Brisanter, Biden-Untersuchungsbericht

Brisanter Biden-Untersuchungsbericht zieht weitere Kreise

12.03.2024 - 21:24:13

Bidens Dokumenten-AffĂ€re hatte zwar kein juristisches Nachspiel, warf aber Fragen ĂŒber dessen mentale Fitness auf. Eine nun veröffentlichte Mitschrift kann unterschiedlich interpretiert werden.

Die erst jetzt veröffentlichte Mitschrift einer Befragung von US-PrÀsident Joe Biden im Oktober facht die Debatte um die mentale Fitness des 81-JÀhrigen erneut an. Der Justizausschuss des ReprÀsentantenhauses veröffentlichte das Dokument vor einer Anhörung des Sonderermittlers Robert Hur.

US-Justizminister Merrick Garland hatte Hur im vergangenen Jahr eingesetzt, um die AffÀre um den Fund geheimer Regierungsunterlagen in Bidens privaten RÀumen zu untersuchen. 

Anfang Oktober hatte Hur dafĂŒr ĂŒber zwei Tage hinweg mehrere Stunden lang mit Biden gesprochen. Der Austausch diente als eine wichtige Grundlage fĂŒr Hurs Bericht, der am Ende zwar keine strafrechtliche Anklage gegen Biden gerechtfertigt sah, den US-PrĂ€sidenten jedoch als «wohlmeinenden Ă€lteren Mann mit einem schlechten GedĂ€chtnis» bezeichnete, was zu Fragen nach Bidens Eignung fĂŒr das PrĂ€sidentenamt fĂŒhrte. Hur begrĂŒndete seine EinschĂ€tzung in dem Bericht unter anderem damit, dass Bidens Erinnerung wĂ€hrend der Befragung «signifikant eingeschrĂ€nkt» gewesen sei. 

Biden selbst gab kurz nach Veröffentlichung des Berichts eine Pressekonferenz, in der er ĂŒber Hur schimpfte und unter anderem sagte: «Ich bin ein Ă€lterer Mann, und ich weiß, was zum Teufel ich tue.» 

Kein eindeutiges Bild

Die nun veröffentlichte Mitschrift zeichnet kein eindeutiges Bild. Einerseits zeigt sie einen US-PrĂ€sidenten, der Jahreszahlen verwechselte oder sich nicht erinnern konnte. So sagte er etwa an einer Stelle, Donald Trump sei im November 2017 zum US-PrĂ€sidenten gewĂ€hlt worden - die Wahl war im Jahr 2016. Im Laufe des GesprĂ€chs benutzte Biden auch etliche Male SĂ€tze wie: «Ich weiß es nicht» oder «Ich kann mich nicht erinnern». Andererseits machte der 81-JĂ€hrige schlagfertige Witze und sprach detailreich ĂŒber weltpolitische Ereignisse. 

Nachdem Hurs Untersuchung kein juristisches Nachspiel fĂŒr Biden gefolgt war, hatte der republikanisch gefĂŒhrte Justizausschuss im ReprĂ€sentantenhaus den Sonderermittler am Dienstag zu einer Anhörung vorgeladen. Manche Beobachter ordneten dies als politisches Manöver ein. Der Vorsitzende des Ausschusses ist der rechte Hardliner Jim Jordan. Er dĂŒrfte ein Interesse daran haben, die Aufmerksamkeit fĂŒr den Bericht im Wahljahr so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Hur stellte sich den Fragen von Ausschussmitgliedern beider Parteien, die ihn jeweils entweder dafĂŒr kritisierten, Bidens mentale Fitness ĂŒberhaupt zum Bestandteil seiner Untersuchung gemacht oder nicht harsch genug ĂŒber ihn geurteilt zu haben. Hur, der einst vom damaligen PrĂ€sidenten Donald Trump nominiert als Staatsanwalt des Bundesstaats Maryland diente, verteidigte in der Anhörung sowohl seine Vorgehensweise als auch seine Schlussfolgerungen. An einer Stelle sagte er ĂŒber Biden, er habe ihn «nicht entlastet». 

Bidens Alter ist BĂŒrde im Wahlkampf

Mit Blick auf die im November anstehende PrĂ€sidentenwahl bleibt Bidens Alter seine grĂ¶ĂŸte BĂŒrde. Zuletzt machte er immer wieder mit Patzern Schlagzeilen. Die Republikaner - allen voran Ex-PrĂ€sident Trump - nutzen das Thema ausgiebig, um die mentale und körperliche Fitness des Demokraten infrage zu stellen. Indes muss sich Trump selbst fĂŒr seinen Umgang mit Dokumenten vor Gericht verantworten.

Ende 2022 waren Verschlusssachen aus Bidens Zeit als VizeprĂ€sident entdeckt worden, unter anderem in privaten BĂŒrorĂ€umen in der Hauptstadt Washington sowie im Haus Bidens in Wilmington im Bundesstaat Delaware. PrĂ€sidenten und VizeprĂ€sidenten sind nach dem Ausscheiden aus ihren Ämtern verpflichtet, Geheimdokumente an das Nationalarchiv zu ĂŒbergeben. Es ist ihnen nicht erlaubt, vertrauliche Regierungsunterlagen nach dem Abschied aus der Regierung privat zu lagern. Biden war von 2009 bis 2017 Vize von PrĂ€sident Barack Obama gewesen, bevor er Anfang 2021 selbst als Nummer eins im Staat ins Weiße Haus einzog. 

@ dpa.de