USA, MilitÀr

Verteidigungsminister verlangt Entschuldigung von Trump

25.01.2026 - 19:17:01

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) fordert eine Entschuldigung von US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr dessen Äußerungen zu Afghanistan.

In einem fĂŒr die ARD-Sendung "Caren Miosga" am Sonntag vorab aufgezeichneten Interview sagte Pistorius auf die Frage, ob er es als geboten ansehe, dass der amerikanische PrĂ€sident sich fĂŒr seine Äußerungen entschuldige: "Ja, natĂŒrlich wĂ€re es das. Das wĂ€re ein Zeichen von Anstand und Respekt und auch von Einsicht. Aber wir wissen alle, wie der amerikanische PrĂ€sident funktioniert."

Beim Einsatz in Afghanistan waren 59 Bundeswehr-Soldaten ums Leben gekommen, etwa 500 Soldaten wurden verletzt, teils schwer. Beim sogenannten Karfreitagsgefecht 2010 in der Provinz Kundus wurden drei FallschirmjĂ€ger getötet und acht Soldaten teils schwer verletzt. "So ĂŒber die Gefallenen der VerbĂŒndeten zu reden, ist einfach unanstĂ€ndig und respektlos. Alle standen da, standen an der Seite der USA. Heute etwas anderes zu behaupten ist schlicht nicht wahr", so Pistorius.

Gleichzeitig betonte der Verteidigungsminister, dass man nicht auf jede Äußerung Trumps reagieren mĂŒsse: "Ich ?nde, damit sollte man es bewenden lassen. Denn ganz ehrlich, wenn wir jede Äußerung, die tĂ€glich ĂŒber verschiedene soziale Medien oder auch Pressekonferenzen kommt, kommentieren wĂŒrden, hĂ€tten wir viel zu tun und keine Zeit mehr, uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kĂŒmmern."

Auf die Frage, ob er die Äußerungen Trumps gegenĂŒber seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth ansprechen werde, kĂŒndigte der Minister an: "Sobald ich ihn sehe - SelbstverstĂ€ndlich."

In der Sendung verteidigte Pistorius die Entsendung von Bundeswehrsoldaten im Rahmen einer Nato-Erkundungsmission nach Grönland: "Wir haben durch unsere Aktionen mit anderen Nato-Partnern wohlgemerkt zusammen unterstrichen, dass wir uns unserer Verantwortung und unserer Pflicht bewusst sind, auch fĂŒr die Sicherheit der Arktis einzutreten."

Die zeitweilige Androhung von Strafzöllen durch Trump gegen die europĂ€ischen LĂ€nder, die Soldaten nach Grönland entsandt hatten, und deren ĂŒberraschende RĂŒcknahme wertete der Bundesverteidigungsminister als MissverstĂ€ndnis auf Seiten der USA. "In der Nato wussten alle Bescheid. Das war abgestimmt unter den Nato-Partnern, dass die Strafzölle die Androhung derselben zurĂŒckgenommen worden sind vom amerikanischen PrĂ€sidenten, zeigt ja, dass es offenbar ein MissverstĂ€ndnis in Washington gegeben hat. Wie das zustande gekommen sein mag, das will ich mal dahingestellt sein lassen."

Mit Blick auf das transatlantische VerhĂ€ltnis insgesamt sagte Pistorius, Europa könne sich nicht mehr in gleicher Weise auf die USA verlassen wie in den vergangenen. "Wir können uns nicht auf nichts mehr so verlassen, wie wir es die letzten 70 Jahre tun konnten. Das ist einfach die RealitĂ€t, vor der wir stehen. Das hat der kanadische Premierminister sehr deutlich gemacht in Davos und auch der Bundeskanzler. Es ist ein Epochenbruch. Die Dinge verĂ€ndern sich. Darauf mĂŒssen wir uns einstellen."

Pistorius verwies zudem auf die laufenden Anstrengungen Europas, die eigene VerteidigungsfĂ€higkeit zu stĂ€rken: "Wir sind auf exzellentem Weg. Die Beschaffung der Bundeswehr lĂ€uft hoch, die Aufwuchszahlen sind erfreulich, und gemeinsam mit anderen Nato-Partnern sind wir auf dem Weg, bis 2029 kriegstĂŒchtig zu sein."

Trotz der derzeitigen Spannungen zwischen Europa und den USA zeigte sich der Verteidigungsminister optimistisch mit Blick auf die BĂŒndnisfĂ€higkeit Europas. "Konventionell sind wir (verteidigungsfĂ€hig) und wir werden immer besser." Die Nato bleibe zentral, die USA spielten weiterhin eine SchlĂŒsselrolle. An dem Ziel, Deutschland bis 2029 verteidigungsfĂ€hig zu machen, halte er fest: "Wir sind auf exzellentem Weg."

@ dts-nachrichtenagentur.de

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