DĂ€nemark, Europas

DĂ€nemark versichert sich Europas RĂŒckhalt im Trump-Streit

28.01.2025 - 15:03:14

Darf er das? Kann er das? Donald Trumps BesitzansprĂŒche auf Grönland haben in DĂ€nemark große Sorgen ausgelöst. Die Regierungschefin wirbt nun unter anderem in Berlin um europĂ€ischen Zusammenhalt.

  • «To whom it may concern» - Olaf Scholz steht an der Seite DĂ€nemarks. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Nach Scholz besuchte Frederiksen auch Emmanuel Macron. - Foto: Aurelien Morissard/AP/dpa

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  • Grönland-Experte Ulrik Pram Gad sieht Bedarf fĂŒr ein dĂ€nisches Umdenken. - Foto: Steffen Trumpf/dpa

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  • Grönland um Regierungschef MĂște B. Egede ist durch Trump urplötzlich in die Weltöffentlichkeit gerĂŒckt. (Archivbild) - Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix Foto/dpa

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«To whom it may concern» - Olaf Scholz steht an der Seite DĂ€nemarks. - Foto: Michael Kappeler/dpaNach Scholz besuchte Frederiksen auch Emmanuel Macron. - Foto: Aurelien Morissard/AP/dpaGrönland-Experte Ulrik Pram Gad sieht Bedarf fĂŒr ein dĂ€nisches Umdenken. - Foto: Steffen Trumpf/dpaGrönland um Regierungschef MĂște B. Egede ist durch Trump urplötzlich in die Weltöffentlichkeit gerĂŒckt. (Archivbild) - Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix Foto/dpa

DĂ€nemark hat sich im laufenden Grönland-Streit mit US-PrĂ€sident Donald Trump RĂŒckendeckung aus Deutschland geholt. «Grenzen dĂŒrfen nicht mit Gewalt verschoben werden - to whom it may concern (an alle, die es betrifft)», sagte Bundeskanzler Olaf Scholz wĂ€hrend eines Besuchs der dĂ€nischen MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen in Berlin. «Die Unverletzlichkeit von Grenzen ist ein Grundprinzip des Völkerrechts», bekrĂ€ftigte er. «Das Prinzip muss gelten fĂŒr alle.»

FĂŒr alle - das schließt Trump mit ein: Er gab in den vergangenen Wochen immer wieder Begehrlichkeiten hinsichtlich einer amerikanischen Kontrolle ĂŒber das zum Königreich DĂ€nemark zĂ€hlende Grönland von sich. Wahlweise begrĂŒndete er das mit der nationalen oder internationalen Sicherheit. Auch wirtschaftlichen und militĂ€rischen Zwang schloss er nicht aus. In DĂ€nemark lösten diese Aussagen große Sorgen und eine diplomatische Offensive um RĂŒckhalt unter europĂ€ischen BĂŒndnispartnern aus.

Eintagestour fĂŒr «europĂ€ischen Zusammenhalt»

Um sich dieser RĂŒckendeckung zu vergewissern, flog Frederiksen nun einen Tag lang durch Europa: Erst war sie am Morgen bei Scholz in Berlin, darauf bei Emmanuel Macron in Paris, spĂ€ter wollte sie Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte in BrĂŒssel besuchen. Auf der Tagesordnung stehe «der europĂ€ische Zusammenhalt», hieß es von der dĂ€nischen Staatskanzlei. 

Bereits vor zwei Tagen hatte Frederiksen ihre nordischen Partner nach Kopenhagen eingeladen. Dass sie bei sich zu Hause mit Schwedens Regierungschef Ulf Kristersson, Norwegens MinisterprĂ€sidenten Jonas Gahr StĂžre und Finnlands PrĂ€sidenten Alexander Stubb beim Abendbrot saß, sollte dasselbe Bild vermitteln wie ihre Tagestour: In Europa stehen wir zusammen.

Bedachteres Vorgehen

Frederiksen bemĂŒht sich dabei, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum nicht zu benennen. Das hĂ€ngt auch mit ihren Erfahrungen aus Trumps erster Amtszeit zusammen: Als sie die Diskussion um seinen Kaufvorschlag fĂŒr Grönland 2019 als «absurd» abgetan hatte, nannte Trump ihre Aussagen «böse» und sagte einen DĂ€nemark-Besuch kurzerhand ab.

Diesmal geht Frederiksen bedachter vor, sitzt aber zwischen den StĂŒhlen: Sie will weder Grönland noch die USA - DĂ€nemarks wichtigstes Exportland - vor den Kopf stoßen. Zwischen den Zeilen lĂ€sst sich jedoch herauslesen, auf wen ihre Aussagen abzielen. «Europa, unser Kontinent, basiert auf der Idee, dass Kooperation, nicht Konfrontation, zu Frieden, zu Fortschritt, zu Wohlstand fĂŒhrt. Lasst uns diese Idee in Ehren halten», sagte sie an Scholz' Seite. 

Solche SĂ€tze sind - ebenso wie ihre Forderungen, dass Europa stĂ€rker werden und mehr Verantwortung fĂŒr die eigene Verteidigung ĂŒbernehmen mĂŒsse - fraglos Richtung Washington gerichtet. 

Fehlende Beachtung in Kopenhagen

Gleichzeitig findet in DĂ€nemark langsam ein Umdenken statt, das Grönland seit Jahrzehnten einfordert: Die GrönlĂ€nder fĂŒhlen sich von ihrer einstigen Kolonialmacht bis heute zu wenig wertgeschĂ€tzt, politisch ĂŒbergangen und teils herabwĂŒrdigend behandelt. 

Dabei wollten sie endlich als gleichberechtigter und gleichwertiger Teil im Königreich DĂ€nemark behandelt werden, sagte der Grönland-Experte Ulrik Pram Gad vom DĂ€nischen Institut fĂŒr Internationale Studien (DIIS) in Kopenhagen. In einer TV-Debatte hĂ€tten es grönlĂ€ndische Politiker von allen Seiten des politischen Spektrums jĂŒngst gemeinsam auf den Punkt gebracht. «Sie waren sich im Grunde einig, dass es ĂŒberaus frustrierend ist, dass es einen Trump braucht, um DĂ€nemarks Beachtung zu erhalten», sagte Gad.

Diese Reaktion finde sich auch in der breiteren grönlÀndischen Bevölkerung. Es bestehe grundlegender Bedarf, dass DÀnemark etwas Àndere - mit Blick auf seine Kolonialgeschichte und im heutigen Umgang mit den GrönlÀndern. 

Die dĂ€nische Regierung vermittelt den Eindruck, dass sich etwas Ă€ndert: JĂŒngst wurden etwa die Abschaffung umstrittener psychologischer Tests fĂŒr grönlĂ€ndische Eltern angekĂŒndigt sowie zusĂ€tzliche Mittel und Initiativen fĂŒr die Arbeit gegen Diskriminierung und Rassismus gegenĂŒber GrönlĂ€ndern in DĂ€nemark ausgelobt. Am Vorabend der Tagestour wurde ein Abkommen zur StĂ€rkung der Verteidigung in der Arktis und dem Nordatlantik prĂ€sentiert - im öffentlichkeitswirksamen Schulterschluss mit Grönland.

@ dpa.de