Wut in Nahost ĂŒber Explosion bei Gaza-Klinik
18.10.2023 - 17:58:30 | dpa.deEin Raketeneinschlag bei einer Klinik im Gazastreifen mit mutmaĂlich Hunderten Toten hat den Besuch von US-PrĂ€sident Joe Biden am Mittwoch in Israel ĂŒberschattet. Die Bilder von Toten und Verletzten bei der Al-Ahli-Klinik lösten vor allem in arabischen und islamischen LĂ€ndern groĂe Wut hervor. Dort und auch in Deutschland kam es zu anti-israelischen Demonstrationen.
Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde hatte dafĂŒr am Dienstagabend umgehend Israel verantwortlich gemacht und arabische Nachbarstaaten schlossen sich dem an. Israel wies dies entschieden zurĂŒck und sprach vom Einschlag einer verirrten Rakete der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad. Auch die US-Regierung hĂ€lt Israel nach «derzeitiger EinschĂ€tzung» nicht fĂŒr verantwortlich.
Jordanien sagte kurzfristig ein ursprĂŒnglich geplantes Treffen Bidens in Amman mit dem palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas, Ăgyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und Jordaniens König Abdullah II. ab. Abbas werde wegen einer dreitĂ€gigen Staatstrauer nach der Explosion nicht anreisen.
Israel: Rakete militanter PalÀstinenser explodierte vor Gaza-Klinik
Israels Armee prĂ€sentierte am Mittwoch Luftaufnahmen und einen abgefangenen GesprĂ€chsmitschnitt, die zeigen sollten, dass die Explosion an dem Krankenhaus auf das Konto militanter PalĂ€stinenser gehe. Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari sagte vor Journalisten, auf dem Parkplatz neben der Klinik seien Zerstörungen vor allem durch eine sehr groĂe Menge an Raketentreibstoff zu erklĂ€ren.
«Der Treibstoff hat eine gröĂere Explosion ausgelöst als der Sprengkopf selbst.» Darum seien Fahrzeuge in Brand geraten. Auf dem Parkplatz hĂ€tten sich zum Zeitpunkt der Explosion viele Menschen aufgehalten. Es gebe auch keine typischen Zerstörungen an umliegenden GebĂ€uden oder einen Krater wie nach einem israelischen Luftangriff, so Hagari weiter. In einem abgefangenen TelefongesprĂ€ch zwischen zwei Hamas-Mitgliedern sei ebenfalls von der Fehlfunktion einer palĂ€stinensischen Rakete die Rede gewesen.
Ein anderer israelischer Armeesprecher, Jonathan Conricus, hatte zuvor die Hamas-Mitglieder aus dem abgefangenen GesprĂ€ch so zitiert: «Oh, da gab es offenbar eine Fehlfunktion oder eine Explosion einer Rakete, die im Gazastreifen gelandet ist.» Der islamische Dschihad wies die israelische Darstellung zurĂŒck.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza sollen bei dem Einschlag 471 PalĂ€stinenser getötet worden sein. Die Angaben waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen.
Biden: Es scheint die andere Seite gewesen zu sein
Biden sagte, er sei «sehr betrĂŒbt» ĂŒber die Explosion an dem Krankenhaus, die aber offensichtlich nicht auf Israel zurĂŒckgehe. «Nach dem, was ich gesehen habe, sieht es so aus, als ob es vom anderen Team gemacht wurde, nicht von Ihnen», sagte er bei einem Treffen mit Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu. «Aber es gibt eine Menge Leute da drauĂen, die sich nicht sicher sind», fĂŒgte er hinzu und sagte Israel die UnterstĂŒtzung im Krieg mit der Hamas zu: «Ihr seid nicht allein.»
Terroristen aus dem Gazastreifen hatten Israel am 7. Oktober ĂŒberfallen und dabei im Grenzgebiet das schlimmste Blutbad an Zivilisten seit der StaatsgrĂŒndung 1948 angerichtet. Mehr als 1400 Israelis wurden seither getötet, rund 4000 verletzt und fast 200 in den Gazastreifen verschleppt. Nach Angaben der Bundesregierung war unter den Toten auch eine einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger.
Biden: Hamas reprÀsentiert nicht alle PalÀstinenser
Biden betonte nach tagelangen israelischen Luftangriffen auf den dicht besiedelten Gazastreifen, der Abriegelung des KĂŒstenstreifens und vor einer möglichen Bodenoffensive auch, dass die «Hamas nicht alle PalĂ€stinenser reprĂ€sentiert». Zivilisten mĂŒsse geholfen werden, sagte der US-PrĂ€sident. «Die Welt schaut zu», mahnte er auch angesichts der Explosion an dem Krankenhaus.
Israel greift den KĂŒstenstreifen als Antwort auf den Hamas-Ăberfall seit Tagen aus der Luft an. Bisher starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen 3478 Menschen und mehr als 12.000 wurden verletzt.
Israel will Hilfslieferungen aus Ăgypten «nicht behindern»
Kurz nach dem Treffen mit Biden kĂŒndigte Netanjahu an, sein Land werde humanitĂ€re Hilfslieferungen aus Ăgypten in den Gazastreifen nicht behindern. Dies betreffe Lieferungen wie Lebensmittel, Wasser und Medikamente fĂŒr die Zivilbevölkerung, teilte sein BĂŒro mit. «Jede Lieferung, die zur Hamas gelangt, wird verhindert.» Gleichwohl machte Netanjahu deutlich, Israel werde «keine humanitĂ€re Hilfe von seinem Territorium in den Gazastreifen zulassen, solange unsere EntfĂŒhrten nicht zurĂŒckgebracht werden.»
Unklar war, ob er nun von Ăgypten geöffnet wird beziehungsweise geöffnet werden kann. Nach Berichten von vor Ort wurde der Ăbergang durch israelischen Beschuss beschĂ€digt und muss nun repariert werden. Nach Ă€gyptischen Angaben stehen dort rund 3000 Tonnen GĂŒter bereit.
Scholz sagt al-Sisi Hilfe bei BemĂŒhen um Geisel-Freilassung zu
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte Ăgyptens Staatschef al-Sisi Hilfe bei den BemĂŒhungen um eine Freilassung der von der islamistischen Hamas in Israel entfĂŒhrten Geiseln zu. «Wir bemĂŒhen uns nach KrĂ€ften, ihre Freilassung zu erreichen», sagte Scholz in Kairo in einer gemeinsamen Pressekonferenz. «Diese berĂŒhrenden GesprĂ€che, die ich mit einigen der Angehörigen fĂŒhren kann, haben mich noch mal in dieser PrioritĂ€t sehr bestĂ€rkt.» Scholz dankte al-Sisi fĂŒr seine BemĂŒhungen um Deeskalation und Vermittlung im Krieg zwischen der Hamas und Israel.
Demonstrationen gegen Israel
In zahlreichen LĂ€ndern kam es nach der Explosion bei dem Krankenhaus zu wĂŒtenden, teils gewalttĂ€tigen Kundgebungen gegen Israel. Auch in Deutschland wurde demonstriert und in Berlin sorgte ein versuchter Brandanschlag auf eine Synagoge fĂŒr Entsetzen.
In der libanesischen Hauptstadt Beirut protestierten auch am Mittwoch Tausende AnhĂ€nger der wie die Hamas mit dem Iran verbĂŒndeten Schiitenorganisation Hisbollah gegen Israel. Demonstranten riefen «Tod fĂŒr Israel». Demonstranten versuchten, zur US-Botschaft zu marschieren, SicherheitskrĂ€fte setzten TrĂ€nengas und Wasserwerfer ein.
Erneut Schusswechsel an Israels Grenze zum Libanon
An Israels Grenze zum Libanon kam es erneut zu Gefechten. Die israelische Armee berichtete, es seien an mehreren Orten Panzergranaten auf Israel gefeuert worden. Soldaten hÀtten das Feuer erwidert. Aus dem Libanon wurde der Beschuss mit israelischen Mörsergranaten gemeldet. Die Armee greife Ziele der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah an, hieà es in der israelischen Mitteilung.
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