BodenstÀndiger Friedensstifter Jimmy Carter wird 100
01.10.2024 - 06:38:02Die Stimme noch fĂŒr Kamala Harris abgeben. Das hat sich der frĂŒhere US-PrĂ€sident Jimmy Carter, der heute 100 Jahre alt wird, zum Ziel gesetzt. «Ich versuche nur, es zu schaffen, um Kamala Harris zu wĂ€hlen», soll Carter seinem Sohn Chip vor einigen Wochen mit Blick auf seinen Geburtstag und die Wahl gesagt haben. Das erzĂ€hlte Carters Enkel Jason der Regionalzeitung «Atlanta Journal Constitution». Die Briefwahlunterlagen werden im sĂŒdlichen Bundesstaat Georgia, der Heimat des Ex-PrĂ€sidenten, rund einen Monat vor der PrĂ€sidentschaftswahl am 5. November verschickt.Â
Im Rennen ums WeiĂe Haus sind die Demokratin Harris und der Republikaner Donald Trump. Carter wolle, dass die Periode Trump endgĂŒltig zu Ende gehe, sagt sein Enkel. Georgia zĂ€hlt zu den besonders hart umkĂ€mpften Bundesstaaten - hier kommt es bei der Wahl auf jede Stimme an. Carter ist dort in einfachen VerhĂ€ltnissen auf einer Farm aufgewachsen - ohne Strom und flieĂendes Wasser. Der einstige Erdnussfarmer und Nuklearingenieur aus dem Ărtchen Plains machte nie groĂes Aufhebens um sich. Als AuĂenseiter kam er in die US-Hauptstadt Washington. Nach der Wahl 1976 zog der Demokrat ins WeiĂe Haus, nach nur einer Amtszeit musste er wieder ausziehen. Bei der PrĂ€sidentenwahl 1980 verlor er gegen den Republikaner Ronald Reagan.
Carter und seine schwierige PrĂ€sidentschaftÂ
Seine Amtszeit ist in die GeschichtsbĂŒcher als teils glĂŒcklos eingegangen. Kaum ein anderer US-PrĂ€sident hat wĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft so schwere Blamagen und Niederlagen erleben mĂŒssen wie Carter - vom Geiseldrama von Teheran bis hin zum sowjetischen Einmarsch in Afghanistan. Selbst Triumphe wie das Friedensabkommen von Camp David zwischen Ăgypten und Israel verblassten dagegen. So war es vor allem die Zeit nach seiner PrĂ€sidentschaft, die ihm Respekt und Anerkennung einbrachte.Â
Der Demokrat machte sich in den Folgejahren einen Namen als Vermittler in Krisen und mit humanitĂ€rer Hilfe. 1982 grĂŒndete er gemeinsam mit Ehefrau Rosalynn in Atlanta das Carter Center zur Förderung von Demokratie, Menschenrechten und wirtschaftlicher Entwicklung besonders in Ă€rmeren LĂ€ndern. Als Vermittler bei FriedensbemĂŒhungen brachte Carter sich ein. 2002 bekam er dafĂŒr den Friedensnobelpreis. Seiner Heimat Plains blieb er immer treu. Aus der Hauptstadt Washington zog es ihn zurĂŒck in das Ărtchen mit ein paar hundert Einwohnern. Jedes Jahr wird er dort bei einem Erdnussfestival gefeiert.
Schmerzlicher Abschied von seiner Ehefrau Rosalynn
Ende des vergangenen Jahres musste Carter einen schweren Verlust hinnehmen. Seine Ehefrau Rosalynn starb im Alter von 96 Jahren - zuvor hatte sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechtert, sie litt unter anderem an Demenz. Die Carters waren 77 Jahre lang verheiratet. Bei der Trauerfeier wurde auch offenbar, wie schlecht es um den Gesundheitszustand Carters selbst steht. Bereits vor rund anderthalb Jahren brach er nach mehreren Krankenhausaufenthalten seine medizinische Behandlung ab und begab sich in hĂ€usliche Pflege.Â
Sein schlechter Gesundheitszustand hat ihn gezeichnet. Der Trauerfeier seiner geliebten Rosalynn wohnte der Ex-PrĂ€sident dann im vergangenen November halb liegend in einem Rollstuhl bei, gewĂ€rmt von einer Decke. Es wirkte, als wĂ€re er gar nicht wirklich wach. «Er hat körperlich stark abgebaut und kann nicht mehr viel alleine machen, aber er ist emotional sehr engagiert», sagte Carters Enkel Jason vor wenigen Wochen.Â
Witze im Wahlkampf ĂŒber Carters hohes Alter
Carter ist der Ă€lteste noch lebende frĂŒhere US-PrĂ€sident. Sein hohes Alter hat vor allem im PrĂ€sidentschaftswahlkampf immer wieder fĂŒr Lacher herhalten mĂŒssen. Als der 81 Jahre alte US-PrĂ€sident Joe Biden noch im Rennen ums WeiĂe Haus war, scherzte der Komiker Colin Jost beim traditionellen Galadinner des Washingtoner Pressekorps: «Sie wissen, dass Jimmy Carter da drauĂen ist und denkt: Ich könnte dieses Ding vielleicht gewinnen.» Als Biden nach der desaströsen TV-Debatte gegen Trump das Handtuch werfen musste, witzelte der ein oder andere, dass Carter fĂŒr Biden ins Rennen gehen könnte.Â
Da der Ex-PrĂ€sident nur eine Amtszeit im WeiĂen Haus absolviert hat, dĂŒrfte er theoretisch noch einmal fĂŒr das höchste Amt im Staate ins Rennen gehen. GeprĂ€gt haben seine PrĂ€sidentschaft vor allem die hohen Verbraucherpreise und die «Schmach von Teheran». Damals nahmen iranische Studenten Dutzende Amerikaner bei einem Ăberfall auf die US-Botschaft als Geiseln. Carters Beliebtheitswerte rutschten in den Keller. Er schickte schlieĂlich Elitesoldaten, um die Geiselkrise nach mehr als fĂŒnf Monaten zu beenden. Doch die Aktion endete in einem Debakel. Acht Soldaten kamen ums Leben.Â
Der Vorfall kostete ihn endgĂŒltig die Wiederwahl - die Ăra Reagan begann. Aber wegen seiner Verdienste nach seiner Zeit im WeiĂen Haus gilt der bodenstĂ€ndige SĂŒdstaatler in den USA als der beste Ex-PrĂ€sident, den das Land jemals hatte.









