Harris, Trump

Harris oder Trump? So lÀuft die US-Wahl

29.10.2024 - 06:00:39 | dpa.de

Das Rennen ums Weiße Haus ist offen wie selten zuvor. Wie funktioniert die Wahl genau? Wann steht fest, wer gewonnen hat? Wie verlĂ€sslich sind die Umfragen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Eine Harris-AnhĂ€ngerin hofft auf den Sieg der Demokratin. - Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa
  • Das Rennen zwischen Kamala Harris und Donald Trump ist laut Umfragen völlig offen. - Foto: Uncredited/AP
  • In vielen US-Bundesstaaten ist eine vorzeitige Stimmabgabe wie hier in Indiana möglich. Mehr als 40 Millionen Menschen haben schon gewĂ€hlt. - Foto: Darron Cummings/AP/dpa
  • Trump-Fans bei dessen Rede im Madison Square Garden in New York. - Foto: Yuki Iwamura/AP/dpa
'.$caption.' '.$caption.' '.$caption.' '.$caption.'

Wird mit Kamala Harris zum ersten Mal in der US-Geschichte eine Frau PrĂ€sidentin? Oder kehrt Donald Trump zurĂŒck? Der Ausgang der US-Wahl ist Umfragen zufolge so eng wie lange nicht mehr. 

Die 60 Jahre alte Demokratin tritt mit Tim Walz als VizeprÀsidentschaftskandidaten an, dem Gouverneur von Minnesota. Der 78-jÀhrige Republikaner hat sich J.D. Vance als Stellvertreter ausgesucht, ein junger Senator aus Ohio.

Rund 155 Millionen Menschen haben vor vier Jahren ihre Stimme abgegeben. 81 Millionen davon gingen an Joe Biden, mehr als je zuvor fĂŒr einen Kandidaten. Wirklich entscheidend waren aber gerade einmal 43.000 Menschen in drei Bundesstaaten. Das liegt am komplizierten Wahlsystem. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer wird gewÀhlt?

Am 5. November entscheiden die US-BĂŒrger, wer von Januar an fĂŒr vier Jahre die mĂ€chtigste Demokratie der Welt fĂŒhren wird. Neben der PrĂ€sidentschaftswahl fallen ĂŒberall Tausende weitere Entscheidungen. Besonders wichtig ist der US-Kongress mit Senat und ReprĂ€sentantenhaus - den beiden Kammern, die ĂŒber Gesetze in den USA bestimmen. Von den 100 Senatoren wird ein Drittel neu gewĂ€hlt, die Amtszeit betrĂ€gt sechs Jahre. Die 435 Abgeordneten im ReprĂ€sentantenhaus werden nur fĂŒr zwei Jahre bestimmt, sie werden komplett neu gewĂ€hlt. Hinzu kommen Entscheidungen ĂŒber Gouverneure und Kongresse vieler einzelner Bundesstaaten, Stadtparlamente, SchulbeirĂ€te, Staatsanwaltschaften oder Volksabstimmungen zu Abtreibungen, der Frage, ob Maine eine neue Flagge bekommt oder ob in Denver kĂŒnftig Pelze verboten sind.

Warum wÀhlen die Amerikaner immer an einem Dienstag im November?

Das hat historische GrĂŒnde: Die Ernte sollte vorĂŒber sein, außerdem sollte den GlĂ€ubigen keine Wahl am Sonntag zugemutet werden, sie sollten in lĂ€ndlichen Gebieten nicht einmal die manchmal beschwerliche Reise Richtung Wahllokal antreten mĂŒssen, sondern dazu erst am Montag aufbrechen. 1845 erließ der Kongress deshalb ein Gesetz, das den «Dienstag nach dem ersten Montag im November» als Wahltag bestimmte.

Wer darf in den USA wÀhlen?

GrundsĂ€tzlich dĂŒrfen wie in Deutschland alle BĂŒrger ab 18 Jahren wĂ€hlen. Das waren bei der Wahl 2020 rund 232 Millionen Menschen. Weil es in den USA aber keine generelle Meldepflicht gibt, mĂŒssen sich Wahlwillige in ein Register eintragen lassen. Sie geben dabei auch eine generelle ParteiprĂ€ferenz an und hinterlegen, ob sie sich als «Demokrat», «Republikaner» oder «UnabhĂ€ngiger» registrieren wollen. Damit legen sie sich nicht fĂŒr die tatsĂ€chliche Abstimmung in der Wahlkabine fest, aber die Registrierung bestimmt in der Regel darĂŒber, dass man nur fĂŒr diese Partei an den Vorwahlen teilnehmen kann. 

Mehr als fĂŒnf Millionen Menschen in den USA wurde zudem das Wahlrecht entzogen, weil sie im GefĂ€ngnis waren – in den allermeisten Bundesstaaten erlangt man es auch nach der Freilassung nicht zurĂŒck. Überproportional oft trifft das Schwarze. Sie wĂ€hlen in der Regel hĂ€ufiger Demokraten-Kandidaten, sodass die Republikaner meist Änderungen der Regeln fĂŒr HĂ€ftlinge bekĂ€mpfen. 

Wegen dieser EinschrÀnkungen lÀsst sich die Zahl der Wahlberechtigten in den USA nur schwer genau beziffern. Bei der Wahl 2020 stimmten laut der US-Statistikbehörde rund 155 Millionen Amerikaner ab. Gemessen an der Bevölkerung im wahlfÀhigen Alter entsprach das einer Wahlbeteiligung von rund 66,8 Prozent - ein Rekordwert.

Wie genau wird der PrÀsident oder die PrÀsidentin gewÀhlt? Was sind Wahlleute?

Die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler bestimmen nicht direkt ĂŒber den oder die PrĂ€sidentin, sondern sie entscheiden darĂŒber, wem die Wahlleute ihres jeweiligen Bundesstaates ihre Stimme zu geben haben. Diese Delegierten werden im Dezember zur formellen Abstimmung ĂŒber den PrĂ€sidenten geschickt. Dabei gilt in aller Regel: Wenn ein Kandidat in einem Staat auch nur mit einer WĂ€hlerstimme vorn liegt, bekommt er alle Wahlleute in diesem Staat zugesprochen – außer in Nebraska und Maine stimmen alle Delegierten eines Staates als Block ab.

Was sind «Swing States» oder «Battleground States»?

In den USA gibt es beim Wahlverhalten wie in vielen anderen LĂ€ndern starke geografische und demografische Unterschiede: StĂ€dter und Menschen an der Ost- und WestkĂŒste wĂ€hlen hĂ€ufiger die Demokraten. WĂ€hler in lĂ€ndlicheren Gebieten und in den Staaten im SĂŒdosten stimmen eher fĂŒr die Republikaner. Aufgrund von historischen Erfahrungen gilt es schon jetzt in ĂŒber 40 Staaten als sicher, wer gewinnt. Der Wahlkampf konzentriert sich auf sieben Bundesstaaten in der Mitte, die in der Vergangenheit mal fĂŒr die eine, mal fĂŒr die andere Partei gestimmt haben. Sie werden in den USA «Swing States» oder «Battleground States» genannt, «Schlachtfelder-Staaten». In Michigan, Pennsylvania und Wisconsin im Norden und in Nevada, Arizona, Georgia und North Carolina im SĂŒden kommt es auf jede Stimme an. In Umfragen liegen die beiden Kandidaten in allen diesen Staaten aktuell höchstens rund zwei Prozentpunkte auseinander.

Wann kommen die ersten Hochrechnungen?

Wegen der vielen Zeitzonen in den USA gibt es keine einheitliche Schließung der Wahllokale. Stattdessen endet die Wahl in den Bundesstaaten im Osten zuerst, den Abschluss bildet Hawaii. Anders als in Deutschland gibt es keine Prognose beim Schließen der Wahllokale und auch keine Hochrechnung wĂ€hrend der AuszĂ€hlung. Deutet sich allerdings aufgrund von historischen Ergebnissen und Vorwahlumfragen an, dass einem Kandidaten der Sieg in einem Bundesstaat kaum noch zu nehmen ist, dann rufen die großen Fernsehsender einen Gewinner aus. Diese Aussagen gelten als sehr verlĂ€sslich, die Sender unterhalten eigene «Entscheidungstische» mit teils jahrzehntelang erfahrenen Experten.

Wie lange dauert die AuszÀhlung? Wann steht fest, wer gewinnt?

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass es am Dienstagabend noch keinen Sieger gibt, aber unmöglich ist es nicht. 2020 wurde Joe Biden am Samstagmorgen nach der Wahl zum Sieger erklÀrt. Anders als in Deutschland gibt es je nach Bundesstaat oft sehr unterschiedliche AuszÀhlungsmodalitÀten mit Computern oder nur auf Papier. Bei sehr engen Entscheidungen sehen die meisten Bundesstaaten eine manuelle NachzÀhlung vor.

Wer hat bessere Chancen?

Es ist wirklich sehr unklar. In landesweiten Umfragen hat Kamala Harris einen minimalen Vorsprung, doch in den entscheidenden Swing States liegen beide gleichauf. Donald Trump hat in den vergangenen Wochen ein klein wenig Boden gut gemacht.

Wie verlÀsslich sind Wahlumfragen in den USA?

Generell verlĂ€sslicher als ihr Ruf. Es ist aber schwer, die genaue Zusammensetzung der WĂ€hlerschaft vorherzusagen. 2020 stellte sich bei Nachbefragungen heraus, dass rund 20 Prozent der WĂ€hler vier Jahre zuvor nicht zur Wahl gegangen waren. Dieser Anteil lag auch in frĂŒheren Jahren Ă€hnlich hoch. Trump wurde 2016 und 2020 unterschĂ€tzt, die Demokraten sind seit 2022 bei den Zwischenwahlen und in außerplanmĂ€ĂŸigen Wahlen deutlich besser gewesen als noch bei der Wahl 2020. Das liegt daran, dass in den USA das landesweite Recht auf legale Abtreibung gestrichen wurde. Die große Frage ist, ob sich 2024 die Serie von Trump oder Harris fortsetzt.

Wird Trump die Wahl anerkennen?

Es gibt die Angst, dass Trump und die Republikaner erneut versuchen, das Wahlergebnis anzuzweifeln, sollte Harris gewinnen. In manchen Staaten werden zuerst die persönlich abgegebenen Stimmen am Wahltag bekanntgegeben und erst danach die Stimmen ausgezĂ€hlt, die per Post oder persönlich in den Tagen vor der Wahl eingingen. Gerade Demokraten wĂ€hlen hĂ€ufiger vorab, wodurch die AuszĂ€hlung zunĂ€chst die Republikaner besser dastehen lĂ€sst und mit der Zeit mehr Stimmen fĂŒr die Demokraten hinzukommen. Trump hat deshalb 2020 noch in der Wahlnacht behauptet, er sei uneinholbar vorn und habe gewonnen, obwohl noch lĂ€ngst nicht alle Stimmen gezĂ€hlt waren. Nahezu alle Beobachter halten es fĂŒr sicher, dass er das auch dieses Jahr versucht.

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Nach der Zertifizierung in den Bundesstaaten und möglichen NachzĂ€hlungen per Hand kommen die Wahlleute am 17. Dezember in ihren jeweiligen Bundesstaaten zur Abstimmung zusammen. Im Januar wird dann im Senat noch einmal das Ergebnis zertifiziert, mit dem VizeprĂ€sidenten als Sitzungsleiter. Dieses Treffen hatte am 6. Januar 2021 zum Sturm auf das Kapitol gefĂŒhrt, weil Trumps damaliger Vize Mike Pence die Wahl anerkennen wollte. Trump hetzte einen Mob auf, und Hunderte Demonstrierende brachen in das ParlamentsgebĂ€ude ein, einige skandierten «HĂ€ngt Mike Pence!». Dieses Mal sitzt Anfang Januar 2025 Harris als noch amtierende VizeprĂ€sidentin dieser Sitzung vor.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
ausland | 66008308 |