«Stehe nicht vor Gericht»: Trump-AnklÀgerin verteidigt sich
16.02.2024 - 04:22:03Die AnklĂ€gerin von Ex-PrĂ€sident Donald Trump im Prozess wegen Wahlbeeinflussung im Bundesstaat Georgia hat sich gegen VorwĂŒrfe des Fehlverhaltens im Amt verteidigt. Bei einem Gerichtstermin in Atlanta stellte sich die zustĂ€ndige BezirksstaatsanwĂ€ltin Fani Willis den Fragen der Gegenseite - ursprĂŒnglich hatte sie versucht, diesen Auftritt im Zeugenstand zu vermeiden. Die 53-JĂ€hrige leitet die Anklage gegen Trump und weitere Beschuldigte wegen des mutmaĂlichen Versuchs, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 in dem Bundesstaat umzukehren.Â
Die AnwĂ€lte Trumps sowie die eines Mitangeklagten geben an, Willis und ihr Kollege, Staatsanwalt Nathan Wade, seien wegen einer Liebesbeziehung in einen Interessenkonflikt geraten. Der Vorwurf lautet unter anderem, Wade sei in seiner Position ĂŒberbezahlt worden und habe Willis zu gemeinsamen Luxusurlauben eingeladen.Â
Willis hat eine persönliche Beziehung zu Wade schon an frĂŒherer Stelle eingerĂ€umt, aber betont, dass es keinen Interessenkonflikt gebe, der es rechtfertigen wĂŒrde, sie von dem Fall abzuziehen. Nun erklĂ€rte sie mehrfach, fĂŒr gemeinsame Unternehmungen immer selbst gezahlt zu haben und legte dabei Wert auf die Aussage, finanziell unabhĂ€ngig zu sein.Â
Gerichtstermin im Livestream
Die Anhörung in Atlanta wurde unter anderem bei YouTube und dem US-Sender CNN live ĂŒbertragen - das ist in den USA nicht unĂŒblich. Weniger ĂŒblich war der Einblick in das Privatleben der Trump-AnklĂ€gerin. Neben ihr und Wade wurden auch ehemalige und aktuelle Kollegen befragt, die sich mitunter sichtbar unwohl fĂŒhlten.
Mit ihren Fragen zielten die AnwĂ€lte der Gegenseite auf Details der romantischen Beziehung zwischen Wade und Willis ab. Sie legten dabei etwa einen Fokus darauf, wo die beiden zu welchen Zeitpunkten gemeinsam genĂ€chtigt und wie sie es mit Ausgaben bei gemeinsamen AktivitĂ€ten gehandhabt hatten. Interessiert waren sie auĂerdem daran, wann genau die Beziehung begann und wann sie endete.Â
Willis hatte Wade im November 2021 eingestellt, um mit an dem Fall zu arbeiten. Wade und Willis sagten beide aus, ihre romantische Beziehung habe erst 2022 begonnen und im Sommer 2023 geendet. Die Aussage einer weiteren Zeugin stellt diese Zeitleiste jedoch infrage.Â
Geladene Stimmung
Die BezirksstaatsanwĂ€ltin war merkbar wĂŒtend. Sie bezeichnete einige Fragen als «beleidigend» und warf der Gegenseite an mehreren Stellen vor, zu lĂŒgen oder Gegebenheiten falsch darzustellen. An einem Punkt sagte Willis: «Glauben Sie, ich stehe hier vor Gericht? Diese Leute stehen vor Gericht, weil sie versucht haben, eine Wahl im Jahr 2020 zu stehlen. Ich stehe hier nicht vor Gericht, egal, wie sehr Sie versuchen, mich vor Gericht zu stellen.»Â
Die AnwĂ€lte der Gegenseite fielen ihre wiederum hĂ€ufiger ins Wort, sodass der zustĂ€ndige Richter Scott McAfee die Anhörung an einer Stelle fĂŒr wenige Minuten unterbrach und zu ProfessionalitĂ€t mahnte: In einem Raum, der «gröĂtenteils mit AnwĂ€lten gefĂŒllt» sei, bat McAfee die Beteiligten dringend darum, die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit zu achten.
Verfahren könnte ins Wanken geraten
Die Anschuldigungen gegen Willis waren ursprĂŒnglich von den AnwĂ€lten eines Mitangeklagten, Trumps einstigem Wahlkampfhelfer Mike Roman, erhoben worden. Diese hatten McAfee nicht nur aufgefordert, Willis von dem Fall abzuziehen, sondern auch, die gesamte Anklage gegen ihren Mandanten fallenzulassen. Der Forderung schlossen sich Trump und weitere Mitangeklagte an.Â
Sollte Willis tatsĂ€chlich disqualifiziert werden, könnte ihre Nachfolge erneut darĂŒber entscheiden, ob die Anklage gegen Trump und die verbleibenden 14 Angeklagten fortgesetzt werden soll. Vier der ehemaligen WeggefĂ€hrten des republikanischen PrĂ€sidentschaftsbewerbers sind bereits eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und haben sich schuldig bekannt.


