Selenskyj, Sumy

Selenskyj wirbt in Sumy fĂŒr «Siegesplan» gegen Russland

05.10.2024 - 04:58:36

Bei seiner US-Reise hatte der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj unlĂ€ngst seinen «Siegesplan» im russischen Angriffskrieg vorgestellt. Nun wirbt er dafĂŒr in der Heimat – nahe der Front in Sumy.

  • Die Region Sumy im Nordosten der Ukraine an der Grenze zu Russland ist besonders stark von Angriffen der Moskauer Truppen betroffen. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Selenskyj dankte den Menschen in der Region Sumy fĂŒr die Verteidigung des Gebiets gegen den russischen Angriffskrieg. (Archivbild) - Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press via AP/dpa

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  • Die Ukraine und Russland haben schon mehrfach Kriegsgefangene ausgetauscht. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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Die Region Sumy im Nordosten der Ukraine an der Grenze zu Russland ist besonders stark von Angriffen der Moskauer Truppen betroffen. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaSelenskyj dankte den Menschen in der Region Sumy fĂŒr die Verteidigung des Gebiets gegen den russischen Angriffskrieg. (Archivbild) - Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press via AP/dpaDie Ukraine und Russland haben schon mehrfach Kriegsgefangene ausgetauscht. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat bei einem Besuch in FrontnĂ€he in der Grenzregion Sumy im Nordosten des Landes bei GesprĂ€chen mit Bewohnern und MilitĂ€rs fĂŒr seinen «Siegesplan» im russischen Angriffskrieg geworben. «Der Plan besteht darin, Russland dazu zu zwingen, den Krieg auf diplomatischem Weg zu beenden», sagte Selenskyj einer Mitteilung des PrĂ€sidentenamtes zufolge in Sumy. DafĂŒr brauche das Land eine starke Position, um Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Die Region Sumy wird aus russischer Nachbarschaft immer wieder besonders stark beschossen, weil Moskau dort den ukrainischen Truppenaufmarsch und Gegenangriffe verhindern will. Selenskyj dankte den Menschen dort, dass sie das fĂŒr die Ukraine wichtige Gebiet vor einer russischen Besatzung bewahrten. «Nun mĂŒssen wir zusammenstehen, um alles zu verteidigen», sagte Selenskyj mit Blick auf die andauernden Angriffe von russischer Seite.

Details zu seinem «Siegesplan», den Selenskyj Ende September auch US-PrĂ€sident Joe Biden prĂ€sentiert hatte, gab das PrĂ€sidentenamt in Kiew zunĂ€chst einmal nicht bekannt. Klar ist aber, dass Selenskyj von den westlichen VerbĂŒndeten etwa die Freigabe von Waffen mit hoher Reichweite erwartet, um damit militĂ€rische Ziele auch im russischen Hinterland anzugreifen.

«Es gibt Entscheidungen, um die Region und andere grenznahe Gebiete zu unterstĂŒtzen», sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Er beriet sich demnach dort auch mit der MilitĂ€rspitze und dem Energieminister. Dabei sei es vor allem um Flugabwehr und den Schutz von Energieanlagen gegangen. Einzelheiten waren zunĂ€chst nicht bekannt.

Orden fĂŒr Ukrainer und Lob fĂŒr Kursk-Operation

Teil des Besuchs waren Ordensverleihungen an Soldaten der im benachbarten russischen Gebiet Kursk eingesetzten 82. Brigade. «Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass die Kursker Operation eine reale strategische Sache ist, welche die Partner motiviert, der Ukraine beizustehen», betonte Selenskyj. Der Druck auf Russland sei nötig, um den Krieg «gerecht» zu beenden. 

Angesichts der im Raum Kursk besetzten russischen Orte und FlĂ€chen hofft Selenskyj, Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen. Die russische FĂŒhrung hatte das zurĂŒckgewiesen und eine baldige Befreiung der Region angekĂŒndigt.

Das Gebiet Sumy wird insbesondere nach dem ukrainischen Vorstoß von Anfang August in die benachbarte russische Grenzregion Kursk tĂ€glich bombardiert und mit Drohnen angegriffen. Nach Angaben der MilitĂ€rverwaltung von Sumy wurde die Region auch am Freitag im Tagesverlauf rund 50 Mal von den Russen beschossen. Es seien 84 Explosionen registriert worden. Ein Mensch wurde den Angaben zufolge verletzt. Die Ukraine wehrt sich seit zweieinhalb Jahren gegen die russische Invasion, die Kremlchef Wladimir Putin im Februar 2022 begonnen hatte.

Erneute Drohnenangriffe auf russisches Gebiet Woronesch

Russische Behörden meldeten in der Nacht erneut ukrainische Drohnenangriffe auf das Gebiet Woronesch im SĂŒdwesten Russlands nahe der Grenze zur Ukraine. Einige Drohnen hĂ€tten auf Unternehmen gezielt, die zivile Produkte herstellen, teilte Gouverneur Alexander Gussew bei Telegram mit. In einem der angegriffenen Unternehmen sei ein Mann verletzt worden, in einem GebĂ€ude sei Feuer ausgebrochen. In einem weiteren Unternehmen, das unter Beschuss geraten war, habe es weder SchĂ€den noch Verletzte gegeben, so Gussew. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.

Westliche Beamte: keine Aussicht auf Verhandlungen

Westliche Regierungsbeamte sehen «in naher Zukunft» keine Aussicht auf Verhandlungen in der Ukraine. «Wir sehen keine Anzeichen dafĂŒr, dass PrĂ€sident Putin von seinem Hauptziel, der Unterwerfung der SouverĂ€nitĂ€t der Ukraine, abrĂŒckt», hieß es bei einem HintergrundgesprĂ€ch fĂŒr Journalisten in einer westlichen Metropole. Es sei auch unwahrscheinlich, dass die Ukraine die jĂŒngsten Erfolge Russlands in der Ostukraine rĂŒckgĂ€ngig machen könne.

Moskau werde vermutlich in den kommenden Wochen versuchen, in der Umgebung der gerade eroberten strategisch wichtigen Stadt Wuhledar weiter an Boden zu gewinnen. Allerdings sei Russland nicht in der Lage, «aus diesen Erfolgen grundsĂ€tzlich Kapital zu schlagen», hieß es. «Wir werden keinen plötzlichen Durchbruch und einen schnellen Vorstoß von Russland nach Westen erleben. Es wird einfach weiterhin dieses langsame, mĂŒhsame Vorgehen sein.»

Im vergangenen Monat habe die Ukraine mit Angriffen auf MilitĂ€rlager in Russland etwa 100.000 Tonnen Munition zerstört sowie den «grĂ¶ĂŸten Verlust an Munition aus nordkoreanischer Lieferung» seit Kriegsbeginn verzeichnet, hieß es. ÜberprĂŒfbar von unabhĂ€ngiger Seite sind die Angaben nicht.

Bericht ĂŒber Protest ukrainischer Soldaten

In Wosnessensk im sĂŒdukrainischen Gebiet Mykolajiw haben einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nach knapp 100 Soldaten eine Protestversammlung abgehalten. Die Soldaten beklagten eine unzureichende Ausbildung und fehlende Waffen. Daher verweigerten sie die Befehle und verließen ihre Kaserne, hieß es. Die Einheit sollte demnĂ€chst in das Kampfgebiet im ostukrainischen Donbassgebiet verlegt werden.

Nach offiziell nicht bestĂ€tigten Informationen soll es sich um das 187. Bataillon der 123. Territorialverteidigungsbrigade handeln. Das 186. Bataillon dieser Brigade hatte sich nach inoffiziellen Angaben vorher bei Wuhledar von der Front abgesetzt, wodurch die Russen durchbrechen konnten und die Stadt fiel. Der Bataillonskommandeur soll sich erschossen haben und soll an diesem Samstag im Gebiet Mykolajiw beigesetzt werden. Eine offizielle BestĂ€tigung dafĂŒr gab es nicht.

Kiew meldet viele getötete ukrainische Gefangene

In Kiew berichtete ein leitender Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft im Fernsehen von fast 100 ukrainischen Kriegsgefangenen, die von russischer Seite getötet worden seien, die meisten von ihnen in diesem Jahr. «Aktuell haben wir Informationen ĂŒber den Tod von 93 unserer KĂ€mpfer, die auf dem Schlachtfeld hingerichtet wurden», zitierte die staatliche ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform den Leiter der Kriegsabteilung der Generalstaatsanwaltschaft, Jurij Beloussow.

Der Staatsanwalt beklagte, dass sich der Umgang der russischen StreitkrĂ€fte mit den ukrainischen Gefangenen seit November vorigen Jahres zunehmend verschlechtert habe. Zwar hat es schon zahlreiche Gefangenenaustausche zwischen Moskau und Kiew gegeben. Immer wieder gibt es aber auch Berichte ĂŒber die Tötung von Kriegsgefangenen.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hatte erst am Mittwoch berichtet, das russische MilitĂ€r habe 16 ukrainische Kriegsgefangene im Gebiet Donezk getötet. Generalstaatsanwalt Andrij Kostin sprach vom bisher grĂ¶ĂŸten bekannten Massenmord an ukrainischen Kriegsgefangenen an der Frontlinie.

@ dpa.de