Grenzstreit: Venezuelas Maduro ordnet MilitĂ€rĂŒbung an
28.12.2023 - 23:42:56Venezuelas PrĂ€sident Nicolas Maduro hat im Streit mit dem Nachbarland Guyana um die ölreiche Region Essequibo als Reaktion auf ein von GroĂbritannien entsandtes Kriegsschiff eine MilitĂ€rĂŒbung angeordnet.
Mehr als 5600 Angehörige der StreitkrĂ€fte sollten vor der OstkĂŒste des Landes nahe der Grenze zu Guyana eine «defensive» Ăbung abhalten, sagte Maduro in einer Fernsehansprache. Die Ăbung sei eine Antwort «auf die Provokation und Bedrohung des Vereinigten Königreichs gegen den Frieden und die SouverĂ€nitĂ€t unseres Landes», sagte Maduro.
Hintergrund des Konflikts
Hintergrund ist ein Streit um die Region Essequibo im Westen Guyanas. Venezuela erhebt seit langem Anspruch auf das rohstoffreiche Gebiet, das etwa zwei Drittel des Nachbarlandes umfasst. Am 3. Dezember lieĂ Maduro in Venezuela ein umstrittenes Referendum abhalten, bei dem sich nach offiziellen Angaben 96 Prozent der Teilnehmer fĂŒr den Anschluss von «Guayana Esequiba» als venezolanischem Bundesstaat aussprachen. Dies lieĂ BefĂŒrchtungen aufkommen, dass Venezuela in der Region einmarschieren und einen Krieg auslösen könnte.
Britischen Medien zufolge hat GroĂbritannien in den vergangenen Tagen ein Kriegsschiff nach Guyana entsandt als Zeichen der UnterstĂŒtzung des Commonwealth-Staates. Das Patrouillenschiff «HMS Trent» der Royal Navy werde den regionalen VerbĂŒndeten und Commonwealth-Partner Guyana besuchen, hieĂ es unter Berufung auf das britische Verteidigungsministerium. Das venezolanische AuĂenministerium bezeichnete das Schiff am Donnerstag als «Bedrohung» fĂŒr den Frieden und die StabilitĂ€t der Region.
KrisengesprÀch vor zwei Wochen
Erst vor zwei Wochen hatten sich die PrĂ€sidenten von Venezuela und Guyana zu einem KrisengesprĂ€ch getroffen und einen Gewaltverzicht vereinbart. Jegliche Kontroverse um das von Venezuela beanspruchte Gebiet in Guyana solle im Einklang mit dem internationalen Recht einschlieĂlich eines Abkommens mit dem Vereinigten Königreich von 1966 ĂŒber die damalige Kolonie Britisch-Guayana geklĂ€rt werden, hieĂ es in der gemeinsamen ErklĂ€rung.
Die derzeitigen Grenzen wurden 1899 in einem Schiedsspruch eines Tribunals in Paris festgelegt, den die USA und GroĂbritannien veranlasst hatten. Venezuela beruft sich auf ein Abkommen mit dem Vereinigten Königreich von 1966 - wenige Monate, bevor die damalige Kolonie Britisch-Guayana unabhĂ€ngig wurde. Dieses sah eine Verhandlungslösung des Disputs vor. Der Internationale Gerichtshof (IGH) befasst sich auf Antrag Guyanas mit dem Fall, Venezuela lehnt dessen ZustĂ€ndigkeit jedoch ab.
Vor Guyanas KĂŒste wurden 2015 immense Ălvorkommen entdeckt. Das bescherte dem englischsprachigen Land - bislang eines der Ă€rmsten SĂŒdamerikas - mittlerweile das weltweit gröĂte Wirtschaftswachstum.


