Letzte, Vorbereitungen

Letzte Vorbereitungen fĂŒr Papstwahl

06.05.2025 - 12:48:18

Das Konklave lĂ€uft streng geheim ab. Noch zeigen sich die 133 KardinĂ€le der Außenwelt. Doch damit ist es bald vorbei. FĂŒr Franziskus' Nachfolge gibt es einen Favoriten - und viele weitere AnwĂ€rter.

Die Suche nach dem Nachfolger von Papst Franziskus geht in die entscheidende Phase: Im Vatikan kamen die versammelten KardinĂ€le zu einem letzten Vorbereitungstreffen zusammen, bevor an diesem Mittwoch unter strengster Geheimhaltung die Wahl beginnt. Alle 133 KardinĂ€le, die in einem Konklave darĂŒber entscheiden werden, sind bereits in Rom. WĂ€hlen darf in der Sixtinischen Kapelle nur, wer unter 80 Jahre alt ist. 

In der sogenannten Generalkongregation konnten noch einmal alle KardinĂ€le zusammentreffen - auch die, die wegen Überschreitens der Altersgrenze im Konklave nicht dabei sein dĂŒrfen. Im internen Kreis hatten die verschiedenen genannten Kandidaten auch noch einmal die Möglichkeit, sich zu Ă€ußern. Als Favorit wird die bisherige Nummer zwei des katholischen Kirchenstaats, KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Parolin, gehandelt. Als ranghöchster Kardinal leitet der 70-JĂ€hrige auch das Konklave.

Abgeschottet von der Außenwelt

WĂ€hrend der Wahl sind die KirchenmĂ€nner strikt abgeschottet von der Öffentlichkeit. Alle Smartphones und anderen elektronischen GerĂ€te mĂŒssen sie zuvor abgeben. Übernachten werden sie im GĂ€stehaus des Vatikans, der Casa Santa Marta, sowie einem Ă€lteren Anbau. Auch dort dĂŒrfen sie keinen Kontakt nach draußen haben. Erst wenn der neue Papst gewĂ€hlt ist und sich gezeigt hat, sind sie in ihrer Bewegung wieder frei.

Der erste Wahlgang findet bereits an diesem Mittwochnachmittag statt. Allerdings erwartet niemand, dass aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle danach schon weißer Rauch aufsteigt. Das ist das Zeichen, dass es einen neuen Pontifex gibt - den 267. in zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte. In der jĂŒngeren Vergangenheit dauerten die meisten Konklave zwei oder drei Tage. Der Papst ist Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.

Favoriten und Außenseiter

Die Nachfolge von Franziskus gilt als offen. Als aussichtsreiche AnwÀrter gelten neben Parolin zwei weitere Italiener: der Erzbischof von Bologna, Matteo Zuppi (69), sowie der Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa (60). Setzt sich einer von ihnen durch, wÀre zum ersten Mal seit 1978 wieder ein Italiener an der Reihe. 

Weitere KardinÀle, deren Namen viel genannt werden, sind der Philippiner Luis Antonio Tagle (67), der Franzose Jean-Marc-Aveline (66), der Portugiese José Tolentino de Mendonça (59), der Ungar Peter Erdö (72), Fridolin Ambongo Besungu (65) aus der Demokratischen Republik Kongo und der Luxemburger Jean-Claude Hollerich (66). Die Liste der möglichen neuen PÀpste wird von Tag zu Tag aber immer lÀnger: Inzwischen finden sich darauf schon etwa zwei Dutzend Namen. 

Wie das Konklave ablÀuft

Das Konklave findet unter strengster Geheimhaltung statt, abgeschottet vom Rest der Welt. Der Name kommt vom lateinischen «cum clave» - also «mit dem SchlĂŒssel», im Sinne von «eingeschlossen». Los geht es an diesem Mittwoch um 16.30 Uhr mit dem Einzug der KardinĂ€le in die Sixtinische Kapelle. Zuvor findet im Petersdom am Vormittag noch einmal eine große Messe statt.

Störsender sollen jede Kommunikation zwischen dem abgeschirmten Bereich des Vatikans, in dem sich die KardinĂ€le aufhalten, und der Außenwelt verhindern. Es gibt weder Fernsehen noch Radio oder Internet. Wenn die TĂŒren der Kapelle sich hinter ihnen schließen, schwören die KardinĂ€le Geheimhaltung. Auch alle, die zu ihrer Versorgung oder fĂŒr medizinische NotfĂ€lle in der NĂ€he bleiben, mĂŒssen einen Eid ablegen.

Wann kommt das Habemus Papam?

GewĂ€hlt wird zu festgelegten Terminen - nach der ersten Runde am Mittwoch zweimal vormittags, zweimal nachmittags und so lange, bis ein Kandidat eine Zweidrittelmehrheit erhĂ€lt. Nach erfolglosen WahlgĂ€ngen steigt schwarzer Rauch aus dem extra installierten Schornstein auf, nach der Papstwahl weißer. Dann folgt das Habemus Papam (Wir haben einen Papst): Der neue Pontifex tritt auf den Balkon des Petersdoms und zeigt sich den Zehntausenden, die unten auf dem Petersplatz auf ihn warten - und auch dem Rest der Welt. 

Der Papst steht der grĂ¶ĂŸten christlichen Glaubensgemeinschaft der Welt vor. Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist er Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Zudem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und Staatsoberhaupt des Vatikans. Große weltliche Macht hat der Papst nicht. Er ist aber fĂŒr viele Menschen eine moralische AutoritĂ€t. 

Franziskus' Erbe

Franziskus wurde 2013 nach dem ĂŒberraschenden RĂŒcktritt seines deutschen VorgĂ€ngers Benedikt XVI. nach anderthalb Tagen gewĂ€hlt, im fĂŒnften Wahlgang. In den zwölf Jahren seines Pontifikats meldete er sich immer wieder zu aktuellen Fragen zu Wort. Vor Kritik an MĂ€chtigen schreckte er nicht zurĂŒck. Er verlangte mehr Menschlichkeit im Umgang mit Migranten, sorgte sich um die Natur oder kritisierte das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg. 

Der Argentinier - mit bĂŒrgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio - verzichtete auf viele Privilegien und Statussymbole. Er wurde 88 Jahre alt. Älter wurde nur ein einziger anderer Papst. Bestattet wurde er nicht im Petersdom im Vatikan, sondern in der Marienkirche Santa Maria Maggiore in der NĂ€he des Hauptbahnhofs - seiner Lieblingskirche in Rom.

@ dpa.de