Friedensappell vor Konklave zur Papstwahl
06.05.2025 - 17:15:59Kurz vor dem Konklave zur Wahl des neuen Papstes haben sich die KardinĂ€le der katholischen Kirche mit einem Friedensappell an die Welt gewandt. Sie riefen alle Kriegsparteien in den verschiedensten Konfliktregionen auf, «so schnell wie möglich einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen». Es war die wahrscheinlich letzte gemeinsame Wortmeldung der WĂŒrdentrĂ€ger, bevor die DrĂ€hte zur AuĂenwelt am Mittwoch gekappt werden.
Mit Beginn des Konklaves in der Sixtinischen Kapelle am Nachmittag soll nur noch nach auĂen dringen, ob die WahlgĂ€nge zur Nachfolge von Papst Franziskus erfolgreich waren oder nicht. Alle 133 KardinĂ€le, die darĂŒber entscheiden werden, sind bereits in Rom. WĂ€hlen darf nur, wer unter 80 Jahre alt ist.Â
Fischerring und Siegel unbrauchbar gemacht
In einer letzten sogenannten Generalkongregation kamen noch einmal mehr als 170 KardinĂ€le zusammen â auch die, die wegen Ăberschreitens der Altersgrenze im Konklave nicht dabei sein dĂŒrfen. Dabei hatten die verschiedenen genannten Kandidaten auch noch einmal die Möglichkeit, sich intern zu Ă€uĂern. Als Favorit gilt aktuell die bisherige Nummer zwei des katholischen Kirchenstaats, KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Parolin. Als ranghöchster Kardinal leitet der 70-JĂ€hrige auch das Konklave.Â
Der Abschied von Franziskus fand seinen Niederschlag am Vortag des Konklaves in einem weiteren rituellen Akt: Im Beisein der KardinĂ€le wurden der Fischerring des alten Papstes und sein Siegel unbrauchbar gemacht. DafĂŒr wurden die OberflĂ€chen der MetallgegenstĂ€nde bearbeitet, wie auf Bildmaterial des Vatikans zu sehen war. Der Fischerring weist den Papst als Nachfolger des Apostels Petrus aus.
Abgeschottet von der AuĂenwelt
WĂ€hrend der Wahl sind die KirchenmĂ€nner strikt abgeschottet von der Ăffentlichkeit. Alle Smartphones und anderen elektronischen GerĂ€te mĂŒssen sie abgeben. Ăbernachten werden sie im GĂ€stehaus des Vatikans, der Casa Santa Marta, sowie einem Ă€lteren Anbau. Auch dort dĂŒrfen sie keinen Kontakt nach drauĂen haben. Erst wenn der neue Papst gewĂ€hlt ist und sich gezeigt hat, sind sie in ihrer Bewegung wieder frei.
Der erste Wahlgang findet bereits an diesem Mittwochnachmittag statt. Allerdings erwartet niemand, dass aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle danach schon weiĂer Rauch aufsteigt. Das ist das Zeichen, dass es einen neuen Pontifex gibt â den 267. in zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte. In der jĂŒngeren Vergangenheit dauerten die meisten Konklaven zwei oder drei Tage. Der Papst ist Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.
Favoriten und AuĂenseiter
Die Nachfolge von Franziskus gilt als offen. Als aussichtsreiche AnwĂ€rter gelten neben Parolin zwei weitere Italiener: der Erzbischof von Bologna, Matteo Zuppi (69), sowie der Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa (60). Setzt sich einer von ihnen durch, wĂ€re zum ersten Mal seit 1978 wieder ein Italiener an der Reihe.Â
Weitere KardinĂ€le, deren Namen viel genannt werden, sind der Philippiner Luis Antonio Tagle (67), der Franzose Jean-Marc-Aveline (66), der Portugiese JosĂ© Tolentino de Mendonça (59), der Ungar Peter Erdö (72), Fridolin Ambongo Besungu (65) aus der Demokratischen Republik Kongo und der Luxemburger Jean-Claude Hollerich (66). Die Liste der möglichen neuen PĂ€pste wird von Tag zu Tag aber immer lĂ€nger: Inzwischen finden sich darauf schon etwa zwei Dutzend Namen.Â
Wie das Konklave ablÀuft
Das Konklave findet unter strengster Geheimhaltung statt, abgeschottet vom Rest der Welt. Der Name kommt vom lateinischen «cum clave» â also «mit dem SchlĂŒssel», im Sinne von «eingeschlossen». Los geht es an diesem Mittwoch um 16.30 Uhr mit dem Einzug der KardinĂ€le in die Sixtinische Kapelle. Zuvor findet im Petersdom am Vormittag noch einmal eine groĂe Messe statt.
Störsender sollen jede Kommunikation zwischen dem abgeschirmten Bereich des Vatikans, in dem sich die KardinĂ€le aufhalten, und der AuĂenwelt verhindern. Es gibt weder Fernsehen noch Radio oder Internet. Wenn die TĂŒren der Kapelle sich hinter ihnen schlieĂen, schwören die KardinĂ€le Geheimhaltung. Auch alle, die zu ihrer Versorgung oder fĂŒr medizinische NotfĂ€lle in der NĂ€he bleiben, mĂŒssen einen Eid ablegen.
Wann kommt das Habemus Papam?
GewĂ€hlt wird zu festgelegten Terminen â nach der ersten Runde am Mittwoch zweimal vormittags, zweimal nachmittags und so lange, bis ein Kandidat eine Zweidrittelmehrheit erhĂ€lt. Nach erfolglosen WahlgĂ€ngen steigt schwarzer Rauch aus dem extra installierten Schornstein auf, nach der Papstwahl weiĂer. Dann folgt das Habemus Papam (Wir haben einen Papst): Der neue Pontifex tritt auf den Balkon des Petersdoms und zeigt sich den Zehntausenden, die unten auf dem Petersplatz auf ihn warten â und auch dem Rest der Welt.Â
Der Papst steht der gröĂten christlichen Glaubensgemeinschaft der Welt vor. Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist er Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Zudem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und Staatsoberhaupt des Vatikans. GroĂe weltliche Macht hat der Papst nicht. Er ist aber fĂŒr viele Menschen eine moralische AutoritĂ€t.Â
Franziskus' Erbe
Franziskus wurde 2013 nach dem ĂŒberraschenden RĂŒcktritt seines deutschen VorgĂ€ngers Benedikt XVI. nach anderthalb Tagen gewĂ€hlt, im fĂŒnften Wahlgang. In den zwölf Jahren seines Pontifikats meldete er sich immer wieder zu aktuellen Fragen zu Wort. Vor Kritik an MĂ€chtigen schreckte er nicht zurĂŒck. Er verlangte mehr Menschlichkeit im Umgang mit Migranten, sorgte sich um die Natur oder kritisierte das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg.Â
Der Argentinier â mit bĂŒrgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio â verzichtete auf viele Privilegien und Statussymbole. Er wurde 88 Jahre alt. Nur ein anderer Papst wurde Ă€lter. Bestattet wurde er nicht im Petersdom im Vatikan, sondern in der Marienkirche Santa Maria Maggiore in der NĂ€he des Hauptbahnhofs â seiner Lieblingskirche in Rom.





