Donald Trump, 6. Januar

Wahl 2020 und Kapitol-Attacke: Trump erneut angeklagt

01.08.2023 - 23:43:03

Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage 2020 nicht eingestanden. Sein Feldzug gegen den Wahlausgang gipfelte in der Attacke auf das US-Kapitol. Nun gibt es fĂŒr ihn ein juristisches Nachspiel.

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump ist im Zusammenhang mit Versuchen der Wahlbeeinflussung und der Attacke auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 angeklagt worden. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die am Dienstagabend (Ortszeit) veröffentlicht wurde. Darin werden ihm vier Anklagepunkte zur Last gelegt. Aus neben der Anklageschrift veröffentlichten Gerichtsdokumenten geht außerdem hervor, dass Trump am Donnerstag in Washington vor Gericht erscheinen soll.

Es ist bereits die zweite Anklage auf Bundesebene gegen den 77-JĂ€hrigen und die insgesamt dritte Anklage gegen den Ex-PrĂ€sidenten wegen einer Straftat. Trump will bei der PrĂ€sidentenwahl im kommenden Jahr erneut fĂŒr die Republikaner antreten. Er streitet alle VorwĂŒrfe ab und wertet jedes juristische Vorgehen gegen ihn als Versuch seiner Gegner, ihn von einem Wiedereinzug ins Weiße Haus abzuhalten.

Trump-Team macht Nazi-Vergleich

Trumps Wahlkampfteam wetterte, die Anklage sei ein weiterer Versuch der Regierung von PrÀsident Joe Biden, in die PrÀsidentenwahl 2024 einzugreifen. Dies erinnere an das Vorgehen in Nazi-Deutschland und in anderen autoritÀren Regimen. Trump habe stets das Gesetz befolgt.

Der Republikaner Trump hatte die PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen den Demokraten Biden verloren. Er gestand seine Niederlage aber nie ein, sondern verbreitet seitdem hartnĂ€ckig unbelegte Behauptungen und LĂŒgen, wonach er durch massiven Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden sei.

Trump und sein Umfeld versuchten damals auf diversen KanÀlen, das Ergebnis nachtrÀglich noch zu kippen - unter anderem mit Klagen, aber auch mit politischem Druck auf EntscheidungstrÀger im Bund und in verschiedenen Bundesstaaten.

FĂŒnf Menschen starben

Trumps Feldzug gegen den Wahlausgang gipfelte schließlich am 6. Januar 2021 in einem beispiellosen Gewaltausbruch: An jenem Tag erstĂŒrmten AnhĂ€nger des Republikaners den Sitz des US-Kongresses, wo zu der Zeit Bidens Wahlsieg formal bestĂ€tigt werden sollte. Trump hatte seine UnterstĂŒtzer in einer Rede kurz zuvor einmal mehr mit der Behauptung angestachelt, dass er durch massiven Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden sei. Ein gewalttĂ€tiger Mob drang daraufhin in den Kongress ein. FĂŒnf Menschen starben im Zuge der Krawalle.

Das US-Justizministerium hatte im November den Sonderermittler Jack Smith eingesetzt, um die politisch heiklen Untersuchungen gegen Trump in dem Fall auszulagern. Sein Team trug ĂŒber Monate Beweise gegen Trump zusammen und legte diese einem Geschworenen-Gremium vor. Die sogenannte Grand Jury stimmte nun dafĂŒr, Trump anzuklagen.

Smith strebt einen schnellen Prozess an. «In diesem Fall wird sich mein BĂŒro um ein zĂŒgiges Verfahren bemĂŒhen, damit unsere Beweise vor Gericht geprĂŒft und fĂŒr richtig befunden werden können», sagte er nach der historischen Anklage. «Der Angriff auf die Hauptstadt unseres Landes am 6. Januar 2021 war ein beispielloser Angriff auf den Sitz der amerikanischen Demokratie», betonte der AnklĂ€ger weiter. Die Attacke sei auf die LĂŒgen Trumps zurĂŒckzufĂŒhren. Ermittlungen gegen andere Personen in diesem Zusammenhang gingen weiter.

Amtsenthebungsverfahren scheiterte

Die Kapitol-Attacke hatte zuvor schon ein parlamentarisches Nachspiel gehabt: Trump musste sich wegen des 6. Januar 2021 einem Amtsenthebungsverfahren im Kongress stellen, wo er wegen «Anstiftung zum Aufruhr» angeklagt wurde. Die fĂŒr eine Verurteilung im Senat nötige Zweidrittelmehrheit wurde bei dem Verfahren aber verfehlt, und Trump wurde am Ende freigesprochen.

SpÀter arbeitete ein Untersuchungsausschuss im Kongress den Angriff auf. Der Ausschuss warf Trump zum Abschluss seiner Arbeit gleich mehrere Vergehen vor und empfahl dem Justizministerium, gegen den Ex-PrÀsidenten vorzugehen. Solche Empfehlungen sind jedoch nicht bindend.

Weitere juristische Baustellen

Im FrĂŒhling war Trump bereits im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar in New York angeklagt worden. Damit war der Republikaner der erste Ex-PrĂ€sident in der US-Geschichte, gegen den wegen einer Straftat Anklage erhoben wurde. Er plĂ€dierte auf «nicht schuldig». Im Juni folgte eine weitere Anklage in Miami, weil Trump Regierungsdokumente mit höchster Geheimhaltungsstufe nach seiner Amtszeit in seinem Anwesen Mar-a-Lago aufbewahrt und nach Aufforderung nicht zurĂŒckgegeben hatte. Auch hier plĂ€dierte Trump auf «nicht schuldig».

Außerdem könnte dem Republikaner womöglich eine weitere Anklage bevorstehen: Im Bundesstaat Georgia ermittelte die Staatsanwaltschaft zweieinhalb Jahre lang wegen potenzieller Wahlbeeinflussung durch Trump und dessen Umfeld. Eine Entscheidung ĂŒber eine etwaige Anklageerhebung gegen Trump steht dort noch aus.

Bislang liegt Trump Umfragen zufolge im Feld der republikanischen PrĂ€sidentschaftsbewerber trotzdem mit großem Abstand vorne. Bis zur KĂŒr des offiziellen Kandidaten der Partei bei Vorwahlen im kommenden Jahr kann aber noch viel passieren.

@ dpa.de