Trump glaubt, Selenskyj könnte Anspruch auf Krim aufgeben
28.04.2025 - 05:03:36Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj könnte nach EinschĂ€tzung von US-PrĂ€sident Donald Trump bei einem Friedensabkommen mit Russland auf die Schwarzmeer-Halbinsel Krim verzichten und damit mit einem Tabu brechen. Auf die Frage, ob Selenskyj bereit sei, die 2014 von Russland annektierte Krim an Moskau abzutreten, sagte Trump nach Angaben der mitreisenden Presse auf dem Flughafen von New Jersey: «Ich denke schon». Das Thema sei bei dem Treffen mit Selenskyj in Rom am Samstag kurz aufgekommen.Â
Einen Verzicht auf die Krim oder andere von Moskau einverleibte Gebiete im Osten der Ukraine lehnt Selenskyj bisher kategorisch ab. FĂŒr Trump dagegen scheint klar zu sein, dass die Krim bei Russland bleiben wird. Zuletzt hatte er eine RĂŒckgabe der Krim an die Ukraine als eine «lĂ€cherliche Forderung» bezeichnet.Â
Ukrainische Gebietsabtretungen an Russland sind Berichten zufolge Gegenstand von GesprÀchen zwischen Moskau und Washington. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.
Trump: «Gutes Treffen» in Rom
Trump war am Samstag am Rande der Trauerfeier fĂŒr Papst Franziskus in Rom mit Selenskyj zu einem 15-minĂŒtigen GesprĂ€ch zusammengekommen. Auf seiner RĂŒckreise in die USA warf er Kremlchef Wladimir Putin vor, möglicherweise nicht ernsthaft interessiert zu sein, den Krieg zu beenden - und drohte Russland mit neuen Sanktionen.Â
Trump bezeichnete sein GesprĂ€ch im Petersdom mit Selenskyj als «gutes Treffen». Man werde nun sehen, was passiert, sagte er. Selenskyj habe bei dem Treffen nach mehr Waffen gefragt. An Putin gerichtet sagte Trump, dass dieser aufhören solle zu schieĂen und einen Friedensdeal eingehen solle. Der Kremlchef mĂŒsse sein Engagement fĂŒr die Beendigung des Krieges unter Beweis stellen.Â
Rubio erhöht Druck auf Moskau und Kiew
Derweil erhöhte US-AuĂenminister Marco Rubio Druck auf Moskau und Kiew, sich schnellstens zu FriedensgesprĂ€chen an den Verhandlungstisch zu setzen. «Diese Woche wird eine sehr wichtige Woche sein, in der wir entscheiden mĂŒssen, ob wir uns weiterhin an diesem Projekt beteiligen wollen oder ob es an der Zeit ist, sich auf andere Themen zu konzentrieren, die genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger sind», sagte Rubio mit Blick auf die Vermittlerrolle der USA.Â
Auf die Frage, wie lange Kiew und Moskau noch Zeit hÀtten, eine Einigung zu erzielen, wollte er allerdings keine konkrete Antwort geben. Es sei «albern», ein bestimmtes Datum festzulegen.
Rubio: «Letzten paar Schritte werden immer die schwersten sein»
Der US-AuĂenminister sagte mit Blick auf ein mögliches Abkommen, dass das Ziel noch nicht erreicht sei. «Es gibt GrĂŒnde, optimistisch zu sein, aber natĂŒrlich auch GrĂŒnde, realistisch zu sein. Wir sind nah dran, aber nicht nah genug», sagte Rubio. «Wir haben echte Fortschritte gemacht, aber die letzten paar Schritte auf diesem Weg werden immer die schwierigsten sein.»Â
Das russische AuĂenministerium teilte laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass mit, AuĂenminister Sergej Lawrow und Rubio hĂ€tten in einem Telefonat ĂŒber die Ukraine-Krise gesprochen. Zuvor hatte der Kreml mitgeteilt, Russland sei zu Verhandlungen mit Kiew ohne Vorbedingungen bereit.Â
Selenskyj wirft Moskau weitere TĂ€uschung des Westens vor
Selenskyj wirft Russland weiterhin TĂ€uschungsmanöver im Tauziehen um ein mögliches Kriegsende vor. «Die Russen reden viel ĂŒber ihre angebliche Bereitschaft, amerikanische VorschlĂ€ge zu akzeptieren, aber bisher sind keine Vorbereitungen der russischen Armee fĂŒr ein wirkliches Schweigen (der Waffen) zu verzeichnen», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Im Gegenteil habe Russland seit Ostern sogar seine Angriffe wieder aufgenommen.Â
«Und jeder Tag solcher KĂ€mpfe an der Frontlinie beweist, dass Russland wirklich versucht, die Welt zu tĂ€uschen, die USA und andere zu hintergehen, und diesen Krieg weiter zu verlĂ€ngern», fĂŒgte der ukrainische Staatschef hinzu. Seit den ersten SondierungsgesprĂ€chen fĂŒr einen möglichen Frieden am 11. MĂ€rz in Dschidda habe Russland knapp 8.500 Flugzeugbomben, 200 Raketen aller Art und ĂŒber 3.000 Kamikaze-Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt. «Das muss aufhören, Russland muss diese Angriffe einstellen - bedingungslos.»
Selenskyj bekrÀftigte in diesem Zusammenhang seine Forderung, Russland weiter unter Druck zu setzen. Nur mit internationalem Druck könnten die Russen dazu gebracht werden, alle notwendigen Schritte zu ergreifen, um den Krieg zu beenden. Hier seien vor allem die USA gefragt.
Ukraine zeigt sich zu bedingungslosem Waffenstillstand bereit
Am Rande der Trauerfeiern fĂŒr Papst Franziskus in Rom war Selenskyj mit Trump, dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron, Italiens Regierungschefin Georgia Meloni und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen zu EinzelgesprĂ€chen zusammengekommen. Danach betonte er, dass die Ukraine zu einem bedingungslosen Waffenstillstand bereit sei. Nun sei Russland aufgefordert, dem zuzustimmen.Â
Pistorius hĂ€lt Trump-VorschlĂ€ge fĂŒr zu weitgehend
Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Verteidigungsminister Boris Pistorius hĂ€lt die VorschlĂ€ge von Trump fĂŒr umfangreiche Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland fĂŒr zu weitgehend. «Denn das, was da drinstand, das hĂ€tte die Ukraine auch alleine haben können, schon vor einem Jahr quasi durch eine Kapitulation», sagte der SPD-Politiker in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin».
Die Ukraine wisse, dass es bei einem nachhaltigen, vertrauenswĂŒrdigen Waffenstillstandsabkommen oder Friedensschluss «auch zu Gebietsabtretungen kommen kann oder wird». Es selbst wĂŒrde diese nicht an Gebietsgrenzen festmachen. Vielmehr mĂŒssten diese am Ende in einem VerhĂ€ltnis zu kĂŒnftigen Sicherheitsgarantien stehen.
Nordkorea bestÀtigt erstmals eigene Soldaten im Ukraine-Krieg
Derweil bestĂ€tigte Nordkorea erstmals, eigene Soldaten zur UnterstĂŒtzung Russlands im Ukraine-Krieg entsandt zu haben. Der Einsatz sei demnach auf Befehl von Machthaber Kim Jong Un angeordnet worden, berichtete Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA. «Die Operationen zur Befreiung der Region Kursk» seien siegreich abgeschlossen worden, wird die nordkoreanische MilitĂ€rfĂŒhrung von KCNA zitiert.Â
Auch Russlands MilitĂ€rfĂŒhrung hatte am Samstag erstmals den Einsatz der nordkoreanischen Soldaten im Ukraine-Krieg bestĂ€tigt. Zuvor hatten beide Staaten die Truppenentsendung weder bestĂ€tigt noch dementiert.Â
ZusĂ€tzlich zur Entsendung von Soldaten liefert Nordkorea nach Angaben des sĂŒdkoreanischen Generalstabs auch weiterhin Munition und Waffen im groĂen Stil nach Russland, darunter Kurzstreckenraketen, Panzerhaubitzen und Raketenwerfer.













