Hardliner gegen Reformer: Knappes Rennen bei Iran-Wahl
29.06.2024 - 06:57:11Im Iran deutet sich Teilergebnissen zufolge ein knappes Rennen zwischen dem moderaten Politiker Massud Peseschkian und Hardliner Said Dschalili an. Nach der AuszÀhlung von rund 19 Millionen Stimmen kam Peseschkian auf etwa 43,5 Prozent, Dschalili auf 37,7 Prozent. Der amtierende ParlamentsprÀsident Mohammed Bagher Ghalibaf folgte auf dem dritten Platz mit etwa 14 Prozent der Stimmen, wie der Leiter der Wahlbehörde am Samstag im Staatsfernsehen berichtete. Der vierte Bewerber, der Geistliche Mostafa Purmohammadi, erreichte weniger als ein Prozent der Stimmen.
Rund 61 Millionen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler waren am Freitag aufgerufen, einen neuen Regierungschef zu wĂ€hlen. Die Wahllokale waren nach mehrmaliger VerlĂ€ngerung durch das Innenministerium noch bis in die spĂ€ten Abendstunden geöffnet. Sollte keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen gewinnen, geht es fĂŒr die beiden stĂ€rksten Kandidaten am 5. Juli in eine Stichwahl.
Dreikampf zwischen zwei Hardlinern und einem Reformer
Von insgesamt 80 Bewerbern hatte der sogenannte WĂ€chterrat, ein mĂ€chtiges islamisches Kontrollgremium, nur sechs als Kandidaten fĂŒr die Wahl zugelassen. Zwei zugelassene Bewerber zogen sich zurĂŒck. Unter den chancenreichen systemtreuen, erzkonservativen KrĂ€ften lieferten sich ParlamentsprĂ€sident Mohammed Bagher Ghalibaf und der Hardliner Said Dschalili eine öffentliche Fehde. Als ihr Herausforderer galt der moderate Politiker Massud Peseschkian. Er bezeichnete sich selbst als wertekonservativen Politiker, der Reformen fĂŒr nötig hĂ€lt.
Beobachter gingen davon aus, dass eine hohe Wahlbeteiligung Peseschkian in die Karten spielen könnte. Zuletzt waren vor allem AnhĂ€nger des Reformlagers Wahlen ferngeblieben. Beobachter sehen auch Vorteile fĂŒr Peseschkian, sollte es zu einer Stichwahl kommen und die Iranerinnen und Iraner die Wahl zwischen einem Konservativen und einem Reformer treffen mĂŒssen.
Wahlkampf von einem Thema dominiert
Den Glauben an groĂe innenpolitische VerĂ€nderungen haben die meisten Landesbewohner, vor allem junge Menschen, verloren. Einige Aktivisten sowie die inhaftierte FriedensnobelpreistrĂ€gerin Narges Mohammadi riefen zum Boykott der Wahl auf. Bei der jĂŒngsten Parlamentswahl im MĂ€rz hatte die Wahlbeteiligung ein Rekordtief von rund 40 Prozent erreicht. Bei PrĂ€sidentenwahlen liegt die Beteiligung traditioneller höher.
Im Wahlkampf debattierten die Kandidaten vor allem ĂŒber Wege, die enorme Wirtschaftskrise im Land zu bewĂ€ltigen. Der Iran ist wegen seines umstrittenen Atomprogramms mit internationalen Sanktionen belegt und vom weltweiten Finanzsystem weitgehend abgeschnitten. Das Land benötigt Investitionen in Milliardenhöhe.
Irans politisches System vereint seit der Revolution von 1979 republikanische und auch theokratische ZĂŒge. Freie Wahlen gibt es jedoch nicht: Das Kontrollgremium des WĂ€chterrats prĂŒft Kandidaten stets auf ihre Eignung. Eine grundsĂ€tzliche Kritik am System wird nicht geduldet, wie die Niederschlagung von Protesten in den vergangenen Jahren zeigte.
Der PrĂ€sident hat im Iran als Regierungsoberhaupt nur eingeschrĂ€nkte Macht. Staatsoberhaupt ist der 85 Jahre alte ReligionsfĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei, der in allen strategischen Belangen das letzte Wort hat.





