Stichwahl in der TĂŒrkei geht in die heiĂe Phase
27.05.2023 - 17:00:36Vor der entscheidenden Stichwahl um das PrĂ€sidentenamt in der TĂŒrkei haben PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan und sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu ihre AnhĂ€nger zur Stimmabgabe aufgerufen.
Erdogan forderte bei einer Rede im Istanbul, die Menschen sollten schon in den frĂŒhen Morgenstunden wĂ€hlen gehen und andere ĂŒberzeugen, abzustimmen. Seine Allianz aus Nationalisten, Islamisten und Konservativen werde einen «historischen Sieg» einfahren, sagte er. Sein Herausforderer Kilicdaroglu forderte «diejenigen, die ihr Heimatland lieben» dazu auf, «die Wahlurnen zu schĂŒtzen.»
Bei der ersten Runde der PrĂ€sidentenwahl vor zwei Wochen hatte die Wahlbeteiligung mit rund 87 Prozent bereits historisch hoch gelegen. Erdogan verpasste die absolute Mehrheit nur knapp und lag rund 4,7 Prozentpunkte vor seinem Herausforderer Kilicdaroglu. Die beiden mĂŒssen am Sonntag in einer Stichwahl gegeneinander antreten.
Abstimmung wird aufmerksam beobachtet
Im Parlament konnte das RegierungsbĂŒndnis Erdogans vorlĂ€ufigen Daten zufolge die Mehrheit halten. Internationale Wahlbeobachter bemĂ€ngelten einen unfairen Wahlkampf und mangelnde Transparenz bei der Abstimmung.
Auch international wird die Abstimmung aufmerksam beobachtet. Die TĂŒrkei ist Nato-Mitglied, EU-Beitrittskandidat und beherbergt Millionen geflĂŒchtete Menschen aus Syrien. Im Ukraine-Krieg unterhĂ€lt sie sowohl zu Kiew als auch zu Moskau gute Beziehungen.
OppositionsfĂŒhrer Kilicdaroglu tritt fĂŒr ein breites BĂŒndnis aus sechs Parteien an. Er verspricht, das Land zu demokratisieren. Die prokurdische HDP rief ihre WĂ€hler zudem auf, Kilicdaroglu zu unterstĂŒtzen.
Bestimmendes Thema vor der zweiten Runde war neben der kriselnden Wirtschaft das Thema Migration. Erdogan und Kilicdaroglu sicherten sich inzwischen die UnterstĂŒtzung von rechtsnationalen Politikern.
Drittplatzierter unterstĂŒtzt Erdogan
Der Drittplatzierte Sinan Ogan etwa unterstĂŒtzt in der zweiten Runde Erdogan. Kilicdaroglu wiederum hatte am Mittwoch mit Ămit Ăzdag, dem Chef der rechten Siegespartei, eine ErklĂ€rung unterschrieben, in der es heiĂt, man habe sich auf die RĂŒcksendung «aller FlĂŒchtlinge und Illegalen» innerhalb eines Jahres geeinigt.
Bei den Parlamentswahlen vor zwei Wochen erhielt Ăzdags Partei vorlĂ€ufigen Zahlen zufolge 2,2 Prozent der Stimmen. Die Vereinbarung sorgte selbst in Kilicdaroglus Allianz fĂŒr Unmut. Kilicdaroglu hatte zwar schon zuvor, die RĂŒckfĂŒhrung von FlĂŒchtlingen versprochen, verschĂ€rfte seinen Ton aber nun deutlich.
Opposition könnten weitere Repressionen drohen
Sollte Erdogan wiedergewĂ€hlt werden, stellt sich die Frage, wie er die wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommen will. AuĂenpolitisch wird Erdogan voraussichtlich seine AnnĂ€herungspolitik in der Region fortsetzen. Die Beziehungen zu der EU und den USA bleiben wohl angespannt. Er wird aber auch auf Europa zugehen mĂŒssen, denn er benötigt dringend Investitionen. Der Opposition drohen bei einer Niederlage womöglich weitere Repressionen.
Rund 61 Millionen Menschen sind zur Stimmabgabe aufgerufen. TĂŒrkische StaatsbĂŒrger in Deutschland stimmten bereits ab. Die Wahllokale in der TĂŒrkei öffnen um 7.00 Uhr (MESZ) und schlieĂen um 16.00 Uhr (MESZ). Erste Teilergebnisse, die zunĂ€chst wenig Aussagekraft haben, werden noch am Abend erwartet.





