Nahost, Italien

Dutzende Verletzte bei Krawallen in Mailand

22.09.2025 - 18:16:40

Aus einem Pro-PalÀstina-Streik entwickeln sich Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Die rechte MinisterprÀsidentin Meloni macht eine «selbst ernannte Antifa» verantwortlich.

Bei Auseinandersetzungen zwischen propalĂ€stinensischen Demonstranten und der italienischen Polizei sind in Mailand mehrere Dutzend Menschen verletzt worden. Die Polizei spricht von mindestens 60 verletzten Beamten, wovon 23 ins Krankenhaus gebracht worden seien. Angaben ĂŒber die Zahl verletzter Demonstranten gab es zunĂ€chst keine. Die Rettungsdienste der norditalienischen Großstadt berichten von etwa einem Dutzend EinsĂ€tzen.

Nach Angaben der Polizei wurden mindestens zehn mutmaßliche Krawallmacher festgenommen. Die Auseinandersetzungen hatten sich aus einer Kundgebung mit mehreren Tausend Teilnehmern entwickelt, die im Rahmen eines landesweiten Streiks als Zeichen der SolidaritĂ€t mit der Bevölkerung im Gazastreifen stattfand. Dabei wurden auch Flaggen der USA und der EU durch die Stadt getragen, die mit roter Farbe als Symbol fĂŒr Blut befleckt waren.

Meloni macht «selbst ernannte Antifa» verantwortlich

Nach Berichten von Augenzeugen versuchte dann eine Gruppe von jĂŒngeren MĂ€nnern, mit Gewalt in den Hauptbahnhof von Mailand einzudringen. Viele waren schwarz gekleidet, einige vermummt. Aus der Menge flogen Flaschen und Steine. Die Polizei setzte Schlagstöcke und TrĂ€nengas ein. Am Eingang des Bahnhofs gingen Scheiben zu Bruch. Die Polizei konnte den Angriff schließlich jedoch abwehren. Das genaue Ausmaß der SchĂ€den stand zunĂ€chst nicht fest.

Die rechte MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni machte «selbst ernannte Antifa» und «selbst ernannte Pazifisten» fĂŒr die Krawalle verantwortlich, die den Bahnhof verwĂŒsten wollten und ZusammenstĂ¶ĂŸe mit den
OrdnungskrÀften provozieren. «Gewalt und Zerstörung, die nichts mit
SolidaritĂ€t zu tun haben und das Leben der Menschen in Gaza nicht im Geringsten verĂ€ndern werden», schrieb die Regierungschefin auf X. Auch Mailands Mitte-Links-BĂŒrgermeister Giuseppe Sala verurteilte die Gewalt.

Kundgebungen auch in anderen StÀdten

Auch in anderen italienischen StĂ€dten fanden propalĂ€stinensische Kundgebungen mit insgesamt mehreren Zehntausend Teilnehmern statt. Die meisten verliefen friedlich. Vereinzelt kam es aber auch anderswo zu Auseinandersetzungen. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender Rai schĂ€tzte die Gesamtzahl der Teilnehmer auf mindestens 100.000. Allein in der Hauptstadt Rom gingen nach SchĂ€tzungen mehr als 50.000 Menschen auf die Straße.

Infolge des Streiks kam es zu erheblichen VerspĂ€tungen bei der Eisenbahn sowie im öffentlichen Nahverkehr. Nach Angaben der Polizei blockierten Demonstranten die Autobahn an mehreren Stellen. Zudem fiel in Schulen und UniversitĂ€ten Unterricht aus. Zu dem Streik hatte die Gewerkschaft USB (Unione Sindacale di Base) aufgerufen, um gegen die «VerschĂ€rfung der humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen» zu protestieren. Zugleich fordert sie Sanktionen gegen Israel. Die großen Gewerkschaften beteiligten sich nicht.

Opposition wirft Meloni zu viel RĂŒcksicht auf Israel vor 

Die linke Opposition wirft Meloni vor, nicht entschieden genug
Stellung fĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung in Gaza zu beziehen. Sie kritisiert auch, dass Italien weiterhin Waffen an Israel liefert. Die MinisterprĂ€sidentin Ă€ußerte mehrfach Kritik am Vorgehen des israelischen MilitĂ€rs. Sie fordert eine politische Lösung des Konflikts. Zu einer Anerkennung eines eigenen Staates PalĂ€stina ist Meloni derzeit nicht bereit.

@ dpa.de