BestĂ€tigung dafĂŒr von ukrainischer Seite gab es zunĂ€chst nicht. Allerdings beklagte auch der ukrainische Generalstab nach Beginn der Waffenruhe Angriffe von russischer Seite vor allem in den umkĂ€mpften Regionen im Donbass. Die Rede war von 45 Attacken bis zum frĂŒhen Morgen.
ĂberprĂŒfbar sind die Angaben der Kriegsparteien von unabhĂ€ngiger Seite nicht. Auch bei allen bisherigen Waffenruhen haben sich Kiew und Moskau immer wieder massenhafte VerstöĂe vorgeworfen.
Gespannte Lage am Tag des Sieges in Russland
Die Sicherheitsvorkehrungen in der Moskauer Innenstadt waren massiv mit einem Aufgebot an Polizei und anderen Uniformierten, aber geringer als etwa im vergangenen Jahr. Damals waren weite Teile der Innenstadt mit Metallgittern gesperrt - wegen der durch die StraĂen fahrende Panzer und Raketenfahrzeuge. Das mobile Internet war abgeschaltet.Â
Viele Passanten, die sich bisweilen auch wegen Terrorgefahr Taschenkontrollen unterziehen mussten, trugen orange-schwarz gestreifte GeorgsbĂ€nder, das russische Symbol fĂŒr den Sieg der Sowjetarmee ĂŒber Hitler-Deutschland, als Ansteckschleife gut sichtbar an Jacken und RucksĂ€cken. Teilweise prangte darĂŒber noch ein Z - ein Buchstabe, mit dem BefĂŒrworter ihre UnterstĂŒtzung ausdrĂŒcken fĂŒr den Krieg gegen Ukraine.
Lewada-Zentrum: Sechs von zehn Befragten wollen Verhandlungen
Die Mehrheit der Russen unterstĂŒtzt dem unabhĂ€ngigen Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum zufolge einen Ăbergang zu Friedensverhandlungen. Noch etwa jeder Vierte sei der Meinung, dass die Kampfhandlungen fortgesetzt werden sollten, hieĂ es in einer Mitteilung. Befragt wurden demnach mehr als 1600 Menschen in Russland in persönlichen Interviews vom 22. bis 29. April.Â
Direkte Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau im Ringen um ein Ende des Kriegs pausieren zurzeit. Auch US-Vermittler erreichten keinen Durchbruch. Ein Termin fĂŒr eine neue Runde in diesem Format gibt es nicht.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, dass Moskau bereit sei, eine US-Delegation zu empfangen. Russland verlangt von der Ukraine unter anderem den Abzug ihrer Truppen auch aus den Teilen im Gebiet Donbass, die Moskaus StreitkrÀfte bisher nicht einnehmen konnten. Der Donbass umfasst die Regionen Donezk und Luhansk. Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj lehnte eine Aufgabe von Gebieten kategorisch ab.
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