US-Vorwahlen: Gericht will ĂŒber Trumps Teilnahme befinden
06.01.2024 - 04:51:36Das Oberste Gericht der USA schaltet sich in den juristischen Streit um die Teilnahme Donald Trumps an den Vorwahlen fĂŒr die republikanische PrĂ€sidentschaftskandidatur ein. Der Supreme Court teilte am Nachmittag (Ortszeit) mit, es werde einen entsprechenden Antrag des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten und aktuellen PrĂ€sidentschaftsbewerbers aufgreifen. Der Fall soll am 8. Februar in der Hauptstadt Washington verhandelt werden.
Trump hatte sich an das Gericht gewandt, um einen Beschluss aus dem Bundesstaat Colorado zu kippen, wonach er sich aufgrund seiner Rolle in Verbindung mit der Attacke auf das US-Kapitol 2021 fĂŒr die Vorwahl disqualifiziert habe. Trump-Gegner argumentieren mit Klagen im ganzen Land, der Republikaner habe sein Recht verspielt, erneut als PrĂ€sident zu kandidieren. Eine Ă€hnliche Entscheidung wie in Colorado fĂ€llte zuletzt auch die oberste Wahlaufseherin im Bundesstaat Maine. In Michigan und Minnesota scheiterten indes Versuche, Trump zu disqualifizieren. Anderswo laufen noch entsprechende Klagen.
Aufgrund der unterschiedlichen BeschlĂŒsse galt es als sehr wahrscheinlich, dass der Vorwahl-Streit letztlich vor dem Supreme Court landen wĂŒrde. Eine inhaltliche Entscheidung des Obersten Gerichts fĂŒr die Vorwahl in Colorado dĂŒrfte auch offene FĂ€lle in anderen Bundesstaaten klĂ€ren, da die Argumentation der KlĂ€ger ĂŒberall die gleiche ist.
Das sind die HintergrĂŒnde
Trump will bei der nĂ€chsten US-PrĂ€sidentenwahl Anfang November erneut fĂŒr die Republikaner kandidieren. Wer als PrĂ€sidentschaftskandidat fĂŒr die Republikaner oder die Demokraten antreten will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Vorwahlen durchsetzen. KlĂ€ger versuchen seit einiger Zeit in diversen Bundesstaaten, Trumps Teilnahme an den Vorwahlen zu verhindern und den Namen des 77-JĂ€hrigen von Wahlzetteln streichen zu lassen.
Am 6. Januar 2021 hatten Trump-AnhĂ€nger gewaltsam den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden gegen Trump bei der PrĂ€sidentenwahl von 2020 formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede durch unbelegte Behauptungen aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg durch massiven Betrug gestohlen worden sei. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben.
In ihren Klagen berufen sich die Trump-Gegner auf das sogenannte Aufstandsverbot im 14. Verfassungszusatz. Demnach darf niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat. Zwar werden in der Passage einige Beispiele fĂŒr solche höheren Ămter genannt, das Amt des PrĂ€sidenten ist aber nicht explizit aufgefĂŒhrt.
Trumps AnwĂ€lte argumentieren in ihrem Antrag an den Supreme Court dagegen, das Gericht in Colorado habe seine Befugnisse ĂŒberschritten. Die Frage nach der Tauglichkeit eines PrĂ€sidenten sei eine Angelegenheit fĂŒr den US-Kongress und nicht fĂŒr staatliche Gerichte. Der Verfassungszusatz, auf den sich die KlĂ€ger berufen, sei im Falle Trumps nicht anwendbar. Trumps Wahlkampfteam wertete die Gerichtsentscheidung aus Colorado als «unamerikanischen, verfassungswidrigen Akt der Wahleinmischung».
So geht es weiter
Die Zeit drÀngt. Wenn der Fall am 8. Februar vor dem Supreme Court verhandelt wird, haben die Vorwahlen der Republikaner in einigen Bundesstaaten bereits stattgefunden. In Colorado und Maine stehen sie am 5. MÀrz an - dem sogenannten Super Tuesday. Dann wird in einer ganzen Reihe von Bundesstaaten abgestimmt. Die Wahlzettel werden mit einigem Vorlauf gedruckt.
FĂŒr die Demokraten will Biden fĂŒr eine zweite Amtszeit ins Rennen gehen. Er hat dabei keine ernstzunehmende interne Konkurrenz. Bei den Republikanern liegt Trump im Feld der parteiinternen PrĂ€sidentschaftsbewerber in Umfragen mit groĂem Abstand vorne.
WĂ€hrend seiner Amtszeit hatte Trump die Mehrheit am Obersten US-Gericht deutlich nach rechts verschoben. Sechs der neun Richterinnen und Richter gelten inzwischen als konservativ. Dennoch entschied das Oberste Gericht nicht immer in seinem Sinne. Neben dem juristischen Streit ĂŒber seine Teilnahme an den Vorwahlen stehen dem Republikaner in den kommenden Monaten auch mehrere groĂe Gerichtsverfahren wegen diverser strafrechtlicher VorwĂŒrfe bevor - unter anderem wegen des Kapitol-Sturms und seiner Versuche, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 nachtrĂ€glich umzukehren.


