Biden, Schwelle

Biden nimmt Schwelle fĂŒr PrĂ€sidentschaftskandidatur

13.03.2024 - 01:08:29

Bei den Vorwahlen in den USA wird darĂŒber entschieden, wer als PrĂ€sidentschaftskandidat der beiden Parteien antritt. US-PrĂ€sident Biden knackt bei den Demokraten nun eine entscheidende Marke.

US-PrĂ€sident Joe Biden hat Prognosen zufolge die nötige Zahl an Delegierten fĂŒr die Nominierung zum PrĂ€sidentschaftskandidaten der Demokraten erreicht. Das ergaben ZĂ€hlungen der US-Sender CNN und NBC nach Bidens Sieg bei der Vorwahl im Bundesstaat Georgia. Da Biden in seiner Partei keine ernst zu nehmende Konkurrenz hat, galt ohnehin als sicher, dass der 81-JĂ€hrige der Kandidat der Demokraten wird. Offiziell nominiert wird er bei einem Parteitag im August. 

Biden ĂŒberschritt die Marke der notwendigen 1968 Delegiertenstimmen. Aller Voraussicht nach wird er bei der Wahl am 5. November gegen den Republikaner Donald Trump antreten. Zwar hat der ehemalige US-PrĂ€sident die notwendigen Delegiertenstimmen rechnerisch noch nicht sicher. Aber auch hier gibt mangels Konkurrenz und angesichts von Trumps Siegeslauf bei den Vorwahlen keinen Zweifel, dass er die notwendigen Stimmen erreichen und von seiner Partei zum Kandidaten gekĂŒrt werden wird.

Offizielle Nominierung erst im Sommer

Wer in den Vereinigten Staaten PrĂ€sidentschaftskandidat werden will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Abstimmungen in den verschiedenen Bundesstaaten durchsetzen. Die Demokraten kĂŒren ihren Kandidaten dann offiziell im Sommer in Chicago. 

Die Delegierten mĂŒssen sich in der Regel an die Abstimmungsergebnisse bei den Vorwahlen halten und können nicht einfach einen anderen Kandidaten wĂ€hlen. Die sogenannten Superdelegierten - demokratische ParteifunktionĂ€re, die bei der Auswahl der Kandidatin mitstimmen dĂŒrfen und niemandem verpflichtet sind - dĂŒrften in diesem Jahr keine Rolle spielen. Sie können erst abstimmen, wenn die Abstimmung in eine zweite Runde gehen sollte. Das gilt als ausgeschlossen. 

Bei der Vorwahlrunde wurde bei den Demokraten und Republikanern unter anderem in den Bundesstaaten Georgia, Mississippi und Washington abgestimmt. Eine Woche zuvor hatten Biden und Trump am wichtigen Wahltag «Super Tuesday» bedeutende Gewinne eingefahren. Im Anschluss warf Trumps letzte verbliebene Kontrahentin, die Republikanerin Nikki Haley, hin.

Bei den Demokraten ist neben Biden unter anderem noch die weitgehend unbekannte Autorin Marianne Williamson im Rennen - die 71-JĂ€hrige liegt in Umfragen bei durchschnittlich knapp vier Prozent und hat bisher keine einzige Delegiertenstimme gewonnen. Der Unternehmer Jason Palmer konnte sich im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa zwar ĂŒberraschend drei Delegiertenstimmen sichern, ist aber wie Williamson kein ernsthafter Konkurrent fĂŒr Biden.

Biden und das Alter

Biden ist in seiner Partei dennoch nicht unumstritten. Der 81-JĂ€hrige ist der Ă€lteste US-PrĂ€sident aller Zeiten. Beim Start in eine zweite Amtszeit wĂ€re er 82, am Ende seiner PrĂ€sidentschaft dann 86. Sein hohes Alter ist fĂŒr ihn ein großes Problem im Wahlkampf. Biden verhaspelt sich bei Auftritten regelmĂ€ĂŸig, sucht nach Wörtern, vertauscht Zahlen oder verwechselt Personen und Orte. Sein Arzt bescheinigte ihm vor einigen Wochen, uneingeschrĂ€nkt fit fĂŒr seinen Job zu sein. Der Gesundheitscheck des Demokraten listete allerdings einige Wehwehchen wie allgemeinen «VerschleiĂŸÂ» und einen «steifen Gang» auf. 

Der Untersuchungsbericht eines Sonderermittlers in der AffĂ€re um den Fund geheimer Regierungsunterlagen in Bidens PrivatrĂ€umen zeichnete zudem ein unvorteilhaftes Bild des PrĂ€sidenten. Ermittler Robert Hur schrieb, Biden sei ein «wohlmeinender Ă€lterer Mann mit einem schlechten GedĂ€chtnis». Das Weiße Haus kritisierte den Bericht scharf und wies die darin erhobenen VorwĂŒrfe mit Blick auf Bidens Alter zurĂŒck. Aber auch Trump ist nicht mehr der JĂŒngste. Sollte der 77-JĂ€hrige noch einmal wiedergewĂ€hlt wĂŒrde, wĂ€re er mit dann 78 Jahren und sieben Monaten der Ă€lteste PrĂ€sident, der jemals ins Weiße Haus eingezogen ist.

Gaza-Krieg macht AnhĂ€nger wĂŒtend

Biden hat noch ein weiteres Problem: Bei Vorwahlen etwa in den Bundesstaaten Michigan und Minnesota wurde deutlich, dass einige WĂ€hlerinnen und WĂ€hler ihn fĂŒr seine UnterstĂŒtzung Israels im Gaza-Krieg abstrafen. Eine beachtliche Zahl an ParteianhĂ€ngern verweigerte Biden dort die Stimme und votierte bei den Vorwahlen fĂŒr «unentschieden». Die beiden Abstimmungen galten als wichtiger Stimmungstest, weil in den beiden Bundesstaaten verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viele Muslime leben. 

Doch nicht nur Muslime dĂŒrften Biden in Michigan ihre Stimme verwehrt haben. Auch jĂŒngere, linke Demokraten kritisieren den PrĂ€sidenten angesichts der vielen zivilen Opfer des israelischen MilitĂ€reinsatzes im Gazastreifen. Zwar gilt es als unwahrscheinlich, dass diese WĂ€hlergruppe bei der PrĂ€sidentenwahl allein deshalb zu den Republikanern abwandert. FĂŒr Biden könnte es aber eng werden, sollten viele WĂ€hlerinnen und WĂ€hler fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Drittkandidaten stimmen oder ganz auf eine Stimmabgabe verzichten.

@ dpa.de