Stichwahl, Fernando Villavicencio

PrÀsidentenwahl in Ecuador: Stichwahl zeichnet sich ab

21.08.2023 - 05:24:18

Bei der PrÀsidentenwahl in Ecuador zeichnet sich ersten Prognosen zufolge eine Stichwahl zwischen der Linkspolitikerin Luisa Gonzålez und dem Bananen-Unternehmer Daniel Noboa ab.

Überschattet von dem Mord an einem Kandidaten und unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat Ecuador ĂŒber einen neuen PrĂ€sidenten abgestimmt.

Ersten Prognosen vom Sonntagabend (Ortszeit) zufolge lag die Linkspolitikerin Luisa Gonzålez aus dem Lager des wegen Korruption verurteilten Ex-PrÀsidenten Rafael Correa (2007 bis 2017) vorn, gefolgt von dem Bananen-Unternehmer Daniel Noboa und dem Journalisten Christian Zurita.

Es zeichnete sich aber schon eine Stichwahl zwischen Gonzålez und Noboa ab, die am 15. Oktober ansteht, sollte keiner der PrÀsidentschaftskandidaten auf die absolute Mehrheit oder mindestens 40 Prozent der Stimmen mit zehn Prozentpunkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten kommen.

Ecuador leidet unter einer Welle der Gewalt

Insgesamt bewarben sich acht Kandidaten um das höchste Amt in dem von einer Welle der Gewalt erschĂŒtterten Land zwischen den Koka-Anbau-LĂ€ndern Peru und Kolumbien. Der deutschstĂ€mmige frĂŒhere VizeprĂ€sident Otto Sonnenholzner erkannte frĂŒh seine Niederlage an. Neben dem Staatsoberhaupt standen auch die Abgeordneten der Nationalversammlung des 17 Millionen-Einwohner-Landes zur Wahl. Zudem standen zwei Volksentscheide zu Ölförderung im Amazonasgebiet und Bergbau in den NebelwĂ€ldern in der NĂ€he von Quito zur Abstimmung.

Der Tag der Demokratie sei dank der gemeinsamen Arbeit der StreitkrĂ€fte und der Polizei sowie mehr als 40.000 Wahlhelfern völlig ruhig und in Frieden abgelaufen, sagte die Vorsitzende der Wahlbehörde des sĂŒdamerikanischen Landes, Diana Atamaint, zum Start der AuszĂ€hlung am Sonntagabend.

«Es herrscht ein Klima der Angst»

Rund zehn Tage nach der Ermordung des Oppositionskandidaten Fernando Villavicencio war die Lage zwar ruhig, aber sehr angespannt, wie der politische Analyst AndrĂ©s GonzĂĄlez der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Die Wahlen sind jetzt plötzlich eine gefĂ€hrliche Veranstaltung, es herrscht ein Klima der Angst. FĂŒr uns ist diese Situation fremd. Es war noch nie so, dass man sich fĂŒrchten musste, wenn man in ein Wahllokal geht.»

WĂ€hlende wĂŒrden sich unsicher umschauen, verdĂ€chtige Autos kontrolliert. Kandidaten gingen mit kugelsicheren Westen und umringt von SicherheitskrĂ€ften zum WĂ€hlen, das MilitĂ€r zeigte mit Zehntausenden Soldaten in den Straßen und in Wahllokalen verstĂ€rkte PrĂ€senz.

Oppositionspolitiker wurde erschossen

Der Oppositionspolitiker Villavicencio, dessen Name immer noch auf den Wahlzetteln stand, war vor eineinhalb Wochen nach einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Quito erschossen worden. Die Regierung machte das organisierte Verbrechen fĂŒr die Tat verantwortlich.

Die Partei Construye (Baue) prĂ€sentierte den Journalisten Zurita als neuen Kandidaten. Ecuador dient als Transitland fĂŒr Kokain, Verbrechersyndikate kĂ€mpfen um die Routen fĂŒr den Drogenhandel. Villavicencio hatte angekĂŒndigt, hart gegen Korruption und KriminalitĂ€t durchzugreifen.

Die vorgezogenen PrĂ€sidenten- und Parlamentswahlen waren notwendig geworden, weil der konservative Staatschef Guillermo Lasso inmitten eines Amtsenthebungsverfahrens wegen mutmaßlicher Unterschlagung gegen ihn die Nationalversammlung aufgelöst hatte.

Die Wahlbehörde wies Berichte zurĂŒck, wonach die Plattform fĂŒr die Stimmabgabe aus dem Ausland gehackt worden sei. Unerlaubte Zugriffsversuche auf die Plattform seien blockiert worden, teilte die Behörde mit. Der Vorsitzenden der Behörde, Atamaint, zufolge kamen die Angriffe unter anderem aus Indien, China und Russland.

@ dpa.de