Ausland, Ungarisches Parlament

Barley unterstĂŒtzt Klagen gegen Polen und Ungarn

Veröffentlicht: 11.04.2020 um 14:19 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller (Chefredaktion)

Katarina Barley (SPD), die VizeprĂ€sidentin des EuropĂ€ischen Parlaments, hat sich fĂŒr ein hĂ€rteres Vorgehen gegen EU-Mitgliedsstaaten wie etwa Polen oder Ungarn ausgesprochen, die die aktuelle Corona-Pandemie als Gelegenheit fĂŒr weitere Beschneidungen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ausnutzen.

Ungarisches Parlament (Archiv), Illustration mit AI erstellt.
Ungarisches Parlament (Archiv), Illustration mit AI erstellt.
Im Moment sei "die Versuchung fĂŒr Regierungen in manchen LĂ€ndern der EU groß", sich unter dem Vorwand der PandemiebekĂ€mpfung "unbegrenzte Machtbefugnisse zu verschaffen", sagte Barley den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (RND) fĂŒr deren Ausgaben vom Samstag. Besonders in Krisenzeiten aber mĂŒsse die Gewaltenteilung weiterhin funktionieren.

Alle MitgliedslĂ€nder der EuropĂ€ischen Union hĂ€tten sich in den EU-VertrĂ€gen zu den Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und besonders auch zu einer von einem Parlament kontrollierten Regierung bekannt. Wenn einzelne nationale Regierung diese GrundsĂ€ze infrage stellten, dann mĂŒsse die EuropĂ€ische Kommission in ihrer Rolle als HĂŒterin der VertrĂ€ge entsprechend reagieren. Dennoch gebe es beunruhigende Entwicklungen wie etwa in Ungarn. Dort habe MinisterprĂ€sident Victor OrbĂĄn unter dem Deckmantel der Corona-BekĂ€mpfung das ungarische Parlament unbefristet entmachtet, so die EU-Vize-ParlamentsprĂ€sidentin. Vergleichbares gelte auch fĂŒr Polen. Dort halte die regierende PiS-Partei von MinisterprĂ€sident Mateusz Morawiecki mit allen Mitteln an der fĂŒr Mai geplanten PrĂ€sidentschaftswahl fest, obwohl ein fairer und freier Wahlkampf im Moment gar nicht möglich sei. Hierzu habe man sogar das Wahlgesetz geĂ€ndert; dieses Vorgehen sei von zahlreichen Rechtswissenschaftlern als verfassungswidrig eingeschĂ€tzt worden.

Wo immer Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten ihre "schon vor der Krise ausgelebten autoritĂ€ren Bestrebungen" weiter vorantrieben, da mĂŒsse die EuropĂ€ische Kommission die betreffenden Staaten "vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof auf Verletzung der EU-VertrĂ€ge verklagen", verlangte die SPD-Politikerin. Es sei entscheidend fĂŒr die Zukunft der EuropĂ€ischen Union, dass der Kampf gegen die Corona-Pandemie in Übereinstimmung mit den europĂ€ischen Werten einer liberalen Demokratie stattfinde, so Barley gegenĂŒber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Katarina Barley wurde 1968 in Köln geboren. Sie hatte in der deutschen Bundesregierung verschiedene MinisterÀmter inne, zuletzt das der Justizministerin, bevor sie Mitte 2019 VizeprÀsidentin des EuropÀischen Parlaments wurde.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, RSM

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