Verhandlungen ĂŒber Gaza-Abkommen gehen in Rom weiter
27.07.2024 - 05:00:40 | dpa.deDie USA drĂ€ngen Israel zu einem raschen Abschluss eines Waffenruhe- und Geiselabkommens im Gaza-Krieg - die derzeit stockenden Verhandlungen darĂŒber sollen am Sonntag in Rom weitergehen. «Ich hoffe, dass wir eine Einigung erzielen werden», sagte der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu am Freitag (Ortszeit) nach einem GesprĂ€ch mit Ex-US-PrĂ€sident Donald Trump. Allerdings hatte Netanjahu zuletzt zusĂ€tzliche Forderungen erhoben, so dass unklar ist, ob seine Delegation bei den indirekten GesprĂ€chen mit der islamistischen Hamas den nötigen Verhandlungsspielraum haben wird.Â
Die USA, Katar und Ăgypten vermitteln bei den indirekten GesprĂ€chen zwischen Israel und der Hamas. US-PrĂ€sident Joe Biden und seine Vize Kamala Harris hatten Netanjahu auf dessen US-Reise am Donnerstag bei GesprĂ€chen zum raschen Abschluss eines Waffenruhe- und Geiselabkommens gedrĂ€ngt. Die beiden Demokraten forderten Netanjahu zudem auf, mehr fĂŒr den Schutz der notleidenden Bevölkerung im Gazastreifen zu tun. Das VerhĂ€ltnis zwischen Biden und Netanjahu war zuletzt frostig.Â
Nach Ansicht der Vermittler, aber auch israelischer Verhandlungsteilnehmer, stellen Netanjahus Zusatzforderungen ein schwer ĂŒberwindbares Hindernis fĂŒr eine Einigung dar. Der israelische Regierungschef will unter anderem durchsetzen, dass israelische Truppen lĂ€nger an strategischen Stellen des abgeriegelten KĂŒstengebiets prĂ€sent sein dĂŒrfen. Die Hamas lehnt diese Forderungen ab und besteht auf einen - wie in einem Plan von US-PrĂ€sident Joe Biden vorgesehen - vollstĂ€ndigen Abzug der israelischen Truppen.
US-Regierungsvertreter: Einigung in Reichweite
Aus amerikanischer Sicht liegt eine Einigung dennoch in Reichweite, es mĂŒssten nur noch die «letzten Differenzen» ausgerĂ€umt werden, teilten hohe US-Regierungsvertreter mehrfach mit. Aber selbst nach der dreistĂŒndigen Unterredung am Donnerstag im WeiĂen Haus sei fĂŒr Biden und seine Berater unklar geblieben, ob Netanjahu ĂŒberhaupt ein Abkommen wolle, schrieb der israelische Journalist Barak Ravid im US-Portal «Axios» - oder ob Netanjahu ein solches hinauszögere, um das Platzen seiner Regierungskoalition mit rechtsextremen Parteien zu vermeiden. Die israelischen Verhandler wĂŒrden jedenfalls auf keinen Durchbruch hoffen.Â
Zu dem Treffen in Rom sollen nach israelischen Medienberichten der Leiter des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, Katars MinisterprÀsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani und der Àgyptische Geheimdienstminister Abbas Kamel kommen. Der gut vernetzte Journalist Ravid schrieb auf «Axios» unter Berufung auf israelische und amerikanische Regierungsbeamte, CIA-Direktor William Burns werde sich in Rom mit israelischen, katarischen und Àgyptischen Verhandlern treffen.
Netanjahu kĂŒndigte an, er werde Anfang der Woche ein Team entsenden. Die Zeit werde zeigen, ob es zu einem Deal kommen werde. «Wir sind auf jeden Fall sehr daran interessiert, und wir arbeiten darauf hin», zitierten US-Medien den israelischen Regierungschef.Â
Bidens Mehr-Stufen-Plan
Im Mittelpunkt steht ein Mehr-Stufen-Plan Bidens aus dem Mai. Die erste Phase sieht eine Waffenruhe von rund sechs Wochen vor. In diesem Zeitraum wĂŒrde eine bestimmte Gruppe von Geiseln freigelassen. Die Hamas hat nach israelischer ZĂ€hlung 115 von ihnen in ihrer Gewalt, von denen aber viele nicht mehr am Leben sein dĂŒrften. Im Gegenzug wĂŒrden PalĂ€stinenser freikommen, die in Israel inhaftiert sind. In der nĂ€chsten Phase wĂŒrden die KĂ€mpfe dann dauerhaft eingestellt und die verbliebenen Geiseln freigelassen. In einer letzten Phase soll dem Entwurf zufolge der Wiederaufbau des Gazastreifens beginnen.
Mehr NĂ€he zu Trump
WĂ€hrend seine GesprĂ€che mit Biden und vor allem mit Harris als spannungsgeladen beschrieben wurden, dĂŒrfte Netanjahu mit Trump einen Politiker getroffen haben, der ihm nĂ€her steht. Nach Angaben von Trumps Wahlkampfteam versprach der Republikaner seinem Gast in Florida, sich im Falle seiner Wiederwahl mit aller Kraft fĂŒr Frieden im Nahen Osten einzusetzen und den Antisemitismus an US-UniversitĂ€ten zu bekĂ€mpfen. Ăber Harris sagte Trump, sie sei «respektlos gegenĂŒber Israel» gewesen. Die US-VizeprĂ€sidentin hatte nach dem Treffen mit Netanjahu gesagt: «Wir können angesichts dieser Tragödien nicht wegschauen. Wir können es uns nicht erlauben, angesichts des Leids gefĂŒhllos zu werden, und ich werde nicht schweigen.»
Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Dabei töteten die Angreifer mehr als 1.200 Menschen und verschleppten weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen. Israel reagierte mit massiven Angriffen im abgeriegelten KĂŒstengebiet und setzte sich zum Ziel, die Hamas ein fĂŒr alle Mal zu zerschlagen.Â
Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer, der katastrophalen humanitÀren Lage und der verheerenden Zerstörungen im Gazastreifen steht Israel international immer stÀrker in der Kritik. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde vom Freitag wurden seit Kriegsbeginn mindestens 39.175 PalÀstinenser getötet und mehr als 90.000 verletzt. Die Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und KÀmpfern und lassen sich nicht unabhÀngig verifizieren.
PalĂ€stinenserhelfer sehen sich von Israel angegriffenÂ
Das Leid in Gaza war am Freitag auch Gegenstand einer Anhörung im UN-Sicherheitsrat in New York. «Gaza liegt in TrĂŒmmern, die Gefahr eines gröĂeren regionalen Krieges zeichnet sich ab», sagte die stellvertretende Leiterin des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA, Antonia Marie De Meo. Gleichzeitig sei ihre Organisation beispiellosen Angriffen seitens Israels ausgesetzt. «Unser Handlungsspielraum in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten wird von Tag zu Tag kleiner», sagte De Meo. Sie forderte den Weltsicherheitsrat auf, zu handeln. Die israelische Regierung wirft dem PalĂ€stinenserhilfswerk vor, im Gazastreifen von der Hamas unterwandert zu sein.
Huthi-Sender: USA und GroĂbritannien greifen Flughafen im Jemen an
Derweil griffen die USA und GroĂbritannien dem Huthi-nahen Fernsehsender Al-Masirah zufolge den von der Miliz kontrollierten Flughafen in der jemenitischen Hafenstadt Hudaida an. «US-amerikanisch-britische StreitkrĂ€fte haben einen Angriff auf den internationalen Flughafen von Hudaida ausgefĂŒhrt», teilte der Sender mit. Vonseiten der USA und GroĂbritanniens gab es dazu zunĂ€chst keine Stellungnahme. Die Huthi hatten in den vergangenen Monaten wiederholt Handelsschiffe im Roten Meer angegriffen. Damit wollen sie ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen.
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