Weißhelme, HĂ€ftlinge

Weißhelme: Keine HĂ€ftlinge mehr in Assads «Schlachthaus»

10.12.2024 - 03:48:32

Das MilitÀrgefÀngnis Saidnaja war als Folterkammer des syrischen Machtapparats bekannt. Nach dem Umsturz durchkÀmmten Aktivisten den riesigen Komplex - und mussten verzweifelte Familien enttÀuschen.

Im berĂŒchtigten MilitĂ€rgefĂ€ngnis Saidnaja befinden sich nach dem Sturz der syrischen Regierung laut Aktivisten mittlerweile keine Gefangenen mehr. Die systematische Durchsuchung des riesigen Komplexes nördlich von Damaskus nach geheimen Zellen und verborgenen KellerrĂ€umen sei inzwischen abgeschlossen. Zugleich Ă€ußerten die als Weißhelme bekannten Mitglieder des syrischen Zivilschutzes ihr MitgefĂŒhl mit den vielen Familien, die vergeblich darauf gehofft hĂ€tten, dass vermisste Angehörige nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad lebend in dem GefĂ€ngnis gefunden werden.

Laut dem Leiter der Weißhelme, Raid Al Saleh, sollen insgesamt rund 150.000 Menschen in dem GefĂ€ngnis inhaftiert gewesen sein, das unter Syrern wegen des brutalen Vorgehens der WĂ€rter und berĂŒchtigter Foltermethoden als «Schlachthaus» bekannt ist. Unter den Inhaftierten waren laut der Organisation Tausende unschuldige Zivilisten, «die vom frĂŒheren Assad-Regime eingekerkert wurden». Überlebende und Angehörige hĂ€tten nach Assads Sturz und der StĂŒrmung des GefĂ€ngnisses durch OppositionskrĂ€fte vermutet, dass einige HĂ€ftlinge noch immer in verschlossenen Zellen und GeheimrĂ€umen festsĂ€ĂŸen. Viele dieser Hoffnungen seien nun schmerzlich enttĂ€uscht worden.

Mithilfe von SpĂŒrhunden und Insidern, die mit dem GefĂ€ngnis vertraut seien, hĂ€tten fĂŒnf Suchteams den gesamten Komplex durchkĂ€mmt, teilten die Weißhelme mit. «Alle EingĂ€nge, AusgĂ€nge, LuftschĂ€chte, Abwasseranlagen, Wasserrohre, KabelschĂ€chte und Überwachungskameras wurden ĂŒberprĂŒft», hieß es. «Trotz dieser umfangreichen BemĂŒhungen wurden keine versteckten oder verschlossenen Bereiche entdeckt.» Die Suche nach den vermissten Opfern des Machtapparats gehe dennoch weiter - auch außerhalb des GefĂ€ngnisses gebe es MassengrĂ€ber und zahllose Leichen zu identifizieren.

@ dpa.de