Beschuss, Odessa-Besuch

Beschuss wÀhrend Odessa-Besuch von Selenskyj und Mitsotakis

06.03.2024 - 18:36:08

Bislang ist bei Reisen auslÀndischer Politiker in die kriegsgeplagte Ukraine nichts Ernstes passiert. Nun schlagen russische Raketen unweit von PrÀsident Selenskyj und einem griechischen Gast ein.

WĂ€hrend eines Treffens des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj und dem griechischen MinisterprĂ€sidenten Kyriakos Mitsotakis in Odessa ist die sĂŒdukrainische Hafenstadt von Russland mit Raketen beschossen worden. Ein Video zeigte kurz danach, dass die beiden Politiker wohlauf waren. Es habe aber Tote und Verletzte gegeben, sagte Selenskyj nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Ukraine. Ein Sprecher der ukrainischen Marine gab die Zahl der Toten mit fĂŒnf an. 

Es war in mehr als zwei Jahren des russischen Angriffskrieges das erste Mal, dass Selenskyj und ein auslĂ€ndischer Gast derartig von russischem Beschuss betroffen waren. «Wir haben heute diesen Einschlag gesehen. Sie sehen, mit wem wir es zu tun haben. Ihnen ist völlig egal, wohin sie schießen», sagte der Staatschef. Die Ukraine brauche eine stĂ€rkere Luftverteidigung, betonte er einmal mehr.

Griechischer Regierungschef schockiert

Als die Raketen anflogen, zeigte Selenskyj seinem Gast gerade die Hafenanlagen von Odessa am Schwarzen Meer und wies auch auf SchĂ€den durch frĂŒhere russische Attacken hin. Gegen Ende dieses Programmpunkts seien Sirenen und Explosionen in der NĂ€he zu hören gewesen, sagte Mitsotakis ukrainischen Berichten zufolge. «Wir schafften es nicht, in einen Schutzraum zu gelangen.» Der griechische Regierungschef zeigte sich schockiert. 

Über Odessa wurde nach offiziellen Angaben um 10.40 Uhr Ortszeit (9.40 Uhr MEZ) Luftalarm ausgelöst. Kurz danach seien die Raketen eingeschlagen, berichtete der ukrainische Fernsehsender Suspilne. Auch die ukrainische Luftwaffe warnte vor der Gefahr durch Raketen.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Abend mit, durch den Beschuss sei im Hafen von Odessa eine Halle zerstört worden. Dort seien ukrainische Seedrohnen zum Kampfeinsatz vorbereitet worden. Diese Angaben waren unabhĂ€ngig nicht zu ĂŒberprĂŒfen. Mit solchen ferngesteuerten Sprengstoffbooten hatten die ukrainischen StreitkrĂ€fte am Vortag vor der KĂŒste der Halbinsel Krim das russische Patrouillenboot «Sergej Kotow» versenkt. 

Von der Leyen: «niedertrÀchtige Attacke»

Die EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen verurteilte die «niedertrĂ€chtige Attacke» - wie sie es nannte - auf Selenskyj und Mitsotakis. «Niemand lĂ€sst sich einschĂŒchtern durch diesen neuen versuchten Terroranschlag - weder die zwei Staats- und Regierungschefs vor Ort noch das tapfere Volk der Ukraine», schrieb sie im Portal X (frĂŒher Twitter). Von der Leyen ist wĂ€hrend des Krieges selbst schon sechs Mal in die Ukraine gereist.

Die Reisen Selenskyjs im Land wie auch auslĂ€ndischer Besuch in der Ukraine werden aus SicherheitsgrĂŒnden ĂŒblicherweise nicht öffentlich angekĂŒndigt. Meist reisen die GĂ€ste mit der Bahn an - nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn sind seit Kriegsbeginn mehr als 700 diplomatische Delegationen mit dem Zug in die Ukraine gebracht worden. Odessa ist auch gut mit Autos aus der nahen Republik Moldau oder aus RumĂ€nien zu erreichen.

Im Fall der Reisen von der Leyens und des Besuchs von US-PrĂ€sident Joe Biden in Kiew im Februar 2023 ist bekannt, dass Russland vorab in Kenntnis gesetzt wurde. Auch fĂŒr andere Besuche lĂ€sst sich vermuten, dass Moskau ĂŒber diplomatische KanĂ€le informiert wird.

ZwischenfÀlle in der Vergangenheit - aber keine ernsteren

Manche GĂ€ste, darunter auch BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier im Gebiet Tschernihiw, mussten wegen Luftalarms SchutzrĂ€ume aufsuchen. Ernstere ZwischenfĂ€lle gab es aber bislang nicht. Allerdings musste Bundesaußenministerin Annalena Baerbock Ende Februar einen Besuch in der sĂŒdukrainischen Stadt Mykolajiw abbrechen, weil eine russische AufklĂ€rungsdrohne zeitweise ihrer Delegation folgte.

Selenskyjs verabredete nach eigenen Angaben mit Mitsotakis, die Arbeit an einem bilateralen Sicherheitsabkommen zu beginnen. Der griechische Premierminister sollte im Laufe des Tages weiter nach Bukarest reisen, um an einer zweitÀgigen Konferenz der EuropÀischen Volkspartei (EVP) teilzunehmen.

Nach Angriff auf Odessa: Selenskyj fordert mehr Hilfe bei Flugabwehr

Nach dem jĂŒngsten russischen Raketenangriff auf die sĂŒdukrainische Hafenstadt Odessa mit mehreren Toten hat PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj erneut auf mehr UnterstĂŒtzung bei der Luftverteidigung gepocht. «Wir brauchen mehr Schutz», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. WĂ€hrend des Angriffs am Vormittag hatte Selenskyj gerade den griechischen MinisterprĂ€sidenten Kyriakos Mitsotakis durch die Metropole am Schwarzen Meer gefĂŒhrt. «Die Welt hat genĂŒgend Luftverteidigungssysteme und KapazitĂ€ten, um Waffen fĂŒr die Verteidigung zu produzieren», betonte Selenskyj zudem. 

Der PrĂ€sident und der griechische Regierungschef sind wohlauf, doch ersten Erkenntnissen der ukrainischen Ermittler zufolge wurden durch den Beschuss mindestens fĂŒnf Menschen getötet. Mitsotakis zeigte sich spĂ€ter bestĂŒrzt ĂŒber den Vorfall. Es war in mehr als zwei Jahren des russischen Angriffskrieges das erste Mal, dass Selenskyj und ein auslĂ€ndischer Gast derartig von russischem Beschuss betroffen waren.

@ dpa.de