Lula warnt vor «grĂŒnem Neokolonialismus»
09.08.2023 - 21:06:17Zum Abschluss eines «Amazonas-Gipfels» hat sich Brasiliens PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva Belehrungen ĂŒber Umweltschutz aus den IndustrielĂ€ndern verbeten.
«Wir können keinen grĂŒnen Neokolonialismus akzeptieren, der unter dem Deckmantel des Umweltschutzes Handelshemmnisse und diskriminierende MaĂnahmen einfĂŒhrt und unsere nationalen Regelwerke und Politiken auĂer Acht lĂ€sst», sagte Lula bei dem Treffen in der brasilianischen Amazonas-Metropole BelĂ©m.
Zuvor schon hatte der Gastgeber des Gipfels die von BrĂŒssel geforderte ZusatzerklĂ€rung zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EuropĂ€ischen Union und dem sĂŒdamerikanischen WirtschaftsbĂŒndnis Mercosur kritisiert. Eine solche ErklĂ€rung zu Klima, Umwelt und Menschenrechten wĂ€re eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay und wĂŒrde sie in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung bremsen.
Lula forderte die Industriestaaten auf, ihren eigenen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten. «Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung verfĂŒgen ĂŒber mehr als 75 Prozent des Reichtums und emittieren fast die HĂ€lfte des gesamten Kohlenstoffs, der in die AtmosphĂ€re gelangt. Die Umwelt- und Ăkosystemleistungen, die die TropenwĂ€lder fĂŒr die Welt erbringen, mĂŒssen fair und gerecht entlohnt werden.»
Der Amazonas-Regenwald gilt als CO2-Speicher und hat eine wichtige Funktion im internationalen Kampf gegen den Klimawandel. Am zweiten Tag des Gipfels suchten die sĂŒdamerikanischen Anrainer-Staaten den Schulterschluss mit anderen regenwaldreichen LĂ€ndern aus Afrika und Asien. An dem Treffen nahmen auch Vertreter des Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Indonesiens sowie aus Sankt Vincent und den Grenadinen teil.
LÀnder wollen stÀrker gegen Abholzung vorgehen
In einer gemeinsamen Stellungnahme bekrĂ€ftigten die LĂ€nder, den Kampf gegen die Abholzung der RegenwĂ€lder verstĂ€rken zu wollen. Zugleich forderten sie die Industriestaaten auf, wie versprochen 100 Milliarden US-Dollar (etwa 91 Milliarden Euro) pro Jahr fĂŒr Klimaschutz in EntwicklungslĂ€ndern bereitzustellen. «Diese Zusage wurde nie umgesetzt. Und mittlerweile entspricht sie schon nicht mehr dem aktuellen Bedarf», sagte Lula. So sollten von 2030 jĂ€hrlich 200 Milliarden Dollar fĂ€llig werden.
Am Dienstag waren die Staats- und Regierungschefs der AmazonaslĂ€nder erstmals seit 14 Jahren wieder zusammengekommen, um ĂŒber Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung zu beraten. In der AbschlusserklĂ€rung wurden die GrĂŒndung einer Amazonas-Allianz gegen Abholzung, ein gemeinsames Luftverkehrskontrollsystem gegen das organisierte Verbrechen und engere Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Finanzen und Menschenrechte vereinbart. Kritiker bemĂ€ngelten, dass verbindliche Ziele fehlen.
«Die ErklĂ€rung enthĂ€lt keine klaren MaĂnahmen, um auf die Krise, mit der die Welt konfrontiert ist, zu reagieren. Es gibt keine Ziele oder Fristen fĂŒr die Beendigung der Entwaldung, und es wird auch nicht erwĂ€hnt, dass die Ălförderung in der Region eingestellt werden soll», sagte der Direktor von Greenpeace Brasilien, Leandro Ramos. «Ohne diese MaĂnahmen werden die AmazonaslĂ€nder nicht in der Lage sein, ihre derzeitige rĂ€uberische Beziehung zum Wald, seiner biologischen Vielfalt und seinen Bewohnern zu Ă€ndern.»


