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Israels Armee beginnt Großeinsatz im Westjordanland

28.08.2024 - 14:31:28

Das israelische MilitĂ€r geht im besetzten Westjordanland massiv gegen militante PalĂ€stinenser vor. Es ist unklar, wie lange der grĂ¶ĂŸte Einsatz in dem Gebiet seit Beginn des Gaza-Kriegs andauern soll.

  • Die MilitĂ€roperation könnte noch lĂ€nger dauern. - Foto: Nasser Ishtayeh/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

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  • Israels Armee hat mehrere Kontrollposten im Westjordanland. (Archivbild) - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • Das israelische MilitĂ€r geht im Westjordanland erneut gegen militante PalĂ€stinenser vor. - Foto: Majdi Mohammed/AP/dpa

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Die MilitÀroperation könnte noch lÀnger dauern. - Foto: Nasser Ishtayeh/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpaIsraels Armee hat mehrere Kontrollposten im Westjordanland. (Archivbild) - Foto: Ilia Yefimovich/dpaDas israelische MilitÀr geht im Westjordanland erneut gegen militante PalÀstinenser vor. - Foto: Majdi Mohammed/AP/dpa

Israel hat einen großangelegten MilitĂ€reinsatz im nördlichen Westjordanland gestartet, bei dem nach offiziellen palĂ€stinensischen Angaben mindestens zehn Menschen getötet worden sind. Die Armee drang nach eigenen Angaben in der Nacht in mehrere Orte ein, darunter Tulkarem und Dschenin. Die Vereinten Nationen kritisierten die HĂ€rte des Vorgehens.

Nach Medienberichten setzte das MilitĂ€r neben zahlreichen Infanteristen auch Drohnen und ScharfschĂŒtzen ein, zerstörte Infrastruktur mit Bulldozern und sperrte sĂ€mtliche Zufahrtswege nach Dschenin. Es sei zu Feuergefechten mit bewaffneten PalĂ€stinensern gekommen. Mehrere gesuchte PalĂ€stinenser seien festgenommen worden. 

Dem palĂ€stinensischen Gesundheitsministerium im Westjordanland zufolge wurden in Tubas - ebenfalls im nördlichen Westjordanland - sieben Tote in ein Krankenhaus gebracht. Außerdem bestĂ€tigte das Ministerium zwei Tote in Dschenin und einen weiteren in einem Ort in der NĂ€he der Stadt.

Israelischen und palÀstinensischen Medien zufolge umstellten die EinsatzkrÀfte auch KrankenhÀuser in beiden StÀdten und blockierten Krankenwagen. Die Armee kontrolliere den Zutritt zu den KlinikgebÀuden, um zu verhindern, dass sich Militante dort verschanzen, sagte ein israelischer Armeesprecher. 

Armee: MilitÀreinsatz wegen Anstiegs von AnschlÀgen

Hintergrund des Einsatzes sei eine zuletzt deutlich gestiegene Anzahl von AnschlĂ€gen auf Israelis, die im nördlichen Westjordanland ihren Ursprung gehabt hĂ€tten, sagte der Sprecher. Er verwies dabei auch auf die jĂŒngste Explosion eines Sprengsatzes in Tel Aviv, bei dem der AttentĂ€ter getötet und ein Passant verletzt worden waren.

Nach israelischer Darstellung ist Ziel des großangelegten Einsatzes vor allem in Dschenin und Tulkarem ein vom Iran unterstĂŒtztes Terrornetzwerk. Beide StĂ€dte gelten als Hochburgen militanter PalĂ€stinenser. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast elf Monaten seien allein von dort aus rund 150 AnschlĂ€ge mit Schusswaffen und SprengsĂ€tzen auf Israelis verĂŒbt worden, sagte der MilitĂ€rsprecher. 

Der israelische Außenminister Israel Katz schrieb bei X: «Wir mĂŒssen mit der Bedrohung genauso umgehen wie mit der Terror-Infrastruktur in Gaza, einschließlich der vorĂŒbergehenden Evakuierung palĂ€stinensischer Zivilisten.» Es sei «ein Krieg in jeder Hinsicht, und wir mĂŒssen dabei siegen». Der Armeesprecher sagte dazu, ihm sei zu möglichen EvakuierungsplĂ€nen der Zivilbevölkerung im nördlichen Westjordanland nichts bekannt. 

Bericht: MilitÀreinsatz im Westjordanland könnte Tage dauern

Die MilitÀroperation könnte nach Informationen der «Times of Israel» noch lÀnger dauern. Er sei Quellen in der Armee zufolge auf mehrere Tage angelegt.

«Die israelische Armee geht seit heute Nacht mit aller Macht in den FlĂŒchtlingslagern von Dschenin und Tulkarem gegen ein islamistisch-iranisches Terrornetzwerk vor», schrieb Außenminister Katz. Der Iran arbeite daran, Ă€hnlich wie im Gazastreifen und dem Libanon «durch die Finanzierung und AufrĂŒstung von Terroristen sowie Schmuggel fortschrittlicher Waffen ĂŒber Jordanien eine östliche Terrorfront gegen Israel in JudĂ€a und Samaria (Westjordanland) aufzubauen».

 

WĂ€hrend eines Einsatzes in dem FlĂŒchtlingsviertel Nur Schams in Tulkarem beschĂ€digten israelische EinsatzkrĂ€fte Armeeangaben zufolge versehentlich eine Wasserleitung, als sie vergrabene SprengsĂ€tze freilegten. Die Wasserversorgung laufe ĂŒber andere Quellen. Das MilitĂ€r erlaube es Anwohnern, das Gebiet zu verlassen, hieß es weiter. Es gebe fĂŒr sie aber keine Anweisung, dies zu tun, betonte Israels MilitĂ€r.

630 PalÀstinenser seit dem 7. Oktober getötet

Die ohnehin angespannte Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker mit 1.200 Toten am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Beginn des Gaza-Kriegs deutlich verschÀrft. Seitdem wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Ramallah bei israelischen MilitÀreinsÀtzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und AnschlÀgen von Extremisten mehr als 630 PalÀstinenser getötet.

Vor allem in Dschenin und Tulkarem gibt es immer wieder Razzien der israelischen Armee. Erst am Montag kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei einem israelischen Luftangriff in dem FlĂŒchtlingsviertel Nur Schams in Tulkarem fĂŒnf Menschen ums Leben. Das Bombardement hatte nach Angaben der israelischen Armee militante PalĂ€stinenser zum Ziel.

UN-MenschenrechtsbĂŒro kritisiert Israel

Das UN-MenschenrechtsbĂŒro in Genf warnte, dass die MilitĂ€raktion die schon «katastrophale Lage» im Westjordanland verschlimmern könnte. Bei den israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen seit dem 7. Oktober seien viele MinderjĂ€hrige getötet worden, die etwa Steine geworfen hĂ€tten, aber keine Bedrohung fĂŒr Leib und Leben von anderen dargestellt hĂ€tten, hieß es. 

«Eine solche unnötige oder unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Gewaltanwendung und die Zunahme offensichtlich gezielter und anderer summarischer Tötungen sind alarmierend», sagte die Sprecherin Ravina Shamdasani. Israel verstoße gegen Menschenrechtsnormen und -standards, die fĂŒr Strafverfolgungsmaßnahmen gelten. 

Der Sprecher von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres, StĂ©phane Dujarric, sagte in New York, dass die Menschen in der besetzten Region zunehmend «tödlichen Kriegstaktiken» ausgesetzt seien, «die die internationalen Standards fĂŒr die Strafverfolgung zu ĂŒberschreiten scheinen». Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnte auf X, der Einsatz dĂŒrfe nicht die Voraussetzung dafĂŒr schaffen, den Krieg im Gazastreifen auszuweiten. 

BemĂŒhungen um Gaza-Waffenruhe gehen weiter

Unterdessen gehen die KĂ€mpfe im Gazastreifen ebenso weiter wie die BemĂŒhungen um eine Waffenruhe und Freilassung der verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas. 

Eine israelische Delegation sollte zu weiteren GesprĂ€chen ĂŒber ein Abkommen mit der Hamas nach Doha reisen. Die indirekten Verhandlungen, bei denen Katar sowie Ägypten und die USA zwischen den Konfliktparteien vermitteln, treten seit Monaten auf der Stelle.

@ dpa.de