Brasilien-Wahl, Lula da Silva

Brasilien-Wahl: Lula und Bolsonaro-Sohn kämpfen um Präsidentschaft

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 13:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rund 159 Millionen Wahlberechtigte entscheiden in einer knappen Stichwahl über die politische Zukunft Brasiliens. Erste vorläufige Ergebnisse werden in der deutschen Nacht auf Montag erwartet.

Brasiliens Wahl entscheidet über den Regierungskurs

  • Rund 159 Millionen Wahlberechtigte können bis 17.00 Uhr Ortszeit ihre Stimme abgeben.
  • Flávio Bolsonaro erhielt in der ersten Runde rund 47 Prozent, Lula kam auf 45 Prozent der gültigen Stimmen.
  • Erste vorläufige Ergebnisse werden in der deutschen Nacht auf Montag erwartet.
  • Rund 159 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen. - Bild: Eraldo Peres/AP/dpa
  • Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro und seine Frau geben ihre Stimmen ab. - Bild: Silvia Izquierdo/AP/dpa
  • Lula will zum vierten Mal Präsident werden. - Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa
Rund 159 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen. - Bild: Eraldo Peres/AP/dpa Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro und seine Frau geben ihre Stimmen ab. - Bild: Silvia Izquierdo/AP/dpa Lula will zum vierten Mal Präsident werden. - Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa

Brasilien entscheidet zwischen Lula und Flávio Bolsonaro

In Brasilien hat die richtungsweisende Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Rund 159 Millionen Wahlberechtigte entscheiden darüber, ob der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva weitere vier Jahre regiert oder der rechte Senator Flávio Bolsonaro erstmals Staatschef wird.

Ergebnisse werden in der Nacht erwartet

Die Wahllokale bleiben bis 17.00 Uhr Ortszeit geöffnet. Erste vorläufige Ergebnisse werden in der deutschen Nacht auf Montag erwartet.

Das Rennen zwischen den beiden Politikern gilt als äußerst knapp. In Umfragen vor der Wahl lag Flávio Bolsonaro zuletzt leicht vorn; bei der ersten Wahlrunde hatte der 45-jährige Senator rund 47 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, Lula kam auf 45 Prozent.

Lula bewirbt sich um vierte Amtszeit

Der 80-jährige Lula von der linken Arbeiterpartei PT bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. Er setzt auf Sozialprogramme, staatliche Investitionen und die Fortsetzung seines Regierungskurses.

Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei PL wirbt mit konservativen Positionen und einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität. „Ich glaube, es ist an der Zeit für eine echte Veränderung“, sagte er nach seiner Stimmabgabe in Rio de Janeiro.

Amnestie für den früheren Präsidenten

Zu seinen zentralen Versprechen gehört eine Amnestie für seinen Vater. Jair Bolsonaro war wegen eines Umsturzversuchs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden; aus gesundheitlichen Gründen steht der frühere Präsident derzeit unter Hausarrest.

Wahlkampf mit scharfen Angriffen

Der Wahlkampf war von gegenseitigen scharfen Angriffen geprägt. Beide Lager warfen sich unter anderem Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor.

Die Auseinandersetzung spiegelt die tiefe politische Spaltung des größten Landes Lateinamerikas wider. Auch die Rolle des Obersten Gerichts und die Beziehungen zu den USA waren Themen im Wahlkampf.

Die Stichwahl entscheidet nicht nur über die Nachfolge im Präsidentenamt, sondern auch über den politischen Kurs der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Lula steht für Sozialprogramme, staatliche Investitionen und eine Fortsetzung seiner bisherigen Regierungspolitik. Flávio Bolsonaro verbindet seinen Wahlkampf mit konservativen Positionen, einem härteren Sicherheitskurs und der angekündigten Amnestie für seinen Vater.

Politische Mehrheiten als Schlüsselfaktor

Unabhängig vom Wahlausgang ist der künftige Präsident auf den Kongress angewiesen. Das Parlament ist nach dem ersten Wahlgang stärker nach rechts gerückt, was Lulas Fähigkeit erschweren könnte, Vorhaben über parteipolitische Bündnisse abzusichern. Ein Präsident Flávio Bolsonaro könnte dagegen auf eine günstigere parlamentarische Ausgangslage treffen.

Besondere Bedeutung hat die Auseinandersetzung für das Verhältnis zwischen Regierung und Oberstem Gericht. Die Aufarbeitung des Umsturzversuchs, die Verurteilung Jair Bolsonaros und die angekündigte Begnadigung stehen für einen Konflikt über den Umgang mit den demokratischen Institutionen.

Außenpolitik und Amazonas im Blick

Ein Regierungswechsel könnte zudem die Außenpolitik stärker an den USA ausrichten, während Brasilien wirtschaftlich eng mit China verbunden bleibt. Für Europa und den internationalen Klimaschutz ist relevant, wie die künftige Regierung den Amazonas, die Agrarwirtschaft und die staatlichen Umweltauflagen behandelt. Für die Bevölkerung geht es zugleich um soziale Unterstützung, Lebenshaltungskosten, Sicherheit und die Frage, ob der politische Kurs des Landes fortgesetzt oder grundlegend verändert wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Wahl in Brasilien: Bleibt Lula Präsident oder siegt Bolsonaro? Was auf dem Spiel steht“ (25.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Stichwahl als Richtungsentscheidung für Brasiliens Innen-, Außen- und Umweltpolitik ein. Er betont neben dem engen Rennen die Folgen für das Verhältnis zu den USA, zu China und zum Amazonas.

ntv: „Nicht alle, die Bolsonaro wählen, sind für Bolsonaro“ (25.10.2026)

Das Interview hebt hervor, dass ein Teil der Wähler Flávio Bolsonaro vor allem als Angebot für einen politischen Wechsel sehe. Anders als die Gegenüberstellung der Kandidaten setzt es den Schwerpunkt auf soziale Unzufriedenheit, parlamentarische Mehrheiten und mögliche außenpolitische Folgen.

Beide Beiträge beschreiben ein knappes Duell und eine stark polarisierte Gesellschaft. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau die internationale und ökologische Tragweite hervorhebt, konzentriert sich ntv stärker auf Motive der Wählerschaft und institutionelle Machtverhältnisse.

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