Einigung, Pandemievertrag

Einigung auf internationalen Pandemievertrag - USA außen vor

16.04.2025 - 11:37:35

Chaotische ZustÀnde wie bei der Corona-Pandemie sollen sich nicht wiederholen. Mehr als 190 LÀnder sind nun umfangreiche Verpflichtungen eingegangen. Aber einige Details sind noch offen.

  • Alle LĂ€nder sollen kĂŒnftig geordnet Zugang zu Pandemiematerial bekommen. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

    Frank Rumpenhorst/dpa

  • Medizinisches Personal soll bei einer Pandemie weltweit als Erstes versorgt werden (Archivbild)  - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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  • Die Pharmaindustrie pocht auf freiwillige Beteiligung der Firmen an jeglichen Absprachen. (Archivbild) - Foto: Till Simon Nagel/dpa-tmn

    Till Simon Nagel/dpa-tmn

  • Die WHO kann auch weiterhin keinen Impfzwang anordnen. (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

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Alle LĂ€nder sollen kĂŒnftig geordnet Zugang zu Pandemiematerial bekommen. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpaMedizinisches Personal soll bei einer Pandemie weltweit als Erstes versorgt werden (Archivbild)  - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpaDie Pharmaindustrie pocht auf freiwillige Beteiligung der Firmen an jeglichen Absprachen. (Archivbild) - Foto: Till Simon Nagel/dpa-tmnDie WHO kann auch weiterhin keinen Impfzwang anordnen. (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Nie wieder soll die Welt bei einer großen Gesundheitsnotlage wie der Corona-Pandemie in Ă€hnliche Panik verfallen. Deshalb haben sich die MitgliedslĂ€nder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf einen Pandemievertrag geeinigt. Er soll chaotischen ZustĂ€nde bei der Beschaffung von Schutzmaterial und die ungerechte Verteilung der Impfstoffe verhindern. 

Er soll auch die PrĂ€vention stĂ€rken, damit sich tödliche Erreger möglichst gar nicht ausbreiten können. Eine neue Pandemie sei nur eine Frage der Zeit, warnt die WHO. Die Chance, dass die heutige Bevölkerung eine weitere Pandemie erlebt, liegt nach Angaben der Impfstoffinitiative CEPI bei 38 Prozent. Das liegt etwa daran, dass sich die Menschen in Gebiete ausbreiten, die der Tierwelt vorbehalten waren. Auch der Klimawandel mit Hitze und Überschwemmungen begĂŒnstigt die Ausbreitung von Insekten und Erregern.

Warum ein Vertrag nötig ist

Bei Corona hat jedes Land panikartig reagiert und zunĂ€chst ohne RĂŒcksicht auf andere seine Interessen durchgesetzt. Regierungen haben sich gegenseitig Schutzmaterial streitig gemacht und als der Impfstoff da war, haben viele LĂ€nder ihn gehortet. Den KĂŒrzeren zogen immer die schwĂ€chsten LĂ€nder. WĂ€hrend in Europa teils schon die dritte Impfung verabreicht wurde, warteten in anderen LĂ€ndern Menschen noch auf den ersten Impfstoff. 

Was die Corona-Pandemie angerichtet hat

Das bis dahin unbekannte Virus Sars-CoV-2 breitete sich ab Ende 2019 von China innerhalb von Wochen weltweit aus. Direkt auf eine Infektion werden weltweit mindestens sieben Millionen TodesfĂ€lle zurĂŒckgefĂŒhrt. Zusammen mit indirekten Folgen dĂŒrften es nach SchĂ€tzungen gut 36 Millionen Tote gewesen sein: Menschen, die wegen der Pandemie keinen Arzt aufsuchen konnten oder deren Behandlung im Krankenhaus verschoben wurde etwa. Weltweit brach die Wirtschaft ein, Millionen Kleinunternehmer gingen Konkurs. 

Was mit dem Vertrag anders wird 

PrĂ€vention: LĂ€nder verpflichten sich, ihre Gesundheitssysteme und die Überwachung des Tierreichs so zu stĂ€rken, dass KrankheitsausbrĂŒche schnell entdeckt und möglichst im Keim erstickt werden. 

Lieferketten: Alle LĂ€nder sollen Zugriff auf Schutzmaterial, Medikamente und Impfstoff haben. Gesundheitspersonal soll zuerst versorgt werden.

Technologietransfer: Pharmafirmen sollen ihr Know-how teilen, damit auch in anderen LÀndern Medikamente und Impfstoffe produziert werden können.

Forschung und Entwicklung: DNA-Sequenzen von Pathogenen sollen fĂŒr die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen frei zur VerfĂŒgung gestellt werden. Im Gegenzug sollen Pharmaunternehmen der WHO zehn Prozent ihrer Produktion zur Verteilung in Ă€rmeren LĂ€ndern spenden und weitere zehn Prozent zu gĂŒnstigen Preisen abgeben (Pabs-System). Die ModalitĂ€ten mĂŒssen noch ausgehandelt werden. Das soll in einen Anhang zum Vertrag.

Welche Kompromisse nötig waren

Dies ist aus Verhandlungskreisen zu hören: Die afrikanischen LĂ€nder hĂ€tten gerne strengere Auflagen im Pabs-System durchgesetzt, ebenso bessere Zusagen fĂŒr den Technologietransfer und klarere Zusagen fĂŒr Finanzierungshilfen zur StĂ€rkung der Gesundheitssysteme. EuropĂ€ische Verhandler hĂ€tten gerne stĂ€rkere Auflagen bei der PrĂ€vention gehabt. 

Die Verschwörungstheorien

Gegen die WHO und den Vertrag laufen seit langem Kampagnen, vor allem in sozialen Netzwerken. Kolportiert wird, die WHO könne bei der nĂ€chsten Pandemie Zwangsmaßnahmen anordnen. Auch die sehr konservative Schweizer Wochenzeitung «Weltwoche» haut in die Kerbe: «Die WHO wĂŒrde mit dem neuen Vertragswerk faktisch zur mĂ€chtigsten Behörde der Welt, zu einer Behörde, die ĂŒber den Ausnahmezustand entscheidet», schreibt sie. 

Das ist nicht der Fall. In Artikel 24 steht ausdrĂŒcklich, dass die WHO oder ihr Generaldirektor keine innerstaatlichen Rechtsvorschriften oder Maßnahmen anordnen können. Sie kann keine ReisebeschrĂ€nkungen verhĂ€ngen, Impfungen erzwingen oder Lockdowns anordnen, steht explizit im Text. 

Wie die Pharmaindustrie reagiert

Sie pocht darauf, dass der Patentschutz nicht gelockert wird. Sonst lohnten sich risikoreiche Investitionen in die Forschung nicht mehr, sagt der Generaldirektor des Verbands der Pharmahersteller, IFPMA, David Reddy. Die Beteiligung von Firmen an jeglichen Abmachungen mĂŒssten freiwillig sein. 

Die Rolle der USA

Die USA sind außen vor. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump haben sie sich an den Verhandlungen nicht mehr beteiligt. Trump hat ohnehin den Austritt aus der WHO verkĂŒndet, der im Januar 2026 wirksam wird. Auch Argentinien hat den Austritt erklĂ€rt und im Verhandlungsausschuss zu Protokoll gegeben, dass es sich dem Konsens ĂŒber den Text nicht anschließt. Noch hat die WHO 194 MitgliedslĂ€nder. 

Wie es weitergeht

Bei der WHO-Jahrestagung im Mai in Genf soll der Text angenommen werden. UnabhĂ€ngig davon muss aber noch ĂŒber die ModalitĂ€ten der Pathogen-Bereitstellung und die Produktionsabgabe der Pharmafirmen verhandelt werden. Das dĂŒrfte mindestens mehrere Monate dauern. Der Vertrag wird danach Parlamenten zur Ratifizierung vorgelegt. Er tritt in Kraft, wenn 60 LĂ€nder ihn ratifiziert haben. Die Bestimmungen gelten nur in den LĂ€ndern, die ihn angenommen haben. LĂ€nder mĂŒssen alle paar Jahre berichten, wie sie vorankommen. Der Vertrag kann nicht mit Strafmaßnahmen durchgesetzt werden.

@ dpa.de