Israels Premier Netanjahu: «Wir mĂŒssen die Hamas zerstören»
10.11.2023 - 04:16:41Israel stellt sich auf einen langen Krieg gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen ein. Die StreitkrĂ€fte seien bereit, die Auseinandersetzung mit der von der EU, den USA und Israel als Terrorgruppe eingestuften Organisation auch jahrelang zu fĂŒhren, sagte Verteidigungsminister Joav Galant am Donnerstag. Die Armee werde alle an dem Massaker vom 7. Oktober in Israel Beteiligten finden. «Egal ob es eine Woche, einen Monat, ein Jahr und gegebenenfalls sogar Jahre dauert.»
Er sprach sich auch gegen einen Kompromiss mit der Hamas und anderen extremistischen Gruppen im Gazastreifen aus, denn diese hĂ€tten den israelischen BĂŒrgern Schaden zugefĂŒgt und sie ermordet. «Wir werden sie alle eliminieren.»
Der Iran warnte unterdessen vor einer Ausweitung des Gaza-Krieges auf die ganze Region. «Wegen der massiven Ausweitung des Kriegs gegen zivile Bewohner Gazas ist die Ausweitung des KriegsausmaĂes nun unvermeidlich», sagte der iranische AuĂenminister Hussein Amirabdollahian. Israel ist seit der Revolution von 1979 der erklĂ€rte Erzfeind Teherans.
Israel will Zivilisten sichere Passage aus Kampfzone ermöglichen
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will Zivilisten weiter eine sichere Flucht aus dem Kampfgebiet im abgeriegelten Gazastreifens gewĂ€hren. «Die KĂ€mpfe gegen die Hamas, die Hamas-Terroristen, gehen weiter, aber wir wollen an bestimmten Orten fĂŒr einen bestimmten Zeitraum, ein paar Stunden hier, ein paar Stunden dort, eine sichere Passage von Zivilisten aus der Kampfzone ermöglichen. Und das machen wir auch», sagte er dem US-Sender Fox News. Zuvor hatte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, in Washington mitgeteilt, Israel habe tĂ€glichen, vierstĂŒndigen humanitĂ€ren Pausen im nördlichen Teil des Gazastreifens zugestimmt.
Netanjahu: «Wir mĂŒssen die Hamas zerstören»
MinisterprĂ€sident Netanjahu sagte weiter, Israel wolle nicht versuchen, den Gazastreifen zu erobern, zu regieren oder zu besetzen. «Aber wir wollen ihm und uns eine bessere Zukunft im gesamten Nahen Osten geben. Und dazu muss die Hamas besiegt werden.» Er habe keinen Zeitplan festgelegt, «denn es kann mehr Zeit in Anspruch nehmen», sagte Netanjahu. «Wir mĂŒssen die Hamas zerstören, nicht nur um unseretwillen, sondern um der Menschen willen. Um der Zivilisation willen, um der PalĂ€stinenser und Israelis gleichermaĂen willen.» Der Gazastreifen mĂŒsse entmilitarisiert, entradikalisiert und wiederaufgebaut werden.
MilitÀr: 9500 Geschosse seit Kriegsbeginn Richtung Israel gefeuert
Seit Beginn des Gaza-Kriegs wurden nach Angaben der israelischen StreitkrĂ€fte 9500 Raketen und Mörsergranaten sowie Dutzende Drohnen Richtung Israel abgeschossen. Seit den BodeneinsĂ€tzen im Gazastreifen sei die Zahl der AbschĂŒsse aber deutlich zurĂŒckgegangen, teilte das MilitĂ€r mit. Ob auch Geschosse aus dem Libanon, aus dem Jemen und Syrien mitgezĂ€hlt wurden, teilte die Armee nicht explizit mit. Zwölf Prozent aller Geschosse landeten demnach im Gazastreifen selbst, der von der islamistischen Hamas kontrolliert wird. Rund 900 seien von zivilen Standorten, darunter Moscheen, Schulen und KrankenhĂ€user, aus abgefeuert worden.
Israel fÀngt erstmals Rakete mit neuem Abwehrsystem Arrow 3 ab
Die israelische StreitkrÀfte setzten ihr neues Raketenabwehrsystem Arrow 3 erstmals erfolgreich ein. Im Bereich des Roten Meeres sei ein auf Israel abgefeuertes Objekt abgefangen worden, teilte das israelische Verteidigungsministerium mit. Zuvor hatten die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen angegeben, Israel mit Raketen angegriffen zu haben. Ob es sich bei dem mit dem System Arrow 3 abgefangenen Flugkörper um eine Rakete der Huthi-Rebellen handelte, war zunÀchst unklar. «Die Arrow-Rakete hat eine Bedrohung abgefangen, die weit weg vom Staat Israel unterwegs war», sagte MilitÀrsprecher Daniel Hagari. «Wir haben eine Boden-Boden-Rakete abgefangen, die in unsere Richtung abgeschossen wurde.»
PalÀstinenser: 14 Tote bei israelischem MilitÀreinsatz in Dschenin
Bei einem israelischen MilitĂ€reinsatz in Dschenin im Westjordanland wurden nach palĂ€stinensischen Angaben mindestens 14 Menschen getötet. Mehr als 20 weitere seien verletzt worden, teilte das palĂ€stinensische Gesundheitsministerium mit. Die israelischen StreitkrĂ€fte erklĂ€rten, eine Drohne habe wĂ€hrend des Einsatzes Terroristen im FlĂŒchtlingsviertel in Dschenin angegriffen. Diese hĂ€tten auf die Soldaten geschossen und SprengsĂ€tze geworfen. Mit schwerem GerĂ€t zerstörten die Truppen demnach Dutzende versteckte SprengsĂ€tze. Die Armee meldete zehn getötete PalĂ€stinenser. Zudem seien 20 VerdĂ€chtige, darunter Mitglieder des Islamischen Dschihad, festgenommen worden. Auch Waffen hĂ€tten die EinsatzkrĂ€fte entdeckt.
Was am Freitag wichtig wird
AuĂenministerin Annalena Baerbock bricht zu einer weiteren Reihe von KrisengesprĂ€chen im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg in den Nahen Osten auf. Geplante Stationen der Reise sind nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und Israel. Die GrĂŒnen-Politikerin wollte am Freitag zunĂ€chst nach Abu Dhabi fliegen. Noch im Laufe des Tages solle es weiter in die saudi-arabische Hauptstadt Riad gehen.
Am Samstag steht die Weiterreise nach Israel auf dem Programm. Baerbock besucht Israel bereits zum dritten Mal seit Beginn der Terrorattacken der islamistischen Hamas auf das Land am 7. Oktober. Aus dem AuswĂ€rtigen Amt hieĂ es, im Zentrum der GesprĂ€che stĂŒnden unter anderem die Freilassung der deutschen Geiseln, die dramatische humanitĂ€re Lage in Gaza und die deutschen BemĂŒhungen um die Verhinderung eines regionalen FlĂ€chenbrands.
Zudem berĂ€t der UN-Sicherheitsrat am Freitag erneut ĂŒber die Lage im Nahen Osten.


