Chinas Staatschef Xi reist nicht zu G20-Gipfel
04.09.2023 - 09:50:45China wird in diesem Jahr nicht von Xi Jinping beim G20-Gipfel in Indien vertreten werden. Peking schickt stattdessen nur MinisterprĂ€sident Li Qiang zu dem Treffen der Gruppe wichtiger Wirtschaftsnationen (G20) am Wochenende in Neu Delhi, wie das AuĂenamt in Peking am Montag mitteilte. Es ist das erste Mal, dass ein chinesischer Staatschef ein G20-Treffen ausfallen lĂ€sst. WĂ€hrend der Corona-Pandemie kam Xi zwar auch nicht zum G20-Treffen nach Rom, nahm aber per Video-Schalte teil.
FĂŒr Gastgeber Indien dĂŒrfte Xis Fernbleiben ein Makel sein, weil ein wichtiger Staatschef fehlt. Premierminister Narendra Modi will unter seinem G20-Vorsitz demonstrieren, wie wichtig sein Land geworden ist. Mit Xis Abwesenheit dĂŒrfte die Bedeutung der ohnehin schon gespaltenen G20-Plattform weiter geschmĂ€lert werden. Es dĂŒrfte somit nicht einfacher werden, zu einer gemeinsamen AbschlusserklĂ€rung zu kommen. Schon bei vorangegangenen Treffen auf Ministerebene stimmten China und Russland jeweils Passagen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht zu, was gemeinsame KommuniquĂ©s verhinderte.
China verspricht enge Zusammenarbeit
Regierungschef Li werde Chinas Ansichten und VorschlĂ€ge fĂŒr die G20-Zusammenarbeit erlĂ€utern und die Gruppe antreiben, die SolidaritĂ€t zu stĂ€rken, um den globalen Herausforderungen in Wirtschaft und Entwicklung zu begegnen, sagte AuĂenamtssprecherin Mao Ning. China sei bereit, mit allen Parteien fĂŒr den Erfolg des G20-Gipfels zusammenzuarbeiten.
FĂŒr Deutschland wird Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) anreisen, begleitet von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Die Bundesregierung bedauerte, dass Xi nicht teilnimmt. China sei aber weiterhin durch den MinisterprĂ€sidenten beim G20-Gipfel vertreten, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. Er verwies darauf, dass es in der Vergangenheit bereits vorgekommen sei, dass einzelne Staats- und Regierungschefs nicht teilnehmen konnten oder wollten. FĂŒr Deutschland bleibe die G20-Gruppe ein wichtiges Forum, um fĂŒr eigene Standpunkte zu werben.
Seit Jahren Streitigkeiten zwischen den LĂ€ndern
Warum Xi die chinesische Delegation diesmal nicht anfĂŒhren wird, wurde nicht begrĂŒndet. Hintergrund könnten die angespannten Beziehungen zwischen China und Indien sein - etwa wegen eines Grenzstreits. Die beiden bevölkerungsreichsten LĂ€nder der Welt erheben MachtansprĂŒche in einem Gebiet sĂŒdlich von Tibet beziehungsweise im Osten Indiens. China nennt die Region Zangnan, in Indien heiĂt sie Arunachal Pradesh. Im Sommer 2020 kam es dort zu einem blutigen Zwischenfall, als Soldaten beider Seiten aufeinander losgingen. Es war der schlimmste derartige Vorfall in dem seit Jahrzehnten andauernden Streit. Zuletzt sorgte die Veröffentlichung einer offiziellen Karte, in der China umstrittene Gebiete fĂŒr sich beanspruchte, fĂŒr zusĂ€tzlichen Unmut.
Xis Abwesenheit deutet auch darauf hin, dass die Brics-LĂ€nder Brasilien, Russland, Indien, China und SĂŒdafrika - anders als sie es zuletzt zeigen wollten - nicht mit einer Stimme auftreten können. Xi und Modi trafen sich im August beim Brics-Gipfel in SĂŒdafrika. Als Gegengewicht zum Westen erweiterte sich die Gruppe wichtiger SchwellenlĂ€nder um sechs Mitglieder. Obwohl Indiens Regierungschef erst Kritik daran geĂ€uĂert hatte, sagte Modi schlieĂlich, er begrĂŒĂe den von China bevorzugten Schritt. Es gibt aber auch Sorgen, dass Indien durch eine Aufnahme chinafreundlicher Nationen in der Gruppe an Einfluss verlieren könnte.
Kein Treffen mit US-PrÀsident Biden
Auch mögliche bilaterale Treffen Xis am Rande des G20-Gipfels in Neu Delhi fallen nun aus - etwa das mit US-PrĂ€sident Joe Biden. Die Beziehungen der beiden GroĂmĂ€chte sind schon lĂ€nger wegen gegensĂ€tzlicher Wirtschaftsinteressen und der geopolitischen Lage rund um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine schwierig.
Mit dem Ukraine-Krieg steht fĂŒr Xi ein heikles Thema auf der Agenda des Gipfels. Die von der Kommunistischen Partei gefĂŒhrte Volksrepublik gilt als wichtiges Partnerland Russlands, hatte aber auch schon einen umstrittenen Vorschlag fĂŒr einen Friedensplan vorgelegt. Nach eigenen Angaben will Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin in naher Zukunft mit Xi zusammentreffen. Beim G20-Gipfel in Indien wird Putin allerdings auch fehlen. Er konzentriert sich laut Kreml auf die «militĂ€rische Spezialoperation», wie Moskau den Krieg gegen die Ukraine nennt. AuĂenminister Sergej Lawrow wird ihn in Neu Delhi vertreten.


