Bonner Konferenz sucht Lösung fĂŒr Klimafinanzierung
03.06.2024 - 13:29:10(dpa) - Rund 6000 Experten aus fast allen Staaten der Welt suchen seit Montag in Bonn eine Lösung fĂŒr die strittige Frage der Klimafinanzierung. Seit 2009 gibt es das Ziel, dass die IndustrielĂ€nder jedes Jahr Milliardenhilfen fĂŒr die Ă€rmeren LĂ€nder bereitstellen sollen. Dies wurde 2015 im Pariser Klimaabkommen bestĂ€tigt und bis 2025 verlĂ€ngert. 2022 wurde erstmals die angestrebte Summe von jĂ€hrlich 100 Milliarden Dollar erreicht.
Doch nun ist die Frage, wie es nach 2025 weitergehen soll. Die nÀchste Weltklimakonferenz im kommenden November in Baku in Aserbaidschan soll hierzu einen konkreten Beschluss fassen.
UN-Klimachef Simon Stiell rief die Teilnehmer in seiner Eröffnungsrede im World Conference Center in Bonn zu verstĂ€rkten Anstrengungen auf. «Wir können es uns absolut nicht leisten, in den nĂ€chsten zehn Tagen zu stolpern», sagte der grenadische Politiker. «Es ist klar, dass die Klimaschutz-MaĂnahmen in einem viel, viel schnelleren Tempo erfolgen mĂŒssen.»
Was fordert der Globale Norden?
Bonn ist Sitz des UN-Klimasekretariats und deshalb jedes Jahr im Juni Schauplatz der zehntĂ€gigen Zwischenkonferenz zur Vorbereitung der nĂ€chsten Weltklimakonferenz. Dieses Jahr wird dem Treffen wegen der brisanten Finanzfrage besondere Bedeutung zugemessen. «Bonn ist wichtig, damit die Verhandlungsparteien zumindest einmal signalisieren, wo sie sich bewegen könnten», sagte der Germanwatch-Klimaexperte David Ryfisch der Deutschen Presse-Agentur. «Es muss dringend wieder neues Vertrauen aufgebaut werden, denn dadurch, dass die jĂ€hrlichen 100 Milliarden lediglich 2022 ĂŒbertroffen wurden, ist das Vertrauen zwischen Industrie- und EntwicklungslĂ€ndern nachhaltig geschĂ€digt.»
Die reichen LĂ€nder des Globalen Nordens fordern unter anderem, dass sich nicht nur sie, sondern etwa auch die Golfstaaten an den Klima-Zahlungen beteiligen. «Die Herausforderung ist, dass wir eine gewaltige LĂŒcke haben zwischen dem Bedarf und dem, was tatsĂ€chlich bereitgestellt wird», sagte Ryfisch.
«Da geht's jetzt richtig zur Sache»
Dass in Bonn schon konkrete TextentwĂŒrfe vorgelegt werden, gilt als eher unwahrscheinlich. «Aber die GesprĂ€che werden sehr intensiv sein», erwartet der Klimaexperte der Hilfsorganisation Oxfam, Jan Kowalzig. «In den vergangenen Jahren wurden dazu nur ExpertengesprĂ€che auf technischer Ebene gefĂŒhrt, aber dieses Jahr wird konkret verhandelt», sagte Kowalzig der dpa. «Da geht's jetzt richtig zur Sache, damit es vor Baku dann einen Beschlussentwurf gibt, und diese zentrale Frage in Baku dann auch wirklich entschieden werden kann. DafĂŒr ist diese Runde in Bonn hier ganz, ganz wichtig. Da kann man mit Spannung erwarten, wie die Verhandlungen verlaufen.»
Nach einer aktuellen Unicef-Studie können extreme Hitze sowie Luftverschmutzung vor allem fĂŒr Neugeborene und Kleinkinder schwerwiegende Folgen bis hin zum Tod haben. MangelernĂ€hrung, die fĂŒr fast die HĂ€lfte aller weltweiten TodesfĂ€lle von Kindern unter fĂŒnf Jahren mitverantwortlich sei, werde durch den Klimawandel voraussichtlich zunehmen. Auch fĂŒr Kinder oft lebensgefĂ€hrliche Krankheiten wie Malaria wĂŒrden sich weiter ausbreiten.


