US-Gesandter: Israel und Syrien stimmen Waffenruhe zu
19.07.2025 - 01:25:37 | dpa.deNach den israelischen Luftangriffen gegen syrische Regierungstruppen infolge der Gewalt zwischen Drusen und Beduinen haben sich beide NachbarlĂ€nder nach US-Angaben auf eine Waffenruhe verstĂ€ndigt. Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und der syrische PrĂ€sident Ahmed al-Scharaa hĂ€tten mit US-UnterstĂŒtzung einer Waffenruhe zugestimmt, teilte der US-Botschafter in der TĂŒrkei und Sondergesandte fĂŒr Syrien, Thomas Barrack, auf X mit. US-PrĂ€sident Donald Trump schĂŒrt derweil die Hoffnung auf einen baldigen Deal im Gaza-Krieg.Â
In den vergangenen Tagen war es in Syrien zu KĂ€mpfen zwischen drusischen Milizen einerseits und sunnitischen Beduinen und Regierungstruppen andererseits gekommen. Israel hatte eingegriffen und Konvois der syrischen Regierungsarmee auf dem Weg nach Suwaida, aber auch RegierungsgebĂ€ude in der Hauptstadt Damaskus bombardiert. Israel begrĂŒndete das mit dem Schutz der Drusen. Zudem will Israel nach dem Sturz des syrischen Ex-Machthabers Baschar al-Assad keine MilitĂ€rkrĂ€fte im SĂŒden Syriens dulden, der an Israel grenzt.
Syriens ĂbergangsprĂ€sident ruft zu ZurĂŒckhaltung aufÂ
Der US-Sondergesandte Barrack schrieb auf X: «Wir rufen Drusen, Beduinen und Sunniten auf, ihre Waffen niederzulegen und gemeinsam mit anderen Minderheiten eine neue und geeinte syrische IdentitĂ€t aufzubauen, die Frieden und Wohlstand mit ihren Nachbarn schafft.» Barrack sprach von einem «DURCHBRUCH». Laut der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte dauerten die am vergangenen Sonntag ausgebrochenen KĂ€mpfe an.Â
Die Zahl der Toten sei inzwischen weiter auf 718 gestiegen, hieĂ es. UnabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen lĂ€sst sich die Zahl nicht. Die Angaben der Beobachtungsstelle mit Sitz in GroĂbritannien, die den Konflikt in Syrien mit einem Netz aus Aktivisten verfolgt, gelten aber als in der Regel verlĂ€sslich. Der syrische ĂbergangsprĂ€sident Al-Schaara rief alle Seiten zur ZurĂŒckhaltung auf.Â
Zuvor hatten SicherheitskrĂ€fte seiner Regierung Stellung an den RĂ€ndern der gleichnamigen Provinzhauptstadt bezogen, um erneut dort einzurĂŒcken. Nach Angaben aus der Hauptstadt Damaskus sollen die Regierungstruppen die lokalen Konfliktparteien auseinanderhalten. Israel erklĂ€rte sich laut Medienberichten bereit, die PrĂ€senz von SicherheitskrĂ€ften der syrischen Regierung in der Provinz fĂŒr einen Zeitraum von 48 Stunden zu dulden.
Israel misstraut Regierung in DamaskusÂ
Der jĂŒdische Staat misstraut der Ăbergangsregierung in Damaskus, weil sie aus islamistischen Milizen hervorging. Al-Scharaa hatte wiederum Israel vorgeworfen, sein Land in einen Krieg hineinziehen zu wollen. Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu hatte den Schutz der «drusischen BrĂŒder» als rote Linie ausgegeben. Die Drusen sind eine religiöse Minderheit, die aus dem schiitischen Islam entstanden ist. Sie leben in Syrien, dem Libanon, Israel und Jordanien. In Israel nehmen die Drusen eine Sonderstellung ein, weil sie anders als muslimische und christliche Araber MilitĂ€rdienst leisten.Â
Bereits in den vergangenen Monaten hatte es in Suwaida, der Hochburg der Drusen, bewaffnete Konfrontationen gegeben. Die jĂŒngsten KĂ€mpfe sind die schlimmsten. Dutzende drusische Zivilisten sollen von SicherheitskrĂ€ften hingerichtet worden sein. Die KĂ€mpfe seien das Werk «gesetzloser bewaffneter Gruppierungen», sagte Al-Scharaa in einer von seinem Amt veröffentlichten ErklĂ€rung. «Sie greifen zur Waffengewalt, um ihren Willen durchzusetzen und riskieren damit das Leben von Zivilisten â Kindern, Frauen und Alten».Â
Rotes Kreuz berichtet von schlimmen ZustÀnden
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) beschrieb die humanitĂ€re Lage in Suwaida als kritisch, Gesundheitseinrichtungen seien ĂŒberlastet. «Das IKRK erhĂ€lt verzweifelte Hilferufe aus der Bevölkerung, die unter einem gravierenden Mangel an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Strom und medizinischer Versorgung leidet», teilte die Organisation mit. Die Gewalt behindere die Lieferung lebensrettender Hilfe. Den Helfern mĂŒsse sofortiger, sicherer und ungehinderter Zugang in das Krisengebiet gewĂ€hrt werden.Â
Unter Vermittlung der USA, der TĂŒrkei und arabischer Staaten war es diese Woche eigentlich zu einer Waffenruhe gekommen, am Donnerstag hatten sich die Regierungstruppen an die StadtrĂ€nder von Suwaida zurĂŒckgezogen. Drusische Milizen ĂŒbernahmen die Kontrolle, was zur Flucht beduinischer Einwohner fĂŒhrte. Doch dann kam es in der gleichnamigen Provinz laut der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte und des UN-MenschenrechtsbĂŒros erneut zu bewaffneten Auseinandersetzungen.Â
Trump: Zehn Geiseln kommen bald in Gaza frei
Unterdessen Ă€uĂerte US-PrĂ€sident Trump erneut die Hoffnung, dass es bei den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas in Gaza ĂŒber eine 60-tĂ€gige Waffenruhe und die Freilassung von zehn der noch lebenden Geiseln bald zur Einigung kommt. Der Republikaner sagte, man werde «sehr bald» zehn Geiseln bekommen - man hoffe, dass das ziemlich schnell abgeschlossen sein werde. Die Hamas hatte der Freilassung von zehn Geiseln nach eigenen Angaben bereits zugestimmt, sah zuletzt aber noch ungelöste Streitpunkte.Â
Auslöser des Gaza-Krieges war der beispiellose Ăberfall der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Seither wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 58.000 PalĂ€stinenser in Gaza getötet. Die kaum ĂŒberprĂŒfbare Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern. Nach israelischem Erkenntnisstand sind noch mindestens 20 Geiseln am Leben.
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