Bericht, Israels

Bericht: Israels Armee erhielt vor 7. Oktober Warnungen

18.06.2024 - 12:44:52 | dpa.de

Es war das schlimmste Massaker an Juden seit dem Holocaust. Tragischerweise gab es vor dem 7. Oktober deutliche Warnungen vor den Hamas-PlÀnen, die offenbar ignoriert wurden.

Menschen besuchen den Ort, an dem am 7. Oktober 2023 bei dem Terrorangriff der Hamas auf das Nova-Musikfestival hunderte Feiernde getötet und entfĂŒhrt wurden. - Foto: Oded Balilty/AP/dpa

Mehr als zwei Wochen vor dem Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober gab es laut einem Medienbericht deutliche Warnungen des MilitÀrgeheimdienstes. Der öffentlich-rechtliche Kan-Sender berichtete, PlÀne der islamistischen Hamas, MilitÀrbasen und zivile Ortschaften im Grenzgebiet anzugreifen, seien bekannt gewesen.

Soldaten der angesehene Elite-Geheimdiensteinheit 8200 hĂ€tten in einem am 19. September 2023 innerhalb der Gaza-Division verbreiteten Brief das Training der Hamas fĂŒr ein Eindringen in MilitĂ€reinrichtungen beschrieben. Auch vor PlĂ€nen der Hamas, 200 bis 250 Israelis zu entfĂŒhren, darunter Frauen und Kinder, sei gewarnt worden. Die Warnungen seien jedoch von den Vorgesetzten ignoriert worden. In der Gaza-Division sei man davon ausgegangen, dass im schlimmsten Fall mehrere Dutzend Terroristen an drei Stellen nach Israel vordringen könnten. Ein israelischer Armeesprecher sagte, man prĂŒfe den TV-Bericht.

«Niemand hat auf den Tisch gehauen und Alarm ausgerufen»

Ein MilitĂ€rkorrespondent von Kan erklĂ€rte: «Das Sicherheitssystem strebte damals nach einer Befriedung des Gazastreifens, mithilfe einer Verbesserung der LebensumstĂ€nde der Zivilbevölkerung, Arbeitsgenehmigungen fĂŒr PalĂ€stinenser und der Aufhebung von WarenbeschrĂ€nkungen.»

Vor dem 7. Oktober habe die Armee sich vor allem auf die Sperranlage an der Grenze zum Gazastreifen verlassen, die auch bis tief in die Erde reicht. «Am 7. Oktober ist alles zusammengebrochen», sagte der Korrespondent. Ranghohe Mitglieder der Gaza-Division hÀtten offenbar mit GeringschÀtzung auf die Geheimdienstwarnungen reagiert. «Niemand hat auf den Tisch gehauen und Alarm ausgerufen.»

Ein Soldat, der an der Ausarbeitung des Dokuments beteiligt gewesen sei, habe angesichts des Massakers am 7. Oktober rĂŒckblickend geschrieben: «Ich möchte am liebsten weinen, schreien und fluchen.»

RĂŒcktritte nach dem Terrorangriff

Der Kommandeur der Gaza-Division hatte vor gut einer Woche seinen RĂŒcktritt erklĂ€rt. «Am 7. Oktober bin ich an der Aufgabe meines Lebens, das Gaza-Grenzgebiet zu schĂŒtzen, gescheitert», schrieb Brigadegeneral Avi Rosenfeld. Im April hatte bereits der Chef des MilitĂ€rgeheimdienstes, Aharon Chaliva, seinen RĂŒcktritt erklĂ€rt.

Auch Israels Verteidigungsminister Joav Galant und der Chef des Inlandsgeheimdienstes, Ronen Bar, hatten Verantwortung dafĂŒr ĂŒbernommen, dass der blutige Terrorangriff mit mehr als 1200 Toten und mehr als 250 EntfĂŒhrten passieren konnte. MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat dagegen noch keine persönliche Verantwortung ĂŒbernommen. Zuletzt waren die Spannungen zwischen der politischen und militĂ€rischen FĂŒhrung Israels im Streit um die Schuldfrage deutlich gestiegen.

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