Minister, Fico

Minister: Zustand von Fico «weiter ernst»

16.05.2024 - 14:02:52 | dpa.de

Das Attentat auf MinisterprĂ€sident Fico erschĂŒttert die Slowakei. Nach einer fĂŒnfstĂŒndigen OP soll er wieder bei Bewusstsein sein, aber noch nicht außer Lebensgefahr.

  • Innenminister Matus Sutaj Estok informiert auf einer Pressekonferenz. Das Attentat auf Fico hat nach EinschĂ€tzung der Regierung ein «klar politisches Motiv». - Foto: Denes Erdos/AP/dpa
  • Robert Fico ist beliebt - polarisiert aber zugleich wie kaum ein anderer (Archivbild). - Foto: Martin Baumann/tasr/dpa
  • LeibwĂ€chter bringen den slowakischen Regierungschef Robert Fico nach dem Attentat in einem Auto in Sicherheit. - Foto: Radovan Stoklasa/TASR/dpa
Innenminister Matus Sutaj Estok informiert auf einer Pressekonferenz. Das Attentat auf Fico hat nach EinschÀtzung der Regierung ein «klar politisches Motiv». - Foto: Denes Erdos/AP/dpa Robert Fico ist beliebt - polarisiert aber zugleich wie kaum ein anderer (Archivbild). - Foto: Martin Baumann/tasr/dpa LeibwÀchter bringen den slowakischen Regierungschef Robert Fico nach dem Attentat in einem Auto in Sicherheit. - Foto: Radovan Stoklasa/TASR/dpa

Der Zustand des slowakischen Regierungschefs Robert Fico ist nach dem Attentat «weiter ernst». Das sagte Verteidigungsminister Robert Kalinak nach einer Sondersitzung des Sicherheitsrates in Bratislava.

Die Verletzungen seien sehr schwerwiegend. Fico sei von vier Kugeln getroffen worden. «Den Ärzten ist es gelungen, den Zustand zu stabilisieren», sagte Kalinak. Fico sei aber noch nicht außer Lebensgefahr. «Wir haben eine schwere Nacht hinter uns», meinte der stellvertretende Regierungschef.

Eine Krankenhaussprecherin teilte mit, Fico sei fĂŒnf Stunden lang operiert worden. Slowakische Medien hatten am frĂŒhen Morgen berichtet, Fico habe nach der Operation wieder das Bewusstsein erlangt.

Zögerliche Informationen, viele Spekulationen

Wegen einer Informationssperre des Krankenhauses gab es nur zögerliche Informationen und viele Spekulationen ĂŒber den Gesundheitszustand des Regierungschefs. Ein AttentĂ€ter hatte am Mittwoch auf den 59-JĂ€hrige geschossen. Kalinak gilt als enger Vertrauter Ficos und ist auch in der Linkspartei Smer sein Stellvertreter.

In der Nacht hatte Umweltminister Tomas Taraba der BBC gesagt, nach seinem Kenntnisstand sei die Operation gut verlaufen, Fico befinde sich «im Moment nicht in lebensbedrohlichem Zustand». Taraba ist einer von vier Vertretern Ficos.

Was ist passiert?

Der 59-JĂ€hrige war am Mittwoch von einem AttentĂ€ter angeschossen worden und musste sich in der Regionalhauptstadt Banska Bystrica einer mehrstĂŒndigen Notoperation unterziehen. Die Polizei nahm den Angreifer fest. Das Attentat hat das EU- und Nato-Land in einen Schockzustand versetzt und löste international BestĂŒrzung aus.

Die Behörden prĂŒfen derweil, ob seine PersonenschĂŒtzer ihn nicht ausreichend geschĂŒtzt haben. Entsprechende Ermittlungen «wegen Behinderung der Aufgaben eines AmtstrĂ€gers» seien bereits am Mittwoch eingeleitet worden, sagte eine Behördensprecherin der Nachrichtenagentur TASR. Mehrere slowakische Experten hatten Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen geĂŒbt. Sie rĂŒgten unter anderem, dass die LeibwĂ€chter unmittelbar nach dem Attentat chaotisch vorgegangen seien.

Wer ist der AttentÀter?

Nach Angaben von Innenminister Matus Sutaj Estok handelt es sich bei dem TÀter um einen 71-JÀhrigen aus der Kleinstadt Levice. Eine erste Vernehmung habe ergeben, dass er ein «klar politisches Motiv» gehabt habe, nÀmlich die Ablehnung der Regierungspolitik. Die slowakischen Behörden ermitteln wegen versuchten Mordes. Wie Innenminister Matus Sutaj Estok nach einer Sitzung des Sicherheitsrats weiter sagte, handelt es sich bei dem Mann um einen «einsamen Wolf», der mit der politischen Entwicklung in der Slowakei unzufrieden sei. Er sprach erneut von einem politisch motivierten Angriff. «Ich kann bestÀtigen, dass der VerdÀchtige kein Mitglied einer radikalisierten politischen Gruppierung ist, weder einer rechten noch einer linken», betonte Sutaj Estok.

Medienberichten zufolge soll Juraj C. in der Vergangenheit fĂŒr einen privaten Sicherheitsdienst gearbeitet und deshalb einen Waffenschein besessen haben. Die Tatwaffe habe er legal besessen. In seiner Heimatregion soll er sich nach Medienberichten auch als Schriftsteller versucht haben.

Politische Parteien sollen gemeinsam beraten

Die scheidende StaatsprÀsidentin Zuzana Caputova und ihr gewÀhlter Nachfolger Peter Pellegrini luden derweil die politischen Parteien zu Beratungen ein. «Lassen Sie uns aus dem Teufelskreis des Hasses und der gegenseitigen Beschuldigungen aussteigen», appellierte Caputova in Bratislava. Der Anschlag sei zwar eine individuelle Tat gewesen. «Aber die angespannte AtmosphÀre des Hasses war unser gemeinsames Werk.»

Bei der live im Fernsehen ĂŒbertragenen Rede traten Caputova und Pellegrini demonstrativ gemeinsam auf. «Wir wollen in dieser angespannten Situation ein Zeichen der VerstĂ€ndigung setzen», betonte Caputova. Beide verurteilten erneut den Angriff auf Fico. Pellegrini rief die politischen Parteien auf, ihren Wahlkampf vor der Europawahl am 9. Juni vorerst auszusetzen oder zumindest einzuschrĂ€nken, bis sich die Lage beruhigt hat.

Fico war um etwa 14.30 Uhr von einem AttentĂ€ter angeschossen worden, als er sich nach einer Kabinettssitzung im Kulturhaus der Kleinstadt Handlova ins Freie begab, um wartende AnhĂ€nger zu begrĂŒĂŸen. Das Lokalfernsehen RTV Prievidza veröffentlichte ein Video vom Tathergang: Zu sehen ist, wie sich ein Mann an den Zaun drĂ€ngt und aus unmittelbarer NĂ€he auf den MinisterprĂ€sidenten schießt. Nach Augenzeugenberichten soll der TĂ€ter den Politiker laut zu sich gerufen und dann aus unmittelbarer NĂ€he fĂŒnf SchĂŒsse auf ihn abgegeben haben. Der Regierungschef habe ein sogenanntes «Polytrauma», also mehrere schwere Verletzungen erlitten, teilte der Innenminister den Medien mit.

Der TV-Nachrichtensender TA3 und andere Medien bekamen eine Videoaufnahme aus der Polizeistation zugespielt. Darin sagt der benommen wirkende mutmaßliche AttentĂ€ter: «Ich stimme der Regierungspolitik nicht zu.» Als Beispiel nannte er mit undeutlicher Stimme die von der Regierung geplante Medienreform, gegen die seit Wochen Tausende Menschen demonstrieren. Auch die Frau des mutmaßlichen TĂ€ters wurde nach Medienberichten von der Polizei verhört.

Fico hatte erst vor Kurzem der liberalen Opposition vorgeworfen, ein Klima der Feindschaft gegen seine Regierung zu schĂŒren. Es sei nicht auszuschließen, dass es angesichts der aufgeheizten Stimmung irgendwann zu einer Gewalttat komme.

Nach dem Attentat droht die Polizei mit harten Strafen fĂŒr BeitrĂ€ge im Internet, «die das Verbrechen gutheißen und Hass verbreiten». Die Behörden hĂ€tten den digitalen Diskussionsraum genau im Blick, betonte die slowakische Polizei bei Facebook. «Es ist ganz einfach, einer Strafe zu entgehen: Alles, was es dazu braucht, sind Respekt und Toleranz.»

Beliebt - und umstritten

Fico ist GrĂŒnder und Chef der zuletzt immer nationalistischer gewordenen Linkspartei Smer-SSD und seit fast 30 Jahren einer der beliebtesten Politiker der Slowakei. Er polarisiert aber zugleich wie kaum ein anderer. Gegner nennen ihn «prorussisch» und werfen ihm vor, die Slowakei auf einen Ă€hnlichen Kurs wie Ungarn unter der Ägide des mit autoritĂ€ren Mitteln regierenden MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban fĂŒhren zu wollen.

TatsĂ€chlich aber hat die Slowakei im Unterschied zu Ungarn seit Ficos RĂŒckkehr an die Regierung im Oktober alle EU-Sanktionen gegen Russland mitgetragen und auch allen EU-Hilfen fĂŒr die Ukraine zugestimmt - einschließlich der Verwendung eingefrorener russischer Gelder fĂŒr die Ukraine und BefĂŒrwortung eines Beitritts der Ukraine zur EU, nicht aber zur Nato. Die Sanktionen gegen Russland lehnt Fico entgegen irrefĂŒhrender Medienberichte nicht grundsĂ€tzlich ab. Er kritisiert aber, dass manche von ihnen der von russischem Gas, Öl und Uran abhĂ€ngigen Slowakei mehr schaden als Russland selbst. Stattdessen verlangt er Sanktionen, die Russland empfindlicher treffen.

Bundeskanzler Olaf Scholz nannte das Attentat auf Fico «unertrĂ€glich». «Ich wĂŒnsche ihm, dass er sich gut von diesem feigen Anschlag erholt», sagte Scholz. US-PrĂ€sident Joe Biden sprach von einer «schrecklichen Gewalttat». «Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und dem slowakischen Volk», erklĂ€rte er.

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