Bootsunglück Dschibuti, Migrantenroute Bab al-Mandab

Bootsunglück vor Dschibuti: Mindestens 139 Migranten tot

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 16:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor der Küste Dschibutis ist ein Boot mit äthiopischen Migranten gekentert. Die Suche nach Vermissten läuft, während die IOM sichere und legale Zugangswege fordert.

  • Die Internationale Organisation für Migration meldet über 100 Tote vor der Küste von Dschibuti. (Illustration) - Bild: Christiane Oelrich/dpa
    Die Internationale Organisation für Migration meldet über 100 Tote vor der Küste von Dschibuti. (Illustration) - Bild: Christiane Oelrich/dpa
  • Ein Videostandbild der Küstenwache von Dschibuti zeigt die Suche nach Leichen von Migranten (Handout) - Bild: Djibouti Coast Guard/Djiboutian Coast Guard/AP/dpa
    Ein Videostandbild der Küstenwache von Dschibuti zeigt die Suche nach Leichen von Migranten (Handout) - Bild: Djibouti Coast Guard/Djiboutian Coast Guard/AP/dpa
Die Internationale Organisation für Migration meldet über 100 Tote vor der Küste von Dschibuti. (Illustration) - Bild: Christiane Oelrich/dpa Ein Videostandbild der Küstenwache von Dschibuti zeigt die Suche nach Leichen von Migranten (Handout) - Bild: Djibouti Coast Guard/Djiboutian Coast Guard/AP/dpa

Die Suche vor Obock dauert an

  • Das Boot kenterte vor der Küste Dschibutis auf dem Weg in Richtung Jemen.
  • Unter den mindestens 139 Toten sind nach UN-Angaben 15 Kinder.
  • 84 Passagiere werden vermisst, mehr als 80 Menschen überlebten das Unglück.

Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Dschibutis sind nach UN-Angaben mindestens 139 Migranten ums Leben gekommen.

Viele Passagiere werden noch vermisst

84 Menschen gelten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) weiterhin als vermisst. Die Suche nach Toten und möglichen Überlebenden dauerte an.

Mehr als 80 Menschen überlebten das Unglück. Nach UN-Angaben waren alle Passagiere äthiopische Staatsangehörige.

IOM fordert sichere Zugangswege

IOM-Generaldirektorin Amy Pope forderte angesichts der Tragödie sichere und legale Zugangswege für Migranten. Niemand steige in ein solches Boot, wenn er einen anderen sicheren Weg sehe, erklärte sie.

Auch Alexandre Coissac, Leiter der IOM-Mission in Dschibuti, sprach von einem schweren Verlust. IOM-Teams leisteten gemeinsam mit örtlichen Behörden Nothilfe für Überlebende und Angehörige.

Route führt über Bab al-Mandab

Dschibuti ist Ausgangspunkt der östlichen Migrationsroute vom Horn von Afrika über die Meerenge Bab al-Mandab auf die arabische Halbinsel. Viele Migranten warten nach dem Weg durch die Wüste in Obock auf Plätze, die Schleuser auf Fischerbooten organisieren.

Ziel der Reisenden sind vor allem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Oman. Dort hoffen sie auf Arbeit und mehr Stabilität.

Mehr als tausend Tote seit 2025

Nach Angaben des IOM-Projekts „Missing Migrants“ kamen 2025 auf dieser Route mehr als 900 Menschen ums Leben oder galten als vermisst. Gleichzeitig stieg die Zahl derjenigen, die sich auf den Weg machten, um 18 Prozent.

Bei einem weiteren Schiffsunglück im März 2026 starben neun Menschen, 45 weitere wurden vermisst. Migranten, die den Jemen erreichen, sind laut IOM zudem Gefahren wie Gewalt, willkürlichen Festnahmen, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt.

Eine Route mit hohem Risiko

Die östliche Migrationsroute verbindet das Horn von Afrika mit der arabischen Halbinsel. Menschen aus Äthiopien und Somalia versuchen, über Dschibuti und die Meerenge Bab al-Mandab vor allem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Oman zu erreichen. Viele hoffen dort auf Arbeit und mehr Stabilität.

Die Reise beginnt häufig mit dem Weg durch die Wüste und setzt sich auf kleinen Fischerbooten fort. Wer den Jemen erreicht, kann dort zusätzlich Gewalt, willkürlichen Festnahmen, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt sein. Damit entstehen Gefahren nicht nur durch das Meer, sondern entlang der gesamten Route.

Steigender Migrationsdruck

Die jüngsten Zahlen weisen auf eine anhaltend hohe Nachfrage nach dieser Route hin. Innerhalb von drei Wochen kamen nach Angaben der IOM mehr als 20.000 Menschen aus Äthiopien in Dschibuti an. Zugleich verschärfen neue Kämpfe in der Region Tigray die Lage am Horn von Afrika.

Die Folgen reichen über die unmittelbare Rettung hinaus. Angehörige bleiben oft ohne Nachricht, während Behörden und Hilfsorganisationen Vermisste suchen und Überlebende versorgen müssen. Für die Regierungen der Herkunfts-, Transit- und Zielländer stellt sich damit erneut die Frage, wie sichere Zugangswege, Schutz vor Schleusern und Unterstützung für Menschen in Not organisiert werden können.

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